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15.11.2012 |  Fritz Jurmann

Die Bregenzer Festspiele präsentieren ihr Programm für 2013 – nur das Regiekonzept von Mozarts „Zauberflöte“ am See bleibt noch ein Geheimnis

Mit wiedererstarktem Optimismus gehen die Bregenzer Festspiele „dem Licht entgegen“ – so das Motto der Saison 2013. In einer theatralisch inszenierten Pressekonferenz auf der Hinterbühne des Festspielhauses wurden am Donnerstagvormittag die wichtigsten Programmpunkte des nächsten Jahres präsentiert. Nach dem aus finanziellen Gründen programmlich stark zurückgefahrenem Jahr 2012 gibt es für nächstes Jahr nicht unbedingt mehr Angebot, aber durch Umschichtungen neue Schwerpunkte.

Im Mittelpunkt stehen natürlich die beiden Hauptproduktionen am See und im Haus, Mozarts „Zauberflöte“ und die Uraufführung der Oper „Der Kaufmann von Venedig“ des unbekannten polnischen Komponisten André Tchaikowsky. Erstmals in der Geschichte der Bregenzer Festspiele gibt es 2013 kein Schauspiel mehr, dafür wird  die zuletzt stark ausgehungerte „KaZ“-Schiene mit zwei großen Musiktheaterproduktionen wieder deutlich aufgewertet. Nicht mehr im Programm ist auch die langjährige „kleinere“ Opernproduktion am Kornmarkt, dafür wird die Zahl von Orchesterkonzerten von bisher vier auf sechs angehoben, vier mit den Wiener Symphonikern als Hausorchester, zwei mit dem Symphonieorchester Vorarlberg.

Alles im „soliden Fahrwasser“

Pressesprecher Axel Renner moderierte die Informationsveranstaltung, an deren Beginn Festspielpräsident Hans-Peter Metzler betonte, wie sehr man sich im „soliden Fahrwasser“ befinde. Pountney konnte bis inklusive 2014 als Intendant in Bregenz verlängert werden, mit Elisabeth Sobotka sei die ideale Nachfolge für ihn gesichert. Da störe auch nicht die momentane Unsicherheit, wer nach dem Ausstieg der Schweizer Bank UBS als Hauptsponsor zukünftig die entstandene finanzielle Lücke füllen soll – Verhandlungen sind im Gange.

Gerade in schwierigen Zeiten optimistische Ideen und Produktionen präsentieren, will Intendant David Pountney, wie etwa das von seiner humanistischen Aussage her geprägte Märchen „Die Zauberflöte“. Der kaufmännische Direktor Michael Diem stimmte dem aus einem anderen Grund bei: „Immer, wenn Mozart programmiert wird, freut sich der Kaufmann.“ Im Moment sind 13.000 Karten für die nächstjährige Seeproduktion abgesetzt, zweitausend Tickets gehen pro Woche weg, damit liegt man über den Vergleichszahlen von Top-Hits wie „West Side Story“ oder “Aida“, vor allem auch des künstlerisch zwar hochkarätigen, aber schlecht besuchten „André Chénier“. Wenn dieser Trend anhält, wird man zu den bisher für die kommende Saison geplanten 27 Seeaufführungen eine weitere ansetzen. Mit 205.000 Karten insgesamt wurde ein Drittel mehr aufgelegt als heuer, mit einer Auslastung von 95 Prozent wird gerechnet.

„Zauberflöte“-Regie ist in Bregenz Chefsache

David Poutney hat zum Abschluss seiner Intendanz in Bregenz die Regie bei Mozarts „Zauberflöte“ (2013/14) zur Chefsache erklärt. Seine drei bisherigen Seeproduktionen, „Der fliegende Holländer“, „Nabucco“ und „Fidelio“ gehören zu den Highlights der letzten Jahrzehnte am See, nicht weniger seine Hausinszenierungen wie etwa Weinbergs „Passagierin“. Einen Vergleich mit der sehr verspielten Regie des Franzosen Jérome Savary bei der ersten „Zauberflöte“ am See 1985/86 braucht Pountney nicht zu scheuen, weil sich heute kaum jemand mehr daran erinnert.

Er hat bisher einmal in den 70er Jahren in Schottland dieses Werk inszeniert und einige Arbeiten anderer Regisseure gesehen. Dabei ist in ihm der Entschluss gereift, es jetzt, nach 30 Jahren, mit der „Zauberflöte“ nochmals selbst zu versuchen in diesem einmaligen Ambiente, wo die Elemente Erde, Wasser und Luft ganz neue Dimensionen erhalten. Eine Andeutung über sein Regiekonzept wollte sich der alte Fuchs Pountney jedoch nicht entlocken lassen.

Tchaikowskys „Kaufmann von Venedig“ als Fundstück

Eine interessante Geschichte hat die Aufnahme der Opernversion von Shakespeares Schauspiel „Der Kaufmann von Venedig“ ins nächstjährige Festspielprogramm. Eigentlich war ja dort in der Fortsetzung der Uraufführungsreihe von Hausopern „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von H. K. Gruber geplant gewesen, doch der Komponist kam mit der Fertigstellung in Verzug. So stieß Pountney nach der sensationellen Wiederentdeckung des polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg vor zwei Jahren durch Zufall bei einem Aufenthalt in Polen auf den völlig unbekannten André Tchaikowsky, weder ident noch verwandt mit dem großen russischen Komponisten fast gleichen Namens.

Der polnische Tchaikowsky kam 1935 als Robert Andrzej Krauthammer in Warschau zur Welt, wuchs im Ghetto auf, wo ihn seine Großmutter rettete. Nach dem Krieg machte sich Tchaikowsky, ein homosexueller Jude, als Konzertpianist einen Namen und versuchte sich als einer, der Antisemitismus am eigenen Leib erfahren hat, ausgerechnet an eine Opernversion von Shakespeares „Kaufmann von Venedig“. Doch eine angestrebte Aufführung des Werkes scheiterte, Tchaikowsky starb kurz danach aus Enttäuschung im Alter von 46 Jahren. Dieses bisher unentdeckte Werk steht also nun 2013 als Uraufführung und als „Akt der Wiedergutmachung“ (Pountney) im künstlerischen Fokus der Bregenzer Festspiele. Die Inszenierung übernimmt Keith Warner, Regisseur von „André Chénier“. Dazu soll es auch ein eigenes Symposion geben.

Aktuelles Musiktheater bei „KaZ“

Die Schiene „Kunst aus der Zeit“ wartet mit zwei großen Musiktheaterproduktionen auf. „The Wasp Factory“ („Die Wespenfabrik“) von Ben Frost, einem in Australien lebenden isländischen Komponisten, nach dem Bestseller von Iain Banks und einem Libretto von David Pountney, kommt hier zur Welt-Uraufführung. „American Lulu“ ist die Annäherung der bedeutenden österreichischen Komponistin Olga Neuwirth an Alban Bergs Oper „Lulu“, deren ersten beiden Akte sie aus ihrer Sicht umgeformt und nach Las Vegas verlegt hat. Der dritte Akt ist von Neuwirth neu komponiert. Das Werk hatte kürzlich in Berlin Premiere und wird in Bregenz seine österreichische Erstaufführung erleben.

Die sechs Orchesterkonzerte beinhalten u.a. Beethovens „Neunte“ und Symphonien von Rachmaninoff und Dvorak, kontrastiert mit Musik von André Tchaikowsky und einer Retrospektive auf Schwerpunkt-Komponisten der Pountney-Ära wie Weinberg, Szymanowsky oder Britten, weiters auch eine Art „Neujahrskonzert“ mit Werken der Strauß-Dynastie. Neben dem Cross-Culture-Jugendprogramm gibt es erstmals in diesem Rahmen in Zusammenarbeit mit dem Vorarlberger Blasmusikverband auch ein internationales Blasmusik-Camp am Bodensee. Jugendliche ab 16 Jahren treffen dabei auf Dozenten der Wiener Symphoniker und erarbeiten große Musikwerke.

Am Podium von links Pressesprecher Axel Renner, Kaufmännischer Direktor Michael Diem, Präsident Hans-Peter Metzler und Intendant David Pountney (© Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis)

Am Podium von links Pressesprecher Axel Renner, Kaufmännischer Direktor Michael Diem, Präsident Hans-Peter Metzler und Intendant David Pountney (© Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis)

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  • Am Podium von links Pressesprecher Axel Renner, Kaufmännischer Direktor Michael Diem, Präsident Hans-Peter Metzler und Intendant David Pountney (© Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis) Am Podium von links Pressesprecher Axel Renner, Kaufmännischer Direktor Michael Diem, Präsident Hans-Peter Metzler und Intendant David Pountney (© Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis)
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