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18.10.2013 |  Christina Porod

„Die Schöpfung als Gesamtkonzept ist ein Pfusch! - Joesi Prokopetz in der Kulturwerkstatt Kammgarn

„Die Schöpfung als Gesamtkonzept ist ein Pfusch! Aber was soll schon in einer Woche Arbeit und einem Ruhetag groß rauskommen, beschwerte sich Joesi Prokopetz. Der Autor, Songwriter, Musiker und Kabarettist prägte den Austropop mit, schrieb Hits wie „Da Hofa“ oder „Es lebe der Zentralfriedhof“ für Wolfgang Ambros. Im Jahr 2008 wurde er mit der Ehren-Professoren-Würde ausgezeichnet und ein Jahr später erhielt er einen der renommiertesten Kleinkunstpreise im deutschen Sprachraum, den Salzburger Stier. Als Kabarettist ist der Wiener seit 1997 solo unterwegs. Am gestrigen Donnerstagabend besuchte er mit seinem Programm „Die Schöpfung - eine Beschwerde“ die Harder Kulturwerkstatt Kammgarn.

Joesi im Flow


Es gibt nur eine Gesundheit, aber tausende Krankheiten, jede Dummheit findet einen, der sie macht. Selbst der Mensch ist eine Fehlkonstruktion, weil das Schienbein vorne ist, wo man sich doch so selten das Wadl anhaut. Joesi Prokopetz fällt in seinem zweistündigen pointenreichen Redeschwall so einiges ein, über das man sich lautstark beschweren kann: Die Endlichkeit des eigenen Daseins, Supermärkte, das Fernsehen, das schlechte Gedächtnis.
Auch auf die Verschandelung der Sprache hat es der 61-Jährige abgesehen: Aus Worten werden Wörter, aus der Schrift, die Schreibe. Zu alldem sind in Zeiten der Euro-Krise nur noch billige Witze über Politiker möglich.
Prokopetz’ Flow wird lediglich von seiner intelligenten „Stimme der Wissenschaft" gedrosselt, deren Habitus dann ein wenig der deutschen Bundeskanzlerin gleicht.

Die Mischung macht’s


Ab und an finden auch seichte Witze oder Stereotype ihren Platz, wie im angeblichen Frauensatz „Könntest du nicht eiiiiinmal.......“. Oder er widmet sich den "Noch-schon-Damen“ der Gesellschaft – noch knackig, aber schon dankbar.
Unter die satirisch philosophischen Ansätze mischt sich ab und an auch Humor der weniger feinen, aber nicht weniger spritzigen Art. Und so muss auch immer a bissi Stinki dabei sein: Variationen von Gackerl, Gaxi, Schaß, Flatulenzen oder anderen „fäkalaromatischen Euphemismen“ lösen wie so oft Gelächter aus. Der bühnenpräsente Vollprofi beherrscht einfach die Gratwanderung zwischen Feinem und Derbem und spielt sein gesamtes Potential aus. Gelungene musikalische Einlagen mit Gitarre fügen sich wirksam hinzu.

Das Publikum bedankt sich mit ausgiebigem Applaus für einen gelungenen, kurzweiligen Abend, der so manches Mal zum Denken anregt.

Als Zugabe liest Prokopetz noch aus seinem aktuellen Buch „Soweit so komisch". Selbstverständlich nicht (!) zu Reklamezwecken, wie er betont, sondern, weil er fürs Programm bereits über 50 A4-Seiten auswendig lernen musste, und das reicht.

 

Joesi Prokopetz ist Anfang nächsten Jahres nochmals mit seinem Programm „Die Schöpfung - eine Beschwerde“ in Vorarlberg:
Sa,11.01.2014, 20 Uhr
Theater am Saumarkt, Feldkirch

Joesi Prokopetz beherrscht die Gratwanderung zwischen Feinem und Derbem © Monika Loeff

Joesi Prokopetz beherrscht die Gratwanderung zwischen Feinem und Derbem © Monika Loeff

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  • Joesi Prokopetz beherrscht die Gratwanderung zwischen Feinem und Derbem © Monika Loeff Joesi Prokopetz beherrscht die Gratwanderung zwischen Feinem und Derbem © Monika Loeff