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25.11.2014 |  Walter Gasperi

Auf der Straße zur Kirche HJ

Der Filmemacher Robert Polak blickt in seinem neuesten Dokumentarfilm vom Haus in der Anton-Schneider-Straße, in dem er aufwuchs, auf die Bergmannstraße, erinnert sich an persönliche Erlebnisse, aber auch an die Gebäude dieser Straße und Persönlichkeiten, die in ihnen wohnten. – Ein sorgfältig recherchierter und feinfühlig montierter Dokumentarfilm, mit dem Polak seine lebenslange filmische Begleitung Vorarlberger Zeitgeschichte krönt.

Von Robert Polaks filmischen Anfängen bis zu seinem jüngsten Werk wurde bei der Eröffnung der Werkschau im vorarlberg museum der Bogen gespannt. Auf eine kurze Einleitung von Museumsleiter Andreas Rudigier folgten Polaks erste kurzen filmischen Versuche aus dem Jahre 1963. Während er in „Seegfrörne“ als Filmemacher außen vor bleibt und sich auf den Blick auf den zugefrorenen Bodensee beschränkte, ließ er sich in „Pizi fährt den ‚Schlauch‘“ von Ewald Kerber bei der Skiabfahrt vom Pfänder filmen.

"Der Stil ist der Mensch selber"

Das historische Ereignis, das „Seegfrörne“ festhält, und das Private, das die Skiaufnahmen bestimmen, werden in „Auf der Straße zur Kirche HJ“ zusammengeführt. Wie viele Filme Polaks entstanden auch diese Werke praktisch im Alleingang und eindrücklich legte Wolfgang Mörth in seiner Eröffnungsrede ausgehend von dem Diktum des im 18. Jahrhundert lebenden französischen Naturforschers Georges-Louis Leclerc de Buffon „Der Stil ist der Mensch selber“ dar, wie bei Polak im Gegensatz zu der sonst meist höchst arbeitsteiligen Branche seine Persönlichkeit und seine Filme eine Einheit bilden.

Das Private und das Öffentliche

Den Blick auf die Kinoleinwand überträgt der Filmemacher, der am 29. November seinen 70. Geburtstag feiert, in „Auf der Straße zur Kirche HJ“ auf seine Perspektive: Durch das Fenster des ehemaligen Gasthofs Tötsch, in dem Polak aufwuchs, blickt er auf die Bergmannstraße, über der die Herz-Jesu-Kirche thront. Ihr wird im Film folglich auch viel Raum zugestanden, gleichzeitig spielt der Titel aber auch schon ironisch damit, weckt „HJ“ doch ganz andere Assoziationen.
Von ungefähr kommt diese Abkürzung freilich nicht, wohnte doch auch der NS-Bürgermeister Carl Solhardt in dieser Straße und praktisch gegenüber mit Paul Pirker der Mann, der die Bombardierung der Stadt 1945 verhinderte, indem er die Franzosen über den Haggen nach Bregenz führte
.Die große Geschichte verknüpft Polak immer wieder mit privaten Erlebnissen. Er skizziert die Baugeschichte an der Bergmannstraße nach, blickt auf das Leben des Namensgebers Johann Ritter von Bergmann sowie die Baugeschichte und Renovierung der Herz-Jesu-Kirche, erinnert sich daneben aber auch an Kinderspiele in einem angrenzenden Garten, an Trittrollerfahrten zur Herz-Jesu-Kirche.

Liebevoll und sorgfältig recherchiertes Langzeitprojekt

Tiefenbohrung führt Polak nicht durch, sondern lässt den Film, dem allerdings eine Straffung am Ende wohl nicht geschadet hätte, in schönem Rhythmus der Bilder und Geschichten, unterstützt von der Musik von Benni Bilgeri, dahingleiten. Private Fotos, die auch in die Familiengeschichte Polaks blicken lassen, wechseln mit historischen Aufnahmen, die durch Ausführungen von Karl Sillaber zur Architektur der Gebäude, des Historikers Meinrad Pichler, des früheren Museumsdirektors Helmut Swozilek sowie von Wilhelm Meusburger und Hermann Präg, der eine Lichtinstallation auf der Herz-Jesu-Kirche realisierte, ergänzt werden.
Nichts hat dieser Film mit einem Schnellschuss zu tun, sondern ist ein liebevoll und sorgfältig über einen Zeitraum von 22 Jahren entwickelter Dokumentarfilm. Bruchlos fließen alte Fotos, Filmaufnahmen von 1992 und späteren Jahren ineinander und auch ein Ausschnitt von Polaks erstem kurzen Spielfilm „Ikone“ fehlt nicht. – So hat sich der Jubilar mit "Auf der Straße zur Kirche HJ", der in dieser Mischung von alten und neuen Aufnahmen auch eindrücklich das Vergehen von Zeit und Altern vermittelt, wohl selbst das schönste Geschenk zu seinem 70. Geburtstag gemacht.

Blick aus der Wohnung auf Gebäude, Persönlichkeiten und private Kindheitserlebnisse

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