Das Symphonieorchester Vorarlberg unter der Leitung von Leo McFall startete sein Abonnement mit einem aussagekräftigen Konzert. Gefeiert wurden unter anderem der Komponist Herbert Willi und die Klarinettistin Sharon Kam.
Silvia Thurner · 04. Okt 2026 · Musik

Italienische Leidenschaft und französische Eleganz

Das „concerto arcus caelestis“ bot ein erfrischendes Musikerlebnis

Im „concerto arcus caelestis“ rund um den Violinisten Lukas Michael Hamberger versammeln sich junge Musiker:innen aus Europa, Asien und den USA, deren musikalische Prägung an der Schola Cantorum Basiliensis erfolgte. Zum Abschluss einer Konzertreise durch die Schweiz gastierte das Barockorchester mit vier hervorragend aufeinander abgestimmten Kompositionen von Georg Muffat in der Pfarrkirche St. Stephan in Thüringen. Die freud- und schwungvolle Interpretationskraft der Musiker:innen sowie das schöne Ambiente der Pfarrkirche und die gute Akustik ergaben ein gehaltvolles und in sich abgerundetes Konzerterlebnis.

Die Cembalistin Eva-Maria Hamberger und der Violinist Lukas Michael Hamberger stammen aus Thüringen, sie studierten unter anderem in Basel und sind dort im Bereich der historischen Aufführungspraxis tätig. Seit zehn Jahren widmen sie sich auch in Vorarlberg im Rahmen des Forums Alte Musik der historischen Aufführungspraxis und geben regelmäßig Konzerte. Erstmals konzertierte das „concerto arcus caelestis“ in der Thüringer Pfarrkirche St. Stephan. Das stringente Programm vereinte drei Sonaten aus dem „Armonico tributo“ sowie die Orchestersuite „Nobilis Juventus“ von Georg Muffat. Im Vordergrund der Werkauswahl stand die Frage, ob Muffats Musik eher dem französischen, tänzerischen Typus oder dem italienischen Stilideal mit viel Emotionalität und Kontrapunktik folgt und inwieweit er die beiden Stilrichtungen in seinen Kompositionen vermischte.
Mit großer Spielfreude und in fröhlicher Stimmung tauchten die Musiker:innen in Muffats Klangkosmos ein. Sogleich mit der Sonata I in D-Dur zeigte sich die aufmerksame Gewichtung, mit der die Ensemblemitglieder das charakteristische Grave ausformten. Sehr genau dem Atem des Ensembleleiters folgend, entfaltete sich die harmonische Strahlkraft des Werkes. Mit viel Aufmerksamkeit füreinander entwickelten die Musiker:innen im Allegro einen leichtgängigen Duktus. Die Tonartencharakteristik kristallisierte sich insbesondere mit Beginn des Grave in Moll heraus, wo die Stimmen wirkungsvoll ineinanderflossen. Viel Raum gewährten die Streicher:innen den feinen Klängen der Theorbe, indem sie sich bewusst zurücknahmen. Mit perkussiver Sprungkraft wurde die Gavotte und das flott intonierte Menuet belebt.

Charaktereigenschaften markant ausgedeutet

Die Sonata II, in g-Moll, bildete mit ihrem eher zerklüfteten Charakter einen schönen Gegenpol. Dramatisch und emotional formten die Musiker:innen die einzelnen Passagen. Sehr stark ausgeprägt wirkten dabei die tiefen Register der Theorbe sowie der Violone. Die Pole zwischen introvertierten Passagen und extrovertiert aufbrausenden Abschnitten lotete das „concerto arcus caelestis“ variantenreich aus.
Hervorragend zu den vorangegangenen Sonaten und zur Ausgangsfrage, ob der italienische oder der französische Stil oder doch eine gute Mischung aus beiden, in den Werken Muffats zu einer Einheit gefunden haben, passte die Sonata V in G-Dur. In einem ausbalancierten Miteinander stellten die Musiker:innen die Allemanda in den Raum. Das Adagio erklang in einer ausgewogenen Klangbalance, und die anschließende Fuga gestalteten die Musiker:innen transparent aus. Mit Esprit und straffen Artikulationen kam die virtuose Spielweise des Orchesters in der Passacaglia zur Geltung.
Den Höhepunkt bildete die französische Orchestersuite „Nobilis Juventus“, die Muffat 1698 komponiert hat. Mit einer großen Geste wurde das Werk eingeleitet. In jedem der ausdrucksstarken Satzteile kristallisierten die Musiker:innen die musikalischen Temperamente aussagekräftig heraus. Die Rhythmik verlieh den einzelnen Abschnitten ein markant tänzerisches Profil und Eleganz. Das in raschem Tempo in den Raum gestellte Menuett nahm dabei sogar einen humorvoll beschwingten Folkcharakter an.