Neu in den Kinos: „Ich Capitano“ (Foto: X-Verleih)
Peter Füssl · 21. Feb 2012 · CD-Tipp

Mirel Wagner

Wenn weniger mehr ist, dann ist Mirel Wagner unschlagbar. Die 23-jährige, die schon als Baby aus Äthiopien zu ihren Adoptiveltern in Finnlands zweitgrößte Stadt Espoo kam, legt mit ihrem schlicht und einfach „Mirel Wagner“ betitelten Debutalbum in jeglicher Hinsicht ein Meisterstück gegen die alltägliche Reizüberflütung vor.

Die gesamte CD-Hülle ist in einfachem Schwarzweiß gehalten, enthält nur ein Foto und die Lyrics.  Diese äußerliche Reduziertheit korrespondiert perfekt mit den neun Songs. Mirel Wagner verlässt sich auf die magische Kraft ihrer verletzlich wirkenden, brüchigen Stimme, die in ihrer Intensität unter die Haut geht, selbst wenn sie nur noch flüstert. Keine Rhythmusgruppe, keine Streicher – die von der Singersongwriterin schnörkellos gezupfte Akustikgitarre reicht vollkommen als instrumentales Vehikel für ihre voller Leidenschaft vorgetragenen, geheimnisvoll düsteren Songs über Einsamkeit, Verlust und Tod. Die Melancholie des Nordens und der von Mirel Wagner geliebte Südstaaten-Blues verdichten sich zu einer gespensterhaft irrlichternden Melange. Wagner will sich selber nicht ganz so duster sehen, denn man dürfe nicht vergessen, dass im Verlust auch Befreiung und in der Trauer Schönheit liege. Offensichtlich gelingt es der in ihrer konsequenten Schlichtheit extravaganten Newcomerin, die bei Liveauftritten auf alle theatralischen Gesten verzichtet, ihre Botschaft glaubwürdig rüberzubringen, denn zumindest in Finnland ist sie momentan so etwas wie der gemeinsame Nenner, auf den sich Fans aus allen musikalischen Lagern einigen können.
(Bone Voyage)