Kick-off zu spannenden Architekturtagen in Vorarlberg
Als Auftakt zu den österreichweiten Architekturtagen gab es im Vorarlberger Architektur Institut eine knackige Programmpräsentation und im Format einer „Fuck-up-Night“ drei illustre Gäste, die sich über die Kultur des Scheiterns unterhielten.
Das biennal stattfindende Architekturfestival wird von den jeweiligen Architekturhäusern in den Bundesländern kuratiert. Für das vai übernahmen Solveig Furu Almo und Lukas Pankraz Mähr, Studio SAAL Architekten, dieses Projekt und stellten ein höchst spannendes Programm zusammen (ausführlich in der KULTUR 06/24). „Geht‘s noch?“ ist das Motto, dazu gibt es Schwerpunktveranstaltungen im ganzen Land: über Kreisläufe in Bregenz, einfaches Bauen in Bludenz, Liebe in Schlins und Patina in Dornbirn. Im Strahlkreis dieser besonderen Orte kann man an den zwei Tagen noch die Open Studios besuchen.
Zum Vorabend mit dem Versuch der Thematisierung von Architektur und Scheitern wurden Architektin Julia Kick, Kulturmanager Edgar Eller und Architekt Josef Fink eingeladen. Das Konzept von Fuck-up-Nights (2012 in Mexiko aufgekommen) sieht vor, dass Leute offen über ihr Scheitern reden und Erfahrungen austauschen. Das Bekenntnis zum Scheitern kann auch der Schlüssel zum Erfolg sein, gewiss aber eine Gelegenheit zum Lernen.
„Entweder ich bin gescheitert oder wir sind gescheiter“, sagt Josef Fink augenzwinkernd, und erzählt aus der Wettbewerbspraxis. Fink Thurnher Architekten haben in ihren dreißig Jahren bei 128 Wettbewerben mitgemacht und 36 (das ist eine extrem hohe Quote!) gewonnen. Keine Frage für ihn, dass diese ständige Herausforderung vielschichtigste Problemlösungen zu finden, Teil der Weiterentwicklung ihrer Architektur ist. Doch fragt man nach dem Schmerzfaktor beim Scheitern, ist dies zweifellos der finanzielle Einsatz. Auch verlorene Wettbewerbe sind nicht umsonst … aber in jeder Hinsicht. Als langjähriger Vorsitzender im Vorarlberger Wettbewerbsausschuss schätzt er diesen konstruktiven Weg, zu guten Projekten zu kommen, sehr hoch ein. Bei einer guten Vorbereitung des Wettbewerbs, die Spielräume offenlässt, einer guten Jury, werden auch gute Ergebnisse erzielt, und der Lerneffekt ist durchaus allseitig.
Julia Kick zeigt uns ein Foto, auf dem sie als Achtjährige Uno spielt, bei dem sie nie verloren hatte, weil sie zuvor immer die Regeln entsprechend änderte. Im großen Bogen bezüglich Architektur und Wettbewerbe betrachtet, wäre dies durchaus eine Stärke. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und Regeln zu hinterfragen ist gewiss auch ein Weg, neue Ansätze zu finden. Braucht es Mut, eine gewisse Radikalität, dieses Fuck-up? Ein gedeihliches Experimentieren und Ausprobieren braucht jedenfalls ein Biotop in dem Fehler erlaubt sind.
Organisationsberater Edgar Eller unterscheidet zwischen Scheitern und Versagen. Scheitert ein Projekt, so gibt es Rahmenbedingungen, verschiedenartige Gründe, die man analysieren kann, woraus man lernen kann (obwohl durchaus Erfolge auch dazu geeignet sind!) – eine konstruktive Betrachtungsweise, auch der eigenen Fehler. Und Scheitern kann sich im Nachhinein mitunter als Weg zum genau Richtigen herausstellen.
Architekturtage 2024
„Geht´s noch? Planen und Bauen für eine Gesellschaft im Umbruch"
7./8.6.2024
Programm Architekturtage
https://v-a-i.at/