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25.04.2019 |  Gunnar Landsgesell

Ein letzter Job

Es war einer der größten Raubzüge der britischen Geschichte, als vor einigen Jahren eine Gruppe von Pensionisten Juwelen mit Millionenwert aus einem Safe raubten. Wie man darüber erzählen soll, bleibt in diesem Film jedoch unklar: Ein technisch gut gemachtes Heist-Movie ohne (Selbst)Ironie und Spannung.

Mit den Worten „Crime is about passion“ belehrt im Film einmal einer der Kriminellen seine Kollegen. Tatsächlich ist in „Sein letzter Job“ davon aber wenig zu merken. Der Film basiert auf einem wahren Fall, dem größten Bankraub der britischen Geschichte, und handelt von einer Gruppe von Pensionisten, deren Biographien sich durchwegs durch kriminelle Energien auszeichnen. Jetzt wollen sie es also noch einmal wissen und planen einen großangelegten Raub in ein Safe Deposit in London, aus dem sie kiloweise Juwelen und Schmuck erbeuten. Allen voran der 85-jährige Michael Caine (Brian), an seiner Seite der 78-jährige Michael Gambon (Billy), der 81-jährige Tim Courtenay (John), der 70-jährige Jim Broadbent (Terry) und mit Charlie Cox in der Rolle des Basil ein Schauspieler der jüngeren Riege, der als Spezialist für moderne Sicherheitstechnologien ins Boot geholt wird. Eigentlich hört sich „King of Thieves“ (so der treffliche Originaltitel) ganz gut an: Ein erfahrener Cast bringt die Mühen des fortgeschrittenen Alters auf die Leinwand, man hat Hör- und Gehprobleme, Diabetes und andere Gründe, die einen Banküberfall nicht ratsam erscheinen lassen. Zumal man sich unter anderem durch eine 50 Zentimeter dicke Betonmauer arbeiten muss, wobei sich bereits das Durchsteigen des Loches als gewisse Herausforderung erweist. Auch an Spannungen innerhalb der Gruppe wurde gedacht, Drehbuchautor Joe Penhall (für den beängstigenden postapokalyptischen „The Road“ verantwortlich) lässt Michael Caine einem Kumpanen fast eine in die Fresse hauen. Es bleibt dann bei der Androhung, weil man sich bereits mitten in den Eingeweiden der Bank befindet. Mit einer Spannungsmontage signalisiert der Film Tempo, der Score dient sich an: zu Bläsersätzen wird es hektisch, in ruhiger Phasen dürfen auch andere Instrumente ran. Scheinbar hat „Ein letzter Job“ alles, was ein Heist-Movie braucht. Nur irgendwie kommt das ganze Projekt nicht auf Touren, die technisch ausgeführte Regie von James Marsh („Man on Wire“) lässt jedes Charisma vermissen.

Konzept würde nicht schaden 

Die Dialoge wirken ermüdend, aus der grotesken Altersschwäche der Protagonisten wird kaum humoristischer Profit geschlagen, von der Selbstironie eines gealterten Clint Eastwood ist man Lichtjahre entfernt. Eigentlich wirkt „Ein letzter Job“ wie ein seelenloser Replikant eines Pensionisten-Heist-Movies, das man mit „Abgang mit Stil“ erst vor drei Jahren witziger gesehen hat. Skurril dabei: Schon in diesem Film war Michael Caine zu sehen, damals an der Seite von Morgan Freeman. Vor allem fehlt es den Charakteren an Biographie, an Eigenleben, und auch die Klassenverhältnisse wirken seltsam neutralisiert. Wenig an diesem Film ist zuordenbar, insofern kein Wunder, dass die gut geölte aber völlig unspezifische Maschine des Films nicht zu einem spricht. Dabei hätte Marsh einen Cast zur Verfügung, mit dem sich durchaus selbstreferenzieller Witz generieren ließe. Stattdessen begegnen einem mitten im Geschehen Filmausschnitte der Schauspieler in Schwarzweiß, in denen diese noch deutlich jünger waren. So bleibt das Rätsel, wie man diesen Film verstehen soll: für eine Komödie fehlt der Witz, für Action das Tempo, für ein Buddy-Movie geht es zu ruppig her. Die Moral: Ein Konzept schadet nie, weder den Herren im Film, die schon bald der Polizei begegnen, noch einem Filmprojekt wie diesem.

Banküberfall gone wrong: ein Auftritt ohne Esprit.

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"Ein letzter Job" konzentriert sich vor allem auf Planung und Überfall. Dutzende Heist-Movies zeigen, wie es geht.

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Düsterer Grundton, der sich mit den versucht heiteren Einsprengsel nicht wirklich verträgt.

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