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07.03.2019 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (8.3. - 14.3. 2019)

Am Spielboden Dornbirn wird mit Adrian Goigingers Spielfilm „Die beste aller Welten“ die in Kooperation mit pro mente veranstaltete Filmreihe zu psychischen Krankheiten fortgesetzt. Einen Einblick in den Reichtum des Kurzfilms bietet dagegen die "Alpinale Ländle Tour", die diese Woche in Schwarzenberg und in den kommenden Wochen in Bludenz, Bregenz und Rankweil Station macht.

Die beste aller Welten: Adrian Goiginger verarbeitete in seinem Spielfilmdebüt seine eigene Kindheit mit seiner drogenabhängigen Mutter. Mit den Augen des achtjährigen Adrian lässt er den Zuschauer auf dieses Leben zwischen glücklichen und ausgelassenen und verstörenden, für das Kind unverständlichen Momenten der Sucht blicken. Wenn freilich die Sozialbehörde kommt, lässt die Mutter den Sohn eine heile Welt vorspielen.
Nah dran an den Figuren ist Goiginger, zieht den Zuschauer mit dynamischer Handkamera und energischem Schnitt in das Geschehen hinein und kann auf einen großartigen Jeremy Miliker als Adrian und Verena Altenberg als liebevolle Mutter bauen. In jeder Szene spürt man, dass Goiginger genau weiß, wovon er erzählt, er fängt stimmig und dicht das Milieu ein.
Die Handlung mag – auch aufgrund der Orientierung am Alltag und des, abgesehen vom sehr sprunghaften Finale, Verzichts auf dramatische Plotpoints – etwas dahinplätschern, aber die Schauspieler und der einfühlsame Blick sorgen dafür, dass dieses Debüt bewegt.
Spielboden Dornbirn: Mi 13.3. + Mi 27.3. – jeweils 19.30 Uhr

 

Alpinale Ländle Tour: Um Lust auf die heurige Alpinale zu machen, die vom 6. bis 10. August in Nenzing stattfinden wird, werden die sechs beliebtesten Kurzfilme des letzten Festivals gezeigt. Ein bunt gemischtes Programm aus Animations- und Realfilmen, witzigen und ernsten Produktionen wird dabei geboten. Der Franzose Frank Ychou erzählt in „Artem silendi“ fast in Echtzeit und dem Titel entsprechend wortlos von Klosterschwestern, die im Speisesaal beim Essen sitzen. Einträchtig wirken sie, doch wenn es um die Aufteilung des Mahls geht, können sich leicht Feindseligkeiten und Streit entwickeln. Mit präzisem Schnitt und starkem Schauspiel entwickelt Ychou in acht Minuten eine kleine Perle.
Zhanna Bekmambetova kommt in ihrem Animationsfilm „Tweet – Tweet“ wiederum mit einem (Wäsche)seil, einem kleinen Vogel und einem im Laufe der 12 Minuten vom Baby zum Greis alternden Menschen aus. Poetisch und verspielt wird so vom Leben als Drahtseilakt erzählt, während das Private gleichzeitig andeutungsweise mit der sowjetischen Geschichte, im Speziellen mit dem Zweiten Weltkrieg verknüpft wird. Gleichzeitig kann die Entwicklung von der Geburt bis zum Tod aber auch als Metapher für die Geschichte der Sowjetunion gelesen werden.
Härtere Kost präsentiert Vince Lambe mit seinem für den Kurzfilm-Oscar nominierten „Detainment“. Auf der Basis von Tonbandaufnahmen zeichnet der Ire einen Fall nach, der 1993 nicht nur Großbritannien schockierte: Zwei zehnjährige Burschen werden von der Polizei verhört, des Mordes an einem Baby überführt und – wie die Nachspanninserts informieren – zu langjähriger Haft verurteilt. In der nüchternen Inszenierung und dem intensiven Spiel der Kinder entwickelt dieser Kurzfilm eine beklemmende Intensität und schockierende Wirkung.
Ein witziges Spiel mit dem Tod entwickelt dagegen Joan Vives in „El escarabajo al final de la calle“. Nachdem Amadeo sein baldiger Tod angekündigt wurde, beginnt er sein Leben so richtig zu genießen und wird auch von den Bewohnern seiner Heimatstadt hofiert. Erwartet wird dafür freilich auch, dass sich die Prophezeiung erfüllt. Mit überraschenden Wendungen und einfallsreicher Inszenierung verzaubert dieser Kurzfilm seine Zuschauer und versteht es auch mit einer Schlusspointe zu überraschen.
Noch schräger und makabrer ist der Animationsfilm „Catherine“, in dem Britt Raes vom Leben eines Mädchens bzw. einer Frau erzählt, die nur Beziehungen zu Katzen, nicht aber zu Menschen aufbauen kann. Schwarzer Humor fehlt da nicht, aber immer spürt man auch die Liebe der Regisseurin zu ihrer Protagonistin.
Abgerundet wird der Abend mit Sebastian Mayrs im Rahmen seines Studiums an der Wiener Filmakademie entstandenem „All the Tired Horses“. Mayr beschränkt sich auf eine Wohnung und einen Abend. Ein etwa dreißigjähriges Paar hat zwei Paare zum Abendessen eingeladen, doch das befreundete Paar verspätet sich, sodass die Gastgeber mit einem ihnen unbekannten Paar den Abend verbringen müssen. Mit geschicktem Aufbau, treffendem Dialog und hervorragenden Schauspielern deckt Mayr in diesem dichten Kammerspiel zum Vergnügen des Publikums in den Gesprächen sukzessive Bruchlinien auf und lässt die Freundlich- und Höflichkeit zunehmend in Feindseligkeiten kippen.
Angelika Kauffmann Museum, Schwarzenberg: Mi, 13.3., 19.30 Uhr
Remise Bludenz: Do, 28.3., 19.30 Uhr
Magazin 4, Bregenz: Do, 4.4., 20 Uhr
Altes Kino, Rankweil: Mi, 10.4., 20 Uhr

 

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