María Esperanza, die einst gefeierte kolumbianische Bolero-Sängerin, begeistert auch mit 93 Jahren noch mit ihrer Stimme und ihrer Lebensfreude. (Foto: Bastian Innfeld)
Martina Nachbaur · 23. Apr 2026 · Kinder

Kleines wird groß, Alltägliches wird magisch

„Ssst!“ – ein clowneskes Theaterstück für die Allerkleinsten zu Gast in Lustenau

Was geschieht, wenn man plötzlich ein weißes Kaninchen in der Hosentasche entdeckt? Diese ebenso absurde wie zauberhafte Ausgangsfrage führt mitten hinein in die leise, poetische Welt von „Ssst!“. Das Berliner Duo florschütz & döhnert lädt Kinder ab zwei Jahren und ihre Begleitpersonen auf eine fantasievolle Reise ein, die ganz ohne Worte auskommt und zeigt, wie aus wenig ganz viel werden kann.

Mit wenigen Requisiten, Musik und viel Humor entsteht eine eigene kleine Bühnenwelt. Eine E-Gitarre und spielerische Variationen von Schubert-Melodien verleihen dem Geschehen eine besondere, ruhige Klangfarbe. Ein Taschentuch, eine Bewegung, ein Blick: Mehr braucht es nicht, um eine ganze Geschichte entstehen zu lassen.
„Ssst!“ dauert rund 30 Minuten und ist ganz bewusst auf die Wahrnehmung der Kleinsten abgestimmt: eindrücklich und trotzdem ohne Überforderung.  



Ein Kaninchen wird zum Protagonisten 

Im Zentrum steht ein clowneskes Paar – und eine scheinbar unerschöpfliche Hosentasche. Aus ihr tauchen kleine Überraschungen auf, bis schließlich ein weißes Kaninchen zum Vorschein kommt: keines von gewöhnlicher Art, sondern eines, „das man sonst eher unter einem Zaubererhut vermutet“, wie es in der Beschreibung heißt. 
Was also tun mit diesem unerwarteten Gast? Aus dieser einfachen Idee entsteht eine Folge kleiner Szenen, die zwischen Slapstick, Clownerie und stiller Poesie wechseln. Aus wenigen Requisiten entwickelt sich eine zauberhafte szenische Fantasie: Das Kaninchen bringt zunächst die Menschenwelt durcheinander und macht sich schließlich – scheinbar mühelos – auf eine Reise zum Mond, die sich unter einem Tisch abspielt.
Vieles davon ist zugleich sichtbar und doch nur angedeutet. Denn florschütz & döhnert spielen nicht nur virtuos mit ihren wenigen Utensilien, sondern auch mit der Vorstellungskraft ihres Publikums. Man hört Klänge, die gar nicht gespielt werden und sieht ein Häschen springen, das doch in den Händen bleibt.

Theater, das aus einfachen Mitteln entsteht

Gerade in der Reduktion liegt die Magie. Ein Taschentuch wird zum lebendigen Kaninchen. „Man muss es gar nicht groß manipulieren, es bewegt sich fast von selbst und schafft ganz leicht sofortigen Kontakt zu den Kindern“, beschreibt Melanie Florschütz diese besondere Eigenschaft. Ein Tisch wird zur Abenteuerlandschaft, ein Licht wird zum Mond. Die Bühne wird zum Möglichkeitsraum, in dem Kinder ihre eigenen Bilder erschaffen können. Gerade weil nicht alles vorgegeben ist, können Kinder das Geschehen auf ihre ganz eigene Weise erleben.
Zugleich bleibt sichtbar, wie Theater entsteht. Effekte und Objekte werden bewusst eingesetzt – fast wie eine Einladung zum Weiterdenken. Die handgemachte Illusion zeigt ihre eigene Entstehung und entfaltet gerade darin ihren Zauber.
Die Bildsprache ist klar und offen, die Formen einfach und wirkungsvoll. Michael Döhnerts Musik verbindet Rhythmus, Klang und Bewegung zu einer feinen, beinahe musikalischen Dramaturgie.

Theater für die Allerkleinsten

Melanie Florschütz und Michael Döhnert zählen zu den Wegbereiter:innen des Theaters für Kinder ab zwei Jahren. Seit 1996 arbeiten sie zusammen, 2008 gründeten sie das Duo florschütz & döhnert. Ihre Stücke verbinden Musik mit Figuren- und Objekttheater – Theater entsteht hier aus Handlung, Rhythmus und Klang.
„Kleine Kinder leben im Moment“, sagt Melanie Florschütz. „Sie reagieren unmittelbar und unverstellt – das ist eine große künstlerische Herausforderung.“ Die Inszenierungen setzen genau hier an: mit klaren Zeichen, einfachen Handlungen und einer Bildsprache, die intuitiv verständlich ist.

florschütz & döhnert: „Ssst!“
So, 26.4., 15 Uhr
Bühne Reichshofsaal, Lustenau

ab 2 Jahren
Dauer: 30 Minuten 

www.lustenau.at