Jazz&-Doppelkonzert mit Martin Eberle/Martin Ptak und Martin Listabarth am Spielboden (Foto: Stefan Hauer)
Walter Gasperi · 20. Nov 2014 · Film

Aktuell in den Filmclubs (21.11. - 27.11. 2014)

Das vorarlberg museum würdigt ab Montag 24.11. den Bregenzer Filmemacher Robert Polak mit einer Werkschau, in deren Rahmen auch Polaks neuester Film uraufgeführt wird. Die Kammgarn Hard zeigt dagegen Luca Guadagnino opernhaftes Melodram „I am Love“.

Werkschau „Robert Polak“: Vom 24. bis 30. November widmet das vorarlberg museum dem Bregenzer Filmemacher Robert Polak anlässlich seines 70. Geburtstags am 29. November eine Werkschau. Frühe Filme wie Polaks Aufnahmen mit der 8mm-Kamera zur „Seegfrörne“ 1963 oder seine Dokumentation des Baus der Rheintalautobahn („Blumen und Beton“, 1969) stehen ebenso auf dem Programm wie die Uraufführung seines neuesten Films „Auf dem Weg zur Kirche HJ“.  Aber auch die zweite Schnittfassung seines bekanntesten Films „Johnny Unser“ bzw. „Kater unser“, der in Zusammenarbeit mit Tone Fink entstand, wird zu sehen sein. Dazu kommen sein erster, 1963/64 entstandener Spielfilm „Ikone“ und der Videoclip „Shame im Wauld“ zur Musik des Holstuonarmusicbigbandclub oder ein Dokumentarfilm über die Harder Malerin Flora Bilgeri („Tante Flora“).
Nicht fehlen dürfen freilich auch der 2002 gedrehte Spielfilm „“Der Berg, der See, die Kuh“, sowie die Musikdokumentarfilme „Locus Iste“ und „Jodeln in Indien“, die in Zusammenarbeit mit Ulrich Gabriel entstanden. Während das Filmteam in „Locus Iste“ eine Klosterreise des Spielbodenchors durch Graubünden und das Elsaß begleitete, entstand „Jodeln in Indien“ aus dem Besuch von zwei indischen Musikgruppen in Vorarlberg im Jahr 2002 und dokumentiert den „Gegenbesuch“ einer Gruppe von Vorarlberger Musikern in Indien im Jahr 2008.
Zur Eröffnung der Werkschau wird am 24.11. um 19 Uhrder Schriftsteller Wolfgang Mörth, der auch als zweiter Kameramann und Dramaturg Mitarbeiter Polaks bei den Dokumentarfilmen „Locus Iste“ und „Jodeln in Indien“ war, über Leben und Werk des Jubilars sprechen.
vorarlberg museum, Bregenz: Mo 24.11. bis So 30.11.

I am Love: Am Beginn steht ein glanzvolles Familienfest im großbürgerlichen Mailänder Haus der Recchis. Die Hausangestellten schwirren durch die Gänge und langsam treffen die Familienmitglieder ein. Elegant wird unter Einhaltung einer genauen Sitzordnung getafelt und der Seniorchef erklärt, dass er sich aus dem Geschäftsleben zurückziehen und die Führung des Unternehmens seinem Sohn Tancredi (Pippo Delbono) übergeben werde.
Diese Exposition mit der Skizzierung einer Familiendynastie, die es zu etwas gebracht hat und in der auf Tradition viel Wert gelegt wird, erinnert schon an Filme Luchino Viscontis wie „Die Verdammten“ oder an Thomas Manns „Buddenbrooks“. Diese Erinnerungen weckt auch die großartige Musik des amerikanischen Opernkomponisten John Adams, die die glanzvollen Bilder von Kameramann Yorick Le Saux untermalt und dieses Melodram opernhaft überhöht.
Konventionen sind in diesem Milieu weit wichtiger als Gefühle, der schöne Schein muss gewahrt werden. Doch als die russischstämmige Hausherrin Emma (Tilda Swinton), deren Ehe längst erkaltet ist, den jungen Koch Antonio kennen lernt, spürt sie, dass es noch mehr als materielle Werte und gesellschaftlichen Status gibt.
Tilda Swinton ist das Zentrum und Herz dieses großen Melodrams. Blass und hager, wie in ihrer Rolle so auch in der Realität als Britin Fremdkörper in der italienischen Crew, ist sie die Idealbesetzung dieser Russin, die das Leben wieder entdeckt, aus der Kälte und Erstarrung der Konventionen ausbricht und der Leidenschaft freien Lauf lässt. Aus der kalten Architektur der Stadt lässt Luca Guadagnino sie mit Antonio immer wieder in die leuchtende Natur flüchten und macht mit Nahaufnahmen von Blumen und Käfern, aber auch der sich liebenden Körper die Lebens- und Liebesgier erfahrbar. Da wird die Erstarrung auch mit Handkamera aufgelöst und in teils irritierenden kurzen Bildschnipseln das Aufbegehren und Außer-Sich-Sein Emmas spürbar. 
Kammgarn Hard: Mi 26.11., 20.30 Uhr