Kammermusik im Montafon
Das Elma Ensemble mit Flöte, Fagott und Streichern beim Festival Montafoner Resonanzen
Im Sternensaal Schruns wurde am Donnerstag das zweite verlängerte Wochenende des Festivals Montafoner Resonanzen mit dem Schwerpunkt „Kammermusik“ eröffnet. Durch die geöffneten Fenster hatte man einen wunderbaren Blick auf die Hochjochbahn.
Für die Kammermusikkonzerte in Schruns, St. Gallenkirch und Batholomäberg hat Markus Felbermayer, der künstlerische Leiter der Montafoner Resonanzen, eine Gruppe von internationalen Musikerinnen und Musikern eingeladen, die unter dem Namen „Elma Ensemble“ drei gemischte Programme mit Bläsern und Streichern vorbereitet haben. Das Elma Ensemble ist eigentlich ein Musikerpool, ein Netzwerk, aus dem heraus je nach Anforderung eine passende Besetzung zusammengestellt wird. Im Zentrum dieses Netzwerkes steht die israelische Flötistin Gili Schwarzman, die in Tel Aviv und München studiert hat und als Mitglied von Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra nach Berlin gekommen ist. Eine ganz ähnliche Biografie hat der Fagottist Mor Biron, er war nach seiner Zeit im West-Eastern Divan Orchestra mehrere Jahre Mitglied der Berliner Philharmoniker.
Aber auch alle anderen Ensemblemitglieder sind hochkarätige Solisten. Die italienische Geigerin Cecilia Ziano beispielsweise ist Konzertmeisterin der Kammerakademie Potsdam, Gareth Lubbe aus Südafrika war Solobratschist im Gewandhausorchester Leipzig und ist seit 2013 Professor für Viola an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Ursprünglich wäre auch der hier im Lande bestens bekannte Cellist Maximilian Hornung mit von der Partie gewesen, er musste aber aus familiären Gründen kurzfristig absagen. Ihn vertritt nun der Franzose Christian-Pierre La Marca.
Problematische Akustik
Das Konzert begann mit der Serenade op. 8 von Ludwig van Beethoven für Violine, Viola und Violoncello mit der niederländischen Geigerin Rosanne Philippens, Gareth Lubbe und Christian-Pierre La Marca. Das war zwar wunderbar gespielt und alle Ausführenden hatten sichtlich großen Spaß, aber leider sieht der Sternensaal in Schruns akustisch vielversprechender aus, als er sich dann tatsächlich präsentiert. Trotz Parkettboden, Holz an den Wänden und an der Decke, ist das Klangbild eher trocken und uncharmant, was sich in erster Linie bei den Geigen in hoher Lage auswirkte. Raumakustik ist und bleibt eben ein Mysterium.
Der zweite Programmpunkt war ein Quartett für Fagott und Streicher des französischen Mozart-Zeitgenossen François Devienne. Kein Meisterwerk, aber bestens geeignet, um dem Publikum die Vorzüge und Klangmöglichkeiten des Fagotts schmackhaft zu machen. Mor Biron tat das mit voluminösem Ton, der sich gegen die drei Streicher problemlos behaupten konnte, makelloser Technik und sensiblen Nuancen im langsamen Satz.
Ausgleichende Gerechtigkeit
Die Frage, wer es im Musikerberuf besser getroffen hat, Bläser oder Streicher, ist nicht einfach zu beantworten. Für beide Instrumentengruppen gibt es unzählige Für und Wider. Allerdings existiert auch so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit. Während Streicher im Orchester in ihrer Gruppe mit anderen gemeinsam spielen müssen – bei Geigern können das bis zu 16 Personen sein – steht ihnen in der Kammermusik ein unerschöpfliches Repertoire vom Duo bis zum Oktett zur Verfügung, und das von allen großen Komponisten. Bei Bläsern ist es umgekehrt. Jeder Bläser hat im Orchester eine eigene Stimme, für die er ganz alleine verantwortlich ist. Dafür sieht es in der Kammermusik eher mau aus. Ja, es gibt vereinzelte Geniestreiche wie Mozarts „Gran Partita“ oder die Serenade op. 44 von Antonín Dvořák, trotzdem blicken Bläser neidvoll auf das unerschöpfliche Repertoire der Streicherkammermusik. Darum muss man sowohl großzügig sein und auch Werke zweiter Wahl aufs Programm setzen als auch Stücke arrangieren und bearbeiten.
Eine hörenswerte Bearbeitung
Genau das hat Guy Braunstein gemacht, als er Dvořáks bekanntestes Streichquartett, das sogenannte „Amerikanische“ op. 96, für Flöte, Violine, Viola und Cello bearbeitet hat. Es ist ein großer Vorteil, dass ein Geiger diese Fassung erstellt hat, so konnte der ursprünglichen Stimme der Ersten Violine Gerechtigkeit widerfahren. Guy Braunstein ist der Ehemann der Flötistin Gili Schwarzmann und war viele Jahre Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. Erste Gedanken wie „muss das wirklich sein?“ verfliegen recht bald, denn diese Fassung funktioniert, wirkt organisch und zeigt, dass geniale Musik wie diese einiges aushält. Gili Schwarzman, die sich in letzter Zeit auch als Komponistin einen Namen gemacht hat, glänzte durch ihren kräftigen, sehr fokussierten Flötenton und bot gemeinsam mit dem Elma Ensemble eine temperamentvolle, mitreißende Wiedergabe dieser gelungenen Bearbeitung, die man in Zukunft vielleicht öfter zu hören bekommt. Das Publikum applaudierte lange und anhaltend.
Montafoner Resonanzen, Kammermusik-Konzert 3 mit dem Elma Ensemble
Werke von A. Dvořák, Z. Kodály, W. A. Mozart, E. Dupuy
Sa, 15.8., 17.30 Uhr, Kirche Bartholomäberg
www.montafon.at/montafoner-resonanzen/de