Geschmacksvolle „Springtime Vibes“ mit Blockflöte, Stimme und Electronics
Barbara Nägele und Viola Ess-Pfefferkorn feierten den Frühling.
Der Verein „Kultur MITTENDRIN“ rund um Barbara Nägele bespielte einen exquisiten Ort im Zentrum von Rankweil, die denkmalgeschützte St.-Peters-Kirche. Gemeinsam mit der Sängerin Viola Ess-Pfefferkorn lud die Blockflötistin zu einem Konzert mit neuer Musik und Electronics. Unter dem Motto „Springtime Vibes“ wurden die Konzertbesucher:innen in der voll besetzten Kirche mit einer durchdachten Werkauswahl in die Natur und speziell in den Frühling geführt. Im stimmungsvollen Ambiente stießen die Darbietungen auf große Resonanz.
Nach einer originellen Improvisation, in der mit zwitschernden Vogelpfeifen, Windgeräuschen und Wasserblubbern sowie Vokalisen und Sprachlauten der musikalische Dialog eröffnet wurde, stellte Barbara Nägele fest, dass der Frühling durch seine energiegeladene Hoffnung in unserer, von Krisen gebeutelten Zeit etwas Provokatives habe und lud die Zuhörenden zum „Verrückt-Sein“ ein.
Sogleich das erste Werk „Echo from the East“ von Jan Rokyta ließ aufhorchen und öffnete den Raum für orientalisch gefärbte Tonmuster und mikrotonal ausgeformte Liegetöne. Die elektronischen Effekte vergrößerten den Spielraum der Flötistin durch gut dosiert zugeschalteten künstlichen und realen Hall. Unmittelbar darauf trat Viola Ess-Pfefferkorn mit ihrem eigenen Song „WMI“ in eine spannende Wechselbeziehung zur Flötistin. Stimmungsvoll wirkte die Ballade „Windsong“, in der der Gesang von Viola Ess-Pfefferkorn und die melodischen Linien der Blockflöte, unterstützt von der Cajon, hervorragend harmonierten.
In „Mystery Spring“ ließen die Musikerinnen in Form von Loops die musikalischen Gesten sprießen, gedeihen und wachsen. Mittels eingespielter Floskeln schichtete Barbara Nägele Patterns von unteren Tonregionen ausgehend aufeinander, bis sie Viola Ess-Pfefferkorn am Klavier in kristalline, hoch klingende Arpeggien führte. Verbunden mit ihrer instrumental geführten Stimme entfaltete sich dabei eine sakrale Atmosphäre.
Auch in Sören Siegs Komposition „The Way“ legte Barbara Nägele Melodien der Tenor-, Alt- und Sopranblockflöte und des Sopraninos übereinander. Meditativ führte sie den Dialog mit sich selbst, und die Musik entfaltete sich mit einem naturhaften, irischen Touch. Die ausdrucksstarke Deutung des Werkes „Resistance for Peace“ von Isaac Makhdoomi bildete einen Höhepunkt des Konzertabends. Darin ergaben das Zusammenklingen von Stimme mit virtuosen Begleitfloskeln sowie bildreiche musikalische Gegensätze ein vielschichtiges Hörerlebnis.
Die Übergänge zwischen den Werken, in denen die Blockflöte im Vordergrund stand, und jenen, in denen Viola Ess-Pfefferkorn mit ihrer im Jazz verwurzelten Stimme sang, loteten die Musikerinnen hervorragend aus. Gedichte von Friedrich Borchert und Max Haushofer Jr. bereicherten die musikalischen Darbietungen. Locker und jazzig phrasiert erklang Paul Leenhouts Werk „Daido“, und in „RFX 300“ von Annette Ziegenmeyer improvisierte Viola Ess-Pfefferkorn kreativ über rhythmische Patterns der Blockflöte.