„Antigone" in einer Bearbeitung von Michael Köhlmeier derzeit im Theater Kosmos in Bregenz zu sehen.(Foto: Jan Friese)
Walter Gasperi · 24. Jän 2013 · Film

Aktuell in den Filmclubs (25.1. - 31.1. 2013)

Das Filmforum Bregenz zeigt diese Woche im Metrokino Ken Loachs Feelgood-Movie „The Angel´s Share“, in dem der Sozialrealist Schottland und dem Whisky seine Liebe erklärt. Am Spielboden Dornbirn stehen dagegen im Mittelpunkt der Filmreihe „Psychische Krankheiten“ psychische Erkrankungen von Jugendlichen.

The Angel´s Share: Auch mit 76 Jahren hat der Brite Ken Loach nichts von seinem sozialen Engagement und seiner Parteinahme für die Randständigen verloren, allerdings erzählt er zunehmend entspannter, lässt seine Protagonisten nicht scheitern, sondern gönnt ihnen einen Erfolg. Die Ausgangsposition ist freilich alles andere als rosig, denn nach mehreren Delikten entgehen Robbie, Mo, Rhino und Albert zwar dem Knast, werden aber vom Richter zu Sozialdienst verdonnert.
Schlecht sind die Zukunftsperspektiven, aber im Sozialarbeiter Harry findet Robbie einen väterlichen Freund, der ihn auch zu einer Whisky-Verkostung mitnimmt. Geweckt wird damit Robbies Interesse am schottischen Nationalgetränk und als ein besonders kostbarer Tropfen zu einem horrenden Preis versteigert werden soll, hecken die vier gefallenen Engel einen verwegenen Plan aus.
Keine besondere Kunstfertigkeit scheint die Filme von Ken Loach auszuzeichnen, sie wirken wie dem Leben abgeschaut, auch wenn die Handlung hier märchenhafte Züge aufweist. Prägnant zeichnen Loach und sein langjähriger Drehbuchautor Paul Laverty die Figuren und ihre Situation. Witz hat da schon die Eröffnung, wenn in einer Rückblende Alberts Fehlverhalten geschildert wird. Doch in den Witz mischt sich auch immer das Mitgefühl mit den Helden, die nie eine Chance hatten, und die Kritik an einer Justiz, die emotionslos fließbandartig Urteile fällt. Nur mit ihrer Freundschaft können sie in dieser feindlichen Umwelt bestehen
So ist „The Angels` Share – der Titel bezeichnet die 2% Whisky, die im Laufe eines Jahres verdunsten und als Anteil der Engel bezeichnet werden – wie immer bei Loach ein Film über die Kraft der Freundschaft und Solidarität von Underdogs, aber auch ein Film darüber, wie ein Mensch mit Hilfe eines anderen dem Milieu entkommen kann und damit ein Appell zum Abbau von Vorurteilen und zur unvoreingenommenen Behandlung von Underdogs.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Sa 26.1., 22 Uhr


Filmreihe „Psychische Krankheiten“: Seelische Krisen und psychische Erkrankungen im Jugendalter stehen im Mittelpunkt der vier Filme, die bis März am Spielboden Dornbirn gezeigt werden. In „Homevideo“ (7.2. / 14.2.) geht es um einen 15-jährigen Schüler, den nicht nur die Pubertät und die bevorstehende Trennung der Eltern belasten, sondern der auch von seinen Mitschülern mittels eines Videos gemobbt wird. Dokumentarisch setzt sich das Medienprojekt Wuppertal in „Todtraurig“ (13.2. / 22.2.) mit Lebenskrisen auseinander und erzählt in fünf Porträts die Geschichten suizidaler Jugendlicher, die überlebt haben. Ein packendes Drama nach dem authentischen Fall eines Schülerselbstmords erzählt dagegen der Schweizer Stefan Haupt in „Utopia Blues“ (31.1. / 20.2. / 26.2.). Hauptperson ist ein 18-jähriger Schüler, der von einer Karriere als Musiker träumt, mit seinen Lebens- und Wertevorstellungen aber zunehmend auf Unverständnis stößt und aneckt.
Leichtere Kost bietet Andi Rogenhagen, der in „Ein Tick anders“ (5.2. / 21.2. / 28.2.) mit viel Witz von einem Mädchen erzählt, das am Tourette-Syndrom leidet. - Eine freche Komödie, die keine Scheu kennt das ernste Thema offen anzugehen.
Im Anschluss an die Vorstellungen stehen jeweils MitarbeiterInnen von pro mente V, die die Filmreihe in Zusammenarbeit mit dem Spielboden kuratieren, zum Gespräch zur Verfügung.
Spielboden Dornbirn, jeweils 20.30 Uhr