Aktuell in den Filmclubs (24.4. – 30.4. 2026)
Am Spielboden Dornbirn wird diese Woche nochmals der visuell beeindruckende Animationsfilm „Arco – Eine fantastische Reise durch die Zeiten“ gezeigt. Beim TaSKino Feldkirch im Kino GUK steht dagegen mit Julian Radlmaiers „Sehnsucht in Sangerhausen“ eine leichthändige Gesellschaftssatire auf dem Programm.
Arco – Eine fantastische Reise durch die Zeiten: Ein zehnjähriger Zeitreisender landet aus der fernen Zukunft in der vom Klimawandel bedrohten Erde des Jahres 2075, findet aber bald in der gleichaltrigen Iris eine Freundin und Helferin.
In den in sanftes Weiß und zarte Blautöne getauchten Wolkenszenen am Beginn und den detailreichen und farbintensiven Bildern der Welt von Iris erinnert Ugo Bienvenus für den Oscar nominierter Animationsfilm ebenso an die Filme von Hayao Miyazaki wie in seiner Warnung vor den Folgen des Klimawandels. Plastisch entsteht hier das Bild einer volltechnisierten Welt, in der nicht nur Hausarbeit und Kindererziehung, sondern auch Schulunterricht, Straßenarbeiten und Verkehrsregelung Roboter übernehmen, während die aufgrund ihrer Arbeit meist abwesenden Eltern nur als Hologramme präsent sind. Eindringlich beschwört Bienvenu aber auch mit einem mächtigen Sturm sowie einem verheerenden Feuer die drohenden Folgen der Klimakrise.
Gleichzeitig orientiert sich der Franzose aber auch unübersehbar an Steven Spielbergs „E.T.“ (1982). An die Stelle des freundlichen Aliens tritt hier mit Arco zwar ein ganz normaler Junge, doch wie Spielbergs Außerirdischer sehnt sich auch der Protagonist dieses Animationsfilms vor allem nach einer Rückkehr in seine Heimat und ist dabei auf die Hilfe von Iris angewiesen.
Visuell viel zu bieten hat dieser Film mit seinen bunten Bildern und auch an Action fehlt es nicht, wenn Iris und Arco schließlich aus dem Elternhaus vor der Polizei fliehen müssen und sich dabei überraschende Allianzen bilden. Mit seinen jugendlichen Protagonist:innen und der Geschichte um Freundschaft und Hilfsbereitschaft kann „Arco“ so Kinder ebenso ansprechen wie mit den gesellschaftskritischen Akzenten Erwachsene. Nicht zu übersehen ist aber auch, dass Bienvenu so viel hineingepackt hat, sodass manches nicht wirklich weiterentwickelt werden kann und Einiges auch unklar bleibt.
Spielboden Dornbirn: Sa 25.4., 19.30 Uhr (franz. OmU.)
Sehnsucht in Sangerhausen: Die in Sachsen-Anhalt gelegene Kreisstadt Sangerhausen ist ein Hauptdarsteller in Julian Radlmaiers drittem Spielfilm. Immer wieder rückt der 41-jährige Regisseur nicht nur die mächtige pyramidenförmige Abraumhalde, die von der einstigen Blüte des Kupfer- und Silberbergbaus kündet, im Hintergrund ins Bild, sondern beschwört mit dem 1950er-Jahre-Schlager „Die schönsten Rosen blüh'n in Sangerhausen“ auch den Ruf der herausgeputzten Stadt als Rosenzentrum.
Den Kitsch, der dabei aufkommt, bricht Radlmaier aber mit seinen Protagonistinnen, die in prekären Verhältnissen leben. Spielt das erste der vier Kapitel, das mit „Lotte“ überschrieben ist, noch im ausgehenden 18. Jahrhundert und erzählt vom Ausbruchsversuch einer Dienerin aus ihrer Abhängigkeit und vom Traum einer Flucht nach Frankreich, in der mit der Revolution die Idee der Freiheit scheinbar verwirklicht wurde, so rückt mit dem zweiten Kapitel „Ursula“ eine Reinigungskraft ins Zentrum, die im Zweitjob auch noch als Bedienung in einem Café arbeitet.
Nicht nur durch den Schauplatz und über Details wie einen blauen Stein, den beide Protagonistinnen finden, oder Kirschen, die für die einfache Bevölkerung viel zu teuer sind, verbindet Radlmaier die beiden Geschichten, sondern er erzählt auch auf beiden Ebenen von großem sozialen Gefälle und Abhängigkeiten. Mit einem dritten Kapitel kommt auch noch eine aus dem Iran emigrierte junge You-Tuberin dazu, die hofft, mit touristischen Videos Geld zu verdienen. So bringt Radlmaier weitere Sehenswürdigkeiten der Region wie das Kyffhäuser-Denkmal und die Barbarossahöhle ins Spiel, kontrastiert die Idylle aber gleichzeitig mit der grassierenden Ausländerfeindlichkeit.
Trotz dieses ernsten Hintergrunds bleibt diese Satire nicht zuletzt dank der lichtdurchflutet-hellen Sommerbilder immer leicht und beschwört mit der wiederholten Bezugnahme auf den ebenfalls aus der Region stammenden romantischen Dichter Novalis die Sehnsucht von einer Befreiung aus einem unbefriedigenden Leben.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: So 26.4. bis Do 30.4. (deutsche Originalfassung)
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