Das Symphonieorchester Vorarlberg unter der Leitung von Leo McFall startete sein Abonnement mit einem aussagekräftigen Konzert. Gefeiert wurden unter anderem der Komponist Herbert Willi und die Klarinettistin Sharon Kam.
Karlheinz Pichler · 03. Jul 2024 · Ausstellung

Hochpräzise Gefäßkeramik voll sinnlicher Kraft und Eleganz

Arbeiten von Thomas Bohle in der Johanniterkirche Feldkirch

Das archäologisch geöffnete irdene Fundament der Johanniterkirche Feldkirch wird derzeit überlagert von einer weiteren, aber ganz anderen Form von „Erde“, nämlich den in handwerklicher Vollendung umgesetzten keramischen Gefäßen des Dornbirner Künstlers Thomas Bohle.

Der magische Glanz der Glasuren von Bohles Objekten verbündet sich mit der Stille des sakralen Raumes zu einem meditativen Sinneseindruck. Der Künstler über den besonderen Ort: „Es gibt Räume, die beruhigen mich. Wenn ich in eine Schlucht, in ein Kellergewölbe oder in eine Kirche gehe, werde ich schweigsam. Ganz besonders funktioniert dies bei mir hier in der Johanniterkirche.“ 
Der 1958 in Dornbirn geborene Bohle zählt in der Gefäßkeramik international zu den Ausnahmeerscheinungen. Mit seinen doppelwandigen, in handwerklicher Perfektion an der Drehscheibe geschaffenen Objekten belegt er, dass die Gefäßkeramik als künstlerisches Statement nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat und in ihrer formalen strengen Radikalität noch immer progressive Behauptungen setzen kann. Die Außen- und Innenformen der Gefäße von Bohle bilden einen betonten Kontrast, der von einer dynamischen Abfolge von Schwung und Gegenschwung, konkaven und konvexen Partien getragen wird. Der Künstler selber denkt in den von seinen Vorstellungen abgeleiteten und von seinen Händen geformten Gebilden eher an Behausungen oder architektonische Modelle anstatt an bloße Gefäßstrukturen. Die den Objekten innewohnende Sinnlichkeit und Haptik wird durch die reduziert (weil mit wenig Sauerstoff) gebrannten asiatischen Glasuren wie Ochsenblut-, Tenmoku-, Seladon- und Eschenglasuren, für die sich der Künstler schon immer interessiert hat, und den damit zusammenhängenden unterschiedlichen Farbgebungen und Oberflächenstrukturen zusätzlich unterstrichen.

Doppelwandige Gefäße als Markenzeichen

Bohle selber sagt: „Ich versuche, die Form meiner Stücke zu betonen, indem ich einen Kontrast zwischen der äußeren und der inneren Form schaffe. Meine Farbwahl unterstreicht meine Formwahl. Die Gefäße besitzen optisches Gewicht, vermitteln aber durch ihre schlanken Böden, klaren Proportionen und die Hohlräume im Inneren auch Leichtigkeit.“
Die Gefäße sind nicht nur von einer strukturellen Qualität geprägt, sondern eröffnen auch ein gewisses Rätsel im Kontrast zwischen dem sichtbaren Außen und den verborgenen Räumen im Inneren. Bohle schlägt gleichsam eine Brücke zwischen Kunst und Funktion. Frank Nievergelt, der eine der größten Keramiksammlungen der Schweiz aufgebaut und von 1991 bis 2012 auch die Kunsthalle Wil geleitet hat, schreibt im aufwendig gestalteten Kunstbuch „Thomas Bohle – Keramische Objekte, innere Räume“ auf Seite 78 über den Dornbirner Künstler: „Die präzise Schönheit der Geometrie schränkt er nicht im kühlen Sinne auf die reine Ausrichtung von Kreis und dessen Segmenten ein. Bei den in der Silhouette sich entfaltenden Schwüngen können auch organische Rundungsanklänge den Ausdruckswert der Form bestimmen. Der rationalen Formgebung vermag er durch die persönliche Empfindung auch eine lyrische Stimmung mitzugeben.“

Materialien aus der Region

Neben diesen glasierten, doppelwandigen Hochpräzisionsgefäßen sind im Inneren des Kirchenschiffes auch mehrere kleine Gefäße zu bestaunen. Diese Miniaturen in zart-leuchtendem Gelb hat Bohle aus reinem Ton, ohne Glasur geschaffen. Das Material hat er an der Rotach im Bregenzerwald gefunden. Laut dem Künstler markieren diese kleinen Objekte den Anfang einer neuen Serie, für die er unter anderem am Pfänderhang und in der Rappenlochschlucht unterwegs ist, um entsprechende Tonerde zu schürfen. 

Das Innenleben im Röntgenblick

Ergänzend zu seinen keramischen Objekten hat Thomas Bohle in vergangenen Ausstellungen auch immer wieder Röntgenaufnahmen gezeigt, die die spannenden Innenräume der Plastiken offen legen. Auch die rauhen Wände der Johanniterkirche sind mit solchen Aufnahmen bestückt, die die doppelwandigen Schalen durchleuchten. Durch diese Röntgenbilder sehe man das Original nochmals mit anderen Augen, betont der Künstler. Bohle: „Die Aufnahmen verdeutlichen die Geometrie. Darüber hinaus haben sie eigene sinnliche Qualitäten.“ 
Bohle hat weltweit bereits in zahlreichen renommierten Institutionen ausgestellt, wie beispielsweise im Victoria and Albert Museum, London oder dem Museo Internationale delle Ceramiche im italienischen Faenza. Die Bedeutung der Keramik in Japan und China und die dortige Wertschätzung von Bohles Werken brachte dem Dornbirner Künstler in China sogar den ehrenvollen Titel „Meister der schönen Dinge“ ein.

Thomas Bohle: Schweigsam werden
Johanniterkirche Feldkirch
Bis 31.8.
Mo-Fr 10-12 u. 15-18, Sa 10-14
www.johanniterkirche.at