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29.03.2018 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (30.3. – 5.4. 2018)

Das Filmforum Bregenz entführt diese Woche mit Thomas Arslans lakonischem, aber auch etwas ereignisarmen Road-Movie „Helle Nächte“ in die Weiten des Hohen Nordens. Am Spielboden Dornbirn steht dagegen Nicola Belluccis berührender Dokumentarfilm „Im Garten der Klänge“ auf dem Programm, der in Kooperation mit dem Netzwerk Welt der Kinder und im Kontext des internationalen Symposiums Kindheit, Jugend und Gesellschaft gezeigt wird.

Helle Nächte: Thomas Arslan fokussiert in seinem achten Spielfilm ganz auf eine Vater-Sohn-Beziehung: Der Tod seines Vaters veranlasst den Bauingenieur Michael mit seinem ihm völlig fremden 14-jährigen Sohn Luis zum Begräbnis nach Norwegen zu fahren. Fünf Jahre hatte er keinen Kontakt zum Verstorbenen, sieht, dass es ihm mit der Beziehung zu seinem Sohn gleich geht, wie mit der des Vaters zu ihm und möchte vergangene Fehler wieder gut machen.
Um seinem Sohn näher zu kommen, bricht er mit ihm nach dem Begräbnis zu einer Reise durch Nordnorwegen auf, doch Luis zeigt sich verschlossen, fühlt sich genervt von den ständigen Fragen des Vaters.
Wie gewohnt psychologisiert Arslan nicht, beschränkt sich auf die präzise Beobachtung der beiden von Georg Friedrich und Tristan Göbel stark gespielten Figuren. Entspannt reiht er Szenen von der Fahrt durch die weite Wald- und Berglandschaft und Szenen beim Zelt oder in einer Blockhütte aneinander. Wo freilich sonst bei solchen Filmen die äußere Bewegung mit einer inneren Annäherung der Figuren korrespondiert, bewegt sich hier kaum etwas.
Zu schwer scheinen die Vernachlässigungen der Vergangenheit. Was einmal passiert ist, kann nicht wieder gut gemacht werden. Gleichzeitig zeigt Arslan freilich auch, wie fern sich Vater und Sohn auch aufgrund ihres unterschiedlichen Alters und ihrer damit verbundenen Lebensvorstellungen sind und sich kaum Gemeinsamkeiten für eine Kommunikation ergeben.
Angenehm undramatisch und entschlackt ist dieses Road-Movie, doch etwas zu weit getrieben hat es Arslan hier doch mit seinem Minimalismus: Zu wenig passiert einfach, zu wenig entwickelt sich in der Beziehung zwischen Vater und Sohn, als dass die Spannung über 85 Minuten aufrecht gehalten werden könnte.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Fr 30.3., 22 Uhr

Im Garten der Klänge: Zwei Jahre lang begleitete Nicola Bellucci den blinden Musiktherapeuten Wolfgang Fasser mit der Kamera. Der 57-jährige Schweizer arbeitet in der Toscana in seinem Musikatelier „Il Trillo“ mit schwer hirngeschädigten Kindern und versucht durch Töne und Musik ihre Wahrnehmung und ihr Sprachvermögen anzuregen, aber auch Angstzustände zu therapieren.
Wie Fasser die Kinder, so will auch Bellucci den Zuschauer, der die Welt in der Regel wohl vor allem mit den Augen wahrnimmt, durch eine ausgefeilte Tonspur für die unterschiedlichsten Geräusche und Laute sensibilisieren und die Sinne schärfen.
Keinen Kommentar benötigt der Regisseur dabei, er beschränkt sich auf die Begleitung Fassers bei seiner Arbeit und seinen vielfach nächtlichen Streifzügen durch die Natur, bei denen er Töne sammelt. Belluccis Einfühlungsvermögen lässt den Zuschauer dabei tief in die Wahrnehmung des Therapeuten, der große innere Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlt, eintauchen.
Gleichzeitig führen aber auch die traumhaften Bilder, mit denen die Kamera von Pio Corradi und Pierre Mennel die Hügellandschaft der Toskana einfängt, gerade im Bewusstsein, dass dieser visuelle Eindruck dem blinden Protagonisten verwehrt bleibt, eindrücklich die Schönheit der Welt, aber auch die Lust des Sehens vor Augen.
Mit seltener Selbstverständlichkeit verschmelzen so biographisches Porträt, beeindruckende Schilderung eines achtsamen Umgangs mit Menschen und faszinierende Erkundung der Welt der Geräusche, Laute und Klänge zu einem ebenso berührenden wie poetischen Dokumentarfilm.
Spielboden Dornbirn: Mi 4.4., 19.30 Uhr

Helle Nächte

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Im Garten der Klänge

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