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30.01.2020 |  Gunnar Landsgesell

Little Women

Als Frauen noch heiraten mussten, um ökonomisch abgesichert zu sein: Greta Gerwig inszeniert den bereits mehrfach verfilmten Roman der Autorin Louisa May Alcott, der vier jungen Frauen und ihrer Mutter Mitte des 19. Jahrhunderts in verschiedene Lebenslagen folgt. Beschwingt bis heiter, ein Ensemblefilm ohne falsche Töne.

Gott, Moral, gesellschaftliche Normen und deren sanfte Herausforderung liefern die Dynamik dieser Erzählung. „Wir können Gottes Willen nicht aufhalten“, sorgt sich eine der Schwestern einmal über unbotmäßige Gedanken. „Gott kennt meinen Willen noch nicht“, entgegnet Jo entschieden. Jo, das ist eine der vier Schwestern aus dem Hause March, die mit ihrer Mutter Marmee (Laura Dern) Mitte des 19. Jahrhunderts ihr Leben ohne Familienoberhaupt in Massachusetts bestreiten. Der Vater kämpft im Sezessionskrieg, während man die fünf Frauen episodisch begleitet. Über die umtriebige Jo (Saoirse Ronan), die gerne Schriftstellerin werden möchte, witzeln die Schwester, dass sie mit ihr auch einen Bruder haben.
Bereits mehrfach wurde der autobiographisch gefärbte Roman der Autorin Louisa May Alcott verfilmt. Unter der Regie von Greta Gerwig bekommt der Stoff eine auffällige Leichtigkeit, ohne dessen feministische Haltung zu verwässern. Gerwig inszeniert ein großes Ensemble temporeich mit sicherer Hand, und setzt dabei wie schon in „Lady Bird“ auf eine Beschwingtheit, die sie in „Little Women“ in Momentaufnahmen bis in romantische Gefühlslagen weitertreibt. In den teils vollgeräumten Tableaus entsteht das Stimmungsbild einer Epoche, in der die Männer Jackett und die Frauen lange Kleider trugen, während deren innere Bedürfnisse jenen unserer Zeit nicht unähnlich sind. Das Problem daran: Jo und ihre allesamt begabten Schwestern können kaum einen Beruf ergreifen, die Gesellschaft hat ihnen bereits einen anderen Platz reserviert. Mit der Lebensperspektive der Heirat arrangiert sich immerhin Meg (Emma Watson), doch Jo, Beth (Eliza Scanlen) und Amy (Florence Pugh) gehen vielleicht andere Wege. „Little Women“ schöpft in seinen Ausdrucksmöglichkeiten aus dem Vollen, hier wird auch ziemlich viel geredet. Geschwätzigkeit, das brachte früher jungen Fräulein eine Ermahnung ein, hier ist das geradezu Programm. Gerwig, vielleicht die bekannteste Darstellerin aus der Zeit der sogenannten Mumblecore-Filme, schöpft damit vielleicht auch aus ihrer filmischen Sozialisation. Sie firmiert als alleinige Drehbuchautorin und verleiht den Teens mit erstaunlicher Sicherheit die Gabe, sich selbst auszudrücken.

Beschwingte Stimmungslagen 

Interessanterweise findet Gerwig selbst in diesem historischen Stoff eine Möglichkeit, Lebenslagen bis zu romantischen Gefühlen auszuloten. „Little Women“ ist auch ein Film der Pferdekarossenfahrten, betulicher Umgangsweisen in biederem Ambiente und der neckischen Begegnungen junger Menschen. Wie gemacht auch für Timothée Chalamet als Laurie, ein junger Dandy und Sohn reicher Eltern, der von der angehenden Schriftstellerin Jo zurückgewiesen, nun bei Amy anzudocken versucht. Chalamet, bereits in „Lady Bird“ zu sehen, verdichtet hier seine traumwandlerische Performance noch. Immer wieder wird der Zuseher sanft darauf gestoßen, wie der gesellschaftliche Handlungsraum der jungen Frauen begrenzt ist, und wie Gerwig sich vorstellt, diesen zu unterwandern. Da tänzelt ein jünges Fräulein schüchtern herum, weil sie das Klavier des reichen Nachbarn benutzen darf, da späht während einer Tanzveranstaltung eine andere junge Frau heimlich durch den Vorhang, weil ihr Kleid an der Spitze etwas angesengt ist, bis sie schließlich auf der verschneiten Veranda einen Tanz hinlegt. Und immer bleibt man im Familienverband. Auch wenn es mal Neid gibt oder Maßregelungen durch eine schnippische Tante (Meryl Streep), die Schattenseiten des Lebens, sie sind in diesem Film erträglich. So richtig böse ist hier niemand wirklich.

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