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22.09.2022 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (23.9. - 29.9. 2022)

Am Spielboden Dornbirn startet diese Woche mit dem preisgekrönten mittellangen Spielfilm "Henry" die Werkschau des Dornbirner Regisseurs Philipp Fussenegger, der bei mehreren Vorführungen anwesend sein wird. In der LeinwandLounge in der Remise Bludenz steht dagegen mit "Der Schneeleopard" ein atemberaubend schöner Dokumentarfilm auf dem Programm.

Henry + Zu schön um wahr zu sein: Der Spielboden Dornbirn startet die Werkschau des gebürtigen Dornbirner Regisseurs Philipp Fussenegger mit dem achtminütigen Kurzfilm "Zu schön um wahr zu sein" und dem 50-minütigen Spielfilm "Henry", Fusseneggers preisgekröntem Abschlussfilm an der Kölner Kunsthochschule für Medien. In "Zu schön um wahr zu sein" beschließt ein Mann, der einzig zu zwei Liebespuppen Kontakt hat, seiner im Altersheim lebenden Mutter von dieser Beziehung zu erzählen.
Im Zentrum von "Henry" steht dagegen ein 14-jähriger Junge, der als neuer Schüler in einem kirchlichen Internat gemobbt wird. Eindrücklich evozieren die mächtigen, klinisch sauberen, in Weiß getauchten kühlen Räume – gedreht wurde im Kloster St. Blasien im Schwarzwald - ein Klima der Kälte, das durch die Orgelmusik, die den stillen Blicken auf Gänge und Kloster unterlegt ist, noch gesteigert wird.
Durch die konsequente Inszenierung und die starken Darsteller entwickelt "Henry", der in seinem Setting an Kubricks "Shining" erinnert, große Dichte. Geschickt baut Fussenegger nach realistischem Beginn auch zunehmend alptraumhaft irreale Momente ein und lässt Wahn und Wirklichkeit verschwimmen, wenn man Henry nachts in einem verfallenen Keller Orgel spielen sieht.
Im Anschluss an die Vorführung gibt es ein Publikumsgespräch mit Philipp Fussenegger.
Spielboden Dornbirn: Di 27.9., 19.30 Uhr (mit Publikumsgespräch) + Do 20.10., 19.30 Uhr


Der Schneeleopard: Der Reiseschriftsteller Sylvain Tesson begleitet den Tierfotografen Vincent Munier im Hochland von Tibet bei der Suche nach dem vom Aussterben bedrohten Schneeleoparden. Andere Tiere sind es dabei aber, die Tesson und Munier zunächst entdecken und an die sie sich leise und nur flüsternd anschleichen: Tibetantilopen huschen in rasend schnellem Lauf über die Berghänge, ein Tibetfuchs bricht bei der Suche nach Beute einen Hasenbau auf, eine Pallaskatze streift vorsichtig durchs Gras, mächtige wilde Yaks ziehen vorbei und auch eine Bärenfamilie nähert sich der Kamera. – Wie die Landschaft feiert der Film auch die Tiere mit fantastischen Bildern und immer wieder wird diese Hymne durch eingeschnittene Fotos Muniers akzentuiert und verdichtet.
Gesteigert wird die Kraft dieser Bilder aber auch durch die großartige Musik von Warren Ellis und Nick Cave. Immer wieder intensivieren diese Klänge und Nick Caves Titelsong "We are not alone" die Naturbilder und verleihen ihnen Nachdruck.
Gleichzeitig reflektiert Tesson im Voice-over über die Geduld, die diese Suche nach dem scheuen Tier lehrt. Aber er betont auch die Demut, zu der diese Schönheit auffordert, und übt Kritik am menschlichen Raubbau. In der menschenleeren Weite wird "Der Schneeleopard" so auch zu einem Film über die Stille und über ein zurückhaltendes, sich unterordnendes und nicht besitzergreifendes Auftreten des Menschen.
LeinwandLounge in der Remise Bludenz:
Mi 28.9., 19 Uhr


Weitere Filmkritiken, Streamingtipps, DVD-Besprechungen und Regisseur-Porträts finden Sie auf meiner Website 
https://www.film-netz.com.

 

 

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