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24.06.2022 |  Gunnar Landsgesell

Elvis

„Elvis" ist ein opulenter Bilderreigen, inszeniert wie eine große Party, auch wenn deren Gastgeber zu früh stirbt. Baz Luhrmann („Moulin Rouge") erzählt von der Strahlkraft seines Helden, die ausgerechnet sein Manager Colonel Parker (Tom Hanks) einzugrenzen versucht. Die Geschichte des King of Rock'n'Roll, erzählt von seinem Förderer, der schließlich zu seinem Feind wurde.

Bilder wie im Rausch, Schnitte, mit denen man von einer Bewusstseinsebene in die andere wechselt: So hatte Baz Luhrmann schon vor zehn Jahren „The Great Gatsby“ inszeniert. Damals ging es um den sozialen Aufstieg eines Kindes armer Eltern zum Multimillionär, ohne dass dabei die Versprechungen des „Pursuit of Happyness“ eingelöst wurden. In Luhrmanns neuem Epos „Elvis“ haben sich die visuellen Mittel kaum verändert; als erstes fällt die Opulenz der Bilder auf. Und erneut steigt ein Bub aus einer Brettersiedlung die soziale Leiter hoch und endet als der Superstar, den wir alle kennen. Luhrmanns besonderer Kniff ist dabei, keine neuen Details über das Leben Presleys anzubieten, sondern von den zumeist unsichtbaren Fliehkräften zu erzählen, denen Stars oft ausgesetzt sind. Im Fall von Elvis Presley ist dafür der Musikmanager Colonel Tom Parker verantwortlich, durch dessen stets berechnenden Blick der Aufstieg des Arbeiterbuben aus Memphis, Tennessee, erzählt wird. Parker wird, so die Prämisse des Films, der frühe Tod des Rockmusikers angelastet. Dieser pariert den Vorwurf gleich zu Beginn mit den denkwürdigen Worten: Elvis wurde durch mich geboren, ohne mich würde es ihn gar nicht geben. So sind die Spielräume für das ausgesprochen seltsame Duo dieser Erzählung abgesteckt. Tom Hanks steigt für die gesamte Spieldauer nicht aus seinem Fatsuit, wabert wie ein böser Geist aus einem Tim Burton Film durch die Szenerien und behandelt den Sänger als sein Geschöpf, obwohl dieser schon längst zu einer nationalen Größe im Musikbusiness geworden ist. Presley hingegen, vom 30-jährigen Kalifornier Austin Butler mit großer Hingabe verkörpert, wird eine Strahlkraft zugestanden, die im Film auch abseits der Bühne nicht verblasst. „Elvis“ ist eine große Party, die sich eine Strategie des emotionalen Überschwangs und der ikonischen Überhöhung zu eigen macht und vom Dauer-High kaum je herunterkommt. Weniger glamouröse Stationen wie die Militärzeit Presleys, seine leichtgewichtigen Auftritte als Schauspieler oder familiäre Momente mit den Eltern oder seiner Ehefrau Priscilla werden nur gestreift.

Tribute an schwarze Blues-Musiker

„Elvis“ startet fulminant: Ein wilder Bilderreigen überfordert fast die Sinne, wenn Luhrmann den Zuseher im Stakkato mit Bildern von Juke Joints, schwarzen Blues- und Gospelszenerien und einem jugendlichen Elvis mittendrin bewirft. Auffällig ist, wie eng Presley hier biographisch und künstlerisch mit schwarzen Milieus verzahnt wird, was für den erzkonservativen Süden dieser Zeit doch recht spekulativ wirkt. Doch gerade darin lässt sich eine ebenso schöne wie rare Referenz an jene schwarzen Blues-Musiker sehen, die oftmals verarmt starben, während Gruppen wie die Stones, die Beatles und eben auch Elvis Presley mit deren Musik zu Wohlstand und Ruhm kamen. Dass Elvis zu Beginn mit einem knallig rosaroten Anzug auf die Bühne tritt und mit pulsierenden Körperbewegungen die biedere Country-Szene durchrüttelt, bringt ihm schon bald die Kritik weißer Sittenwächter ein. Genüsslich schneidet der Film die Bilder kreischender junger Frauen dazwischen, die längst zu einem Motiv der Befreiung der Sechziger Jahre wurden. Während Elvis mit dem Hüftschwung sein Publikum triggert, bastelt der Film an einer Figur, die äußerst politisch wirkt. Elvis ist mit Musikern wie dem jungen B.B. King und Little Richard unterwegs und leidet, als Martin Luther King ermordet wird. Elvis' Auftritte werden dabei fast schon zu Manifesten gegen die Segregation hochstilisiert. Hintertrieben wird diese Entwicklung einmal mehr von Colonel Parker, der den Sänger aus Angst vor finanziellen Einbußen „weißer" werden lässt. Der rosarote Anzug weicht schwarzem Leder und schließlich einer weißen oder goldenen Montur, mit der der Showman bis tief in die Mittelschichten vorzudringen vermag. Mit biographischen Details wird man bei Luhrmann nicht belastet. Der erklärte Fan von Bollywood-Filmen und musikalischen Einlagen hat mit Elvis Presley seinen idealen Protagonisten gefunden.

Rosarot mit Hüftschwung: Bei Baz Luhrmann sehen weiße Sittenwächter in Elvis Presley eine kulturelle Bedrohung.

Rosarot mit Hüftschwung: Bei Baz Luhrmann sehen weiße Sittenwächter in Elvis Presley eine kulturelle Bedrohung.

Gospel, Blues und Soul: In "Elvis" wird auffällig auf die Ursprünge von Rock und Pop verwiesen - die Rolle von Presley im segregierten Süden wirkt dabei etwas spekulativ.

Gospel, Blues und Soul: In "Elvis" wird auffällig auf die Ursprünge von Rock und Pop verwiesen - die Rolle von Presley im segregierten Süden wirkt dabei etwas spekulativ.

Snowman and Showman: Tom Hanks als Förderer und Gegenspieler seines Stars, der auf eigentümliche Weise die Perspektive des Films bestimmt.

Snowman and Showman: Tom Hanks als Förderer und Gegenspieler seines Stars, der auf eigentümliche Weise die Perspektive des Films bestimmt.

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Bilder
  • Rosarot mit Hüftschwung: Bei Baz Luhrmann sehen weiße Sittenwächter in Elvis Presley eine kulturelle Bedrohung. Rosarot mit Hüftschwung: Bei Baz Luhrmann sehen weiße Sittenwächter in Elvis Presley eine kulturelle Bedrohung.
  • Gospel, Blues und Soul: In "Elvis" wird auffällig auf die Ursprünge von Rock und Pop verwiesen - die Rolle von Presley im segregierten Süden wirkt dabei etwas spekulativ. Gospel, Blues und Soul: In "Elvis" wird auffällig auf die Ursprünge von Rock und Pop verwiesen - die Rolle von Presley im segregierten Süden wirkt dabei etwas spekulativ.
  • Snowman and Showman: Tom Hanks als Förderer und Gegenspieler seines Stars, der auf eigentümliche Weise die Perspektive des Films bestimmt. Snowman and Showman: Tom Hanks als Förderer und Gegenspieler seines Stars, der auf eigentümliche Weise die Perspektive des Films bestimmt.