Neu in den Vorarlberger Kinos: „One Love" Biopic über Bob Marley (Foto: Paramount Pictures)
Walter Gasperi · 21. Aug 2011 · Film

Aktuell in den Filmclubs (22.8. - 28.8. 2011)

Die Kantine des Spielboden Dornbirn präsentiert diese Woche mit „Alexis Sorbas“ einen unverwüstlichen Klassiker der Filmgeschichte. Hochpoetisches zeigt das Filmforum Bregenz in Zusammenarbeit mit dem Jugendservice Bregenz dagegen mit Shirin Neshats iranischem Frauendrama „Women Without Men“.

Alexis Sorbas: Zu den immer wieder gespielten Klassikern der Filmgeschichte zählt Michael Cacoyannis Verfilmung von Nikos Kazantzakis Roman "Alexis Sorbas". Für sieben Oscars wurde der Film 1965 nominiert, gewann je einen für Kamera (Walter Lassally), beste Nebendarstellerin (Lila Kredova) und bestes Szenenbild (Vassilis Photopoulos). Leer ging aber Anthony Quinn aus, der als vor Lebensfreude und Vitalität sprühender Grieche die Rolle seines Lebens spielte.
Quinn drückt diesem Film den Stempel auf, blass bleibt dagegen, bedingt durch die Rolle, der junge englische Schriftsteller (Alan Bates), dem Sorbas seine Dienste anbietet und zu dem sich eine Freundschaft entwickelt. Der Engländer will mit Sorbas Hilfe auf Kreta eine baufällige Braunkohlemine, die er geerbt hat, wieder in Betrieb nehmen, und Sorbas hat bald kühne Pläne. Während der Grieche neben der Arbeit auch das Leben genießt, tanzt und sich mit Frauen vergnügt, wagt es der Engländer lange nicht einer jungen Witwe seine Liebe zu gestehen.
Klassisch, aber kraftvoll und schnörkellos hat Cacoyannis diese Geschichte um zwei gegensätzliche Männer, die sich langsam näher kommen, inszeniert, bedient dabei freilich auch das Klischee vom kühlen und nüchternen Engländer auf der einen Seite und dem vitalen Südländer auf der anderen, reißt aber mit seiner Feier des befreiten Lebensgenusses, des sich Fallen Lassens und des Eintauchens ins Abenteuer „Leben“ mit. Nicht unwesentlich zum Erfolg und zur Kraft des Films tragen Mikis Theodorakis´ legendäre Musik sowie Walter Lassallys starke Schwarzweißfotografie bei.
Spielboden Dornbirn, Kantine: Mi 24.8., 21.30 Uhr


Women without Men: Die Iranerin Shirin Neshat blickt in ihrer Verfilmung des gleichnamigen, im Iran verbotenen Romans von Shahmush Parsipur vor dem Hintergrund des Sturzes des gewählten Premierministers Mossadagh im Jahr 1953 durch die britisch-amerikanische Intervention auf vier Frauen.
Isoliert bleiben zunächst Muni, die ihr Bruder verheiraten will, ihre Freundin Faezeh, die Munis Bruder liebt, die wohlhabende, aber unglücklich mit einem Offizier verheiratete Fakhri und die Prostituierte Zarin. Unterschiedlichen Generationen und Milieus gehören diese Frauen an, aber Realismus und Sozialstudie interessieren Neshat nicht. Auch an einem zwingenden dramaturgischen Aufbau ist die im amerikanischen Exil lebende Iranerin nicht wirklich interessiert, sondern zeichnet vielmehr leise und ruhig, ohne dramatische Steigerung in wunderbar arrangierten und ganz in gedämpfte matte Farben getauchten, teils fast monochromen Tableaus ein Bild von unterschiedlichen weiblichen Gefängnissen.
In diese privaten Frauengeschichten fließt mit Demonstrationen gegen die ausländische Intervention und Aktivitäten der Kommunisten, an denen sich Muni bald beteiligt, das Öffentlich-Politische. Doch wirklich historisch geerdet ist der Film nicht, gibt es doch erst gegen Ende einen Hinweis auf Zeit und Ort des Geschehens. Nichts erfährt man hier über die Verstaatlichung der Ölfelder als Auslöser für die westliche Intervention. So hängt diese Ebene gewissermaßen in der Luft und das Konkrete mag auch nicht so recht zum hochpoetischen Ansatz passen, der mit der Flucht der Frauen in einen verzauberten Garten außerhalb von Teheran noch verstärkt wird.
Ein Genuss ist „Women Without Men“ somit zwar auf der optischen Ebene und Neshat präsentiert sich als brillante Kalligraphin, doch zerbricht ihr Film am Widerspruch zwischen dem Konkreten, in dem unübersehbar auch Kritik an der aktuellen iranischen Gesellschaft geübt wird, und dem Poetischen. Überästhetisiert und ihres Gehalts beraubt, auf schicke Poster reduziert wirkt hier manches Bild, in dem sich die Herkunft der Regisseurin von der Fotografie zeigt.
Hof des Jugendgästehaus im Benger Areal, Bregenz: Fr, 26.8., 21 Uhr