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14.03.2009 |  Walter Gasperi

Hilde

Kai Wessel hakt in seinem Biopic wichtige Stationen im Leben der Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef ab, kommt aber der Porträtierten nie näher, auch wenn sich Heike Makatsch in der Titelrolle redlich abmüht.

„Wer ist Hildegard Knef?“, fragt der Produzent Erich Pommer die von Heike Makatsch gespielte Hildegard Knef einmal auf einer Party – und es ist in diesem Film einer der ganz raren Momente der Verdichtung, der Momente, in dem eine Frage oder ein Motiv Dringlichkeit gewinnt.

Epsiodenstruktur statt dramaturgischem Bogen

Um die Frage nach der Persönlichkeit Knefs, um ihre Identität kreist zwar der ganze Film, doch beliebig bleibt dieser Ansatz, bleibt seinem Star fern wie Heike Makatsch, die zwar äußerlich mit Make-up, Frisur, Kleidung und Stimme der Porträtierten ähneln mag, aber nie in ihr Inneres blicken lässt. Wie die Figur dadurch gewissermaßen ein auf die Oberfläche reduziertes Ausstattungsstück bleibt, so bleibt auch der zeitgeschichtliche Hintergrund kulissenhaft, ohne etwas von der jeweiligen Stimmung zu vermitteln.

Ausgehend und geklammert von Knefs Rückkehr ins geteilte Berlin des Jahres 1966 und einem umjubelten Konzert in der Berliner Philharmonie, in dem der Film sein Finale findet, rollt Kai Wessel in Rückblenden entscheidende Stationen im Leben des deutschen Weltstars auf. Vom Kriegsjahr 1943, in dem die 16-jährige ihre Laufbahn als Schauspielerin startete über die „Trümmerjahre“ und den ersten Triumph mit „Die Mörder sind unter uns“, einen missglückten Hollywood-Abstecher und den Skandal um „Die Sünderin“ bis zum Start einer Karriere als Sängerin Anfangs der 60er Jahre spannt sich der Bogen.

Ausgespart bleiben so nicht nur Kindheit und Jugend, sondern auch die Zeit zwischen 1966 und ihrem Tod im Jahre 2002. Das wäre verschmerzbar, ungleich schwerer wiegt aber, dass der Film auch in dem behandelten Lebensabschnitt zu keiner auch nur ansatzweise überzeugenden Dramaturgie findet. Etwa im Zehnminutentakt wird Episode nach Episode, die jeweils mit einem Zitat aus einem Lied Knefs eingeleitet und mit Zeit- und Ortinserts verankert werden, abgehakt, ohne dass es eine dramatische Steigerung oder Entwicklung gäbe. Ideal für eine Fernsehausstrahlung mit Werbepausen sind solche kleinen Häppchen freilich.

Fehlende Haltung des Regisseurs

Zumindest seltsam ist auch Wessels Haltung – oder eben fehlende Haltung – zur Porträtierten. Es gibt nämlich weder einen kritischen Blick auf die Knef, die liebend gerne für die Nazis arbeitet und auch mit dem Reichsfilmdramaturgen ins Bett geht, noch auf die repressive Nachkriegszeit, in der eine Nacktszene in „Die Sünderin“ und eine Affäre mit einem verheirateten Mann zur gesellschaftlichen und beruflichen Ächtung des Stars führen. Da wird das Kriegsende dann schnell auch mal nicht zur Befreiung von einem Terrorregime, sondern zum Knick in der Laufbahn einer aufstrebenden Schauspielerin. Aus der Perspektive der Knef mag diese Sichtweise der Nazizeit, die erst später durch einen Auschwitz-Film und den Besuch eines englischen Heims, deren Insassen durch Kriegsverletzungen erblindet sind, revidiert wird, durchaus richtig sein. Erwarten darf man aber nicht nur, sondern muss man von einem Film, dass er gerade in solchen Punkten Position bezieht und sich nicht auf eine pseudoobjektive nacherzählende Beobachterposition zurückzieht.

Alles ist dem Film oder Wessel einerlei – und das macht ihn trotz der Handlungsfülle letztlich fad und lau. Denn nichts wird hier ausgelotet, auch keine Nebenfigur differenzierter gezeichnet, alles nur im Schnellgang durchlaufen und gerade der Höhepunkt der Karriere mit Triumphen in den USA in den 50er Jahren mit Rollen am Broadway und in Hollywood nur mal mit Archivmaterial in kaum mehr als einer Minute abgehandelt. – So bleibt eben nur ein oberflächlicher und hohler Bilderbogen, unter dessen Kostümen und Kulissen gähnende Leere liegt.


Läuft derzeit im Kino Namenlos in Feldkirch

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