Jazz&-Doppelkonzert mit Martin Eberle/Martin Ptak und Martin Listabarth am Spielboden (Foto: Stefan Hauer)
Walter Gasperi · 19. Feb 2012 · Film

Aktuell in den Filmclubs (20.2. - 26.2. 2012)

Mit „Dreiviertelmond“ läuft diese Woche im Kino Madlen in Heerbrugg ein deutsches Feelgood-Movie, das zwar filmisch nicht allzu viel zu bieten vermag, aber aufgrund der beiden Hauptdarsteller Elmar Wepper und Mercan Türkoglu dennoch sehenswert ist. Klassische Filmkunst steht dagegen am Spielboden Dornbirn auf dem Programm, wo Peter Madsen und ein Teil seines CIA-Orchester zu Paul Wegeners und Carl Boeses Stummfilm „Der Golem, wie er in die Welt kam“ live improvisiert.

Dreiviertelmond: Es läuft nicht rund im Leben des 60-jährigen Taxifahrers Hartmut Machowiak (Elmar Wepper). Die Frau verlässt ihn, weil man mit diesem Nörgler nicht reden kann, mit der Beziehung zu seiner erwachsenen Tochter steht´s auch nicht zum besten und dann sitzt plötzlich ein türkisches Mädchen in seinem Taxi, das nicht mehr von Hartmuts Seite weichen will. Vorhersehbar ist, dass der alte Grantler und das nicht gerade schüchterne Mädchen sich langsam näher kommen werden und der Kontakt wird auch Hartmut ändern.
Vom Aufbruch im Alter haben gerade in jüngster Zeit mehrere Filmemacher erzählt, von Alexander Paynes „About Schmidt“ bis Doris Dörries „Hanami – Kirschblüten“ lässt sich der Bogen spannen. Mag Christian Zübert hinsichtlich filmischer Gestaltung auch nicht allzu viel einfallen und „Dreiviertelmond“ bieder und ohne Esprit inszeniert sein, so entschädigt das Spiel von Elmar Wepper und der sechsjährigen Mercan Türkoglu, die ohne miteinander sprechen zu können, sich langsam näher kommen, doch teilweise für dieses Manko. Dabei findet Zübert auch eine schöne Balance von Gefühl und Humor, spart auch nicht mit Situationskomik und gibt diesem Feelgood-Movie nach etwa zwei Drittel doch eine etwas überraschende Wende.
Kino Madlen, Heerbrugg: Mo 20.2., 20.15 Uhr


Peter Madsen and CIA play Silent Movies - Der Golem, wie er in die Welt kam:
Wirtschaftlich lang Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg am Boden, doch der Film erlebte eine sensationelle Blüte. In expressionistischer Gestaltung wurde die Krise der Gesellschaft nach außen gekehrt, sensationell war die Wirkung von Robert Wienes „Das Cabinet des Dr. Caligari“, Friedrich W. Murnau schuf mit „Nosferatu“ einen Klassiker des Vampirfilms, Fritz Lang wies in „Dr Mabuse“ schon visionär auf Hitler voraus.
Zu den Meisterwerken dieser Epoche zählt auch Paul Wegeners und Carl Boeses 1920 entstandener „Der Golem, wie er in die Welt kam“: Erzählt wird von Rabbi Löw, der im Prag des 16. Jahrhundert einen künstlichen Menschen schafft, der zunächst zwar den Kaiser rettet, dann aber vom Gehilfen des Rabbis aufgesetzt eine Katastrophe zu verursachen droht.
Vorbilder für die Geschichte von der Erschaffung eines Menschen finden sich überall von der biblischen Schöpfungsgeschichte angefangen über die romantische Literatur des 19. Jahrhunderts wie Mary Shelleys Gothic-Roman „Frankenstein“, zahllos sind aber auch die filmischen Nachfolger bis hin zu „Terminator“ und „Blade Runner“.
Wegener hat schon 1914 einen Film mit dem Titel „Der Golem“ gedreht. Sechs Jahre später lieferte er mit diesem Film gleichsam die Vorgeschichte zum ersten Film. Suggestiv beschwören die beiden Regisseure die Atmosphäre des mittelalterlichen Prag, das von Hans Poelzig und Kurt Richter im Studio nachgebaut wurde. Typisch für den expressionistischen Film dominieren verwinkelte Gassen mit windschiefen Häusern. – Atmosphärisch-dichte Horrorstimmung ist auch heute noch garantiert.
Spielboden Dornbirn: Mi 22.2., 20.30 Uhr