„Antigone" in einer Bearbeitung von Michael Köhlmeier derzeit im Theater Kosmos in Bregenz zu sehen.(Foto: Jan Friese)
Walter Gasperi · 01. Aug 2010 · Film

Aktuell in den Filmclubs (2.8. - 8.8. 2010)

Vincent will meer: Solange der am Tourette-Syndrom leidende Vincent bei seiner Mutter lebte, war ja alles in Ordnung. Doch nun wird sie beerdigt und Vincents Vater, ein Lokalpolitiker, der zu seinem inzwischen 27-jährigen Sohn aufgrund seiner Behinderung nie eine Beziehung hatte, schiebt ihn in eine Klinik ab. Dort wird Vincent im Zimmer des Zwangsneurotikers Alexander einquartiert und lernt auch die magersüchtige Marie kennen. Diese nützt die Chance die Autoschlüssel der Ärztin zu klauen und gemeinsam geht es in Richtung Italien, wo Vincent die Asche seiner Mutter ins Meer streuen will. Dem Trio auf den Fersen sind aber Vincents Vater und die Ärztin Dr. Rose…
Die Figurenzeichnung in Ralf Huettners Road-Movie ist ausgesprochen klischeehaft: Der Politiker-Vater arrangiert permanent per Handy Termine, hat aber jede Menschlichkeit verloren und hält seinen Sohn für eine Null. Mit der Ärztin hat er einen Gegenpart, an dem er sich während der Fahrt freilich reibt, gleichzeitig aber ihr näher kommt. Und erst recht gibt es diese Reibungen wie nicht anders zu erwarten im Trio der psychisch Angeschlagenen. Da kommt man sich mal näher, streitet sich dann wieder, befreit sich bei einer Wanderung in den Dolomiten von seinen Neurosen und muss dann doch wieder einen Rückfall erleben. Und letztlich steht im Zentrum eine verschüttete Vater-Sohn-Beziehung, die im Laufe des Films gekittet werden muss.
Auch die Geschichte arbeitet unübersehbar mit Versatzstücken und lässt Einfallsreichtum vermissen. Was aber bei „Vincent will meer“ stimmt und für diesen Film, der sich inzwischen zur bislang erfolgreichsten deutschen Produktion des Jahres gemausert hat, einnimmt und ihn sympathisch macht, sind die unverbrauchten SchauspielerInnen sowie der genaue und sehr humorvolle Blick für Situationen. Keine Berührungsängste mit Krankheiten und Behinderungen zeigt Huettner hier, lässt den Zuschauer darüber, aber nie über die Menschen lachen und zeigt, dass doch die scheinbar Normalen zumindest gleichviel Ticks haben wie die Kranken. Da ist der von Florian David Fitz stark gespielte Vincent eben nicht nur eine Lachnummer, auch wenn seine Anfälle von Unkontrolliertheit zum Lachen reizen, sondern ein Mensch mit dem man mitfühlt. - Leichtfüßig, aber nicht leichtfertig ist diese Komödie, sehr unterhaltsam, aber die Probleme nicht verharmlosend und auch nicht mit einem runden und alles beschönigenden Happy-End schließend. Sicherlich kein großer Film, ästhetisch ein Fernsehspiel, aber vom Tonfall her und vom Blick rundum sympathisch.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi, 4.8., 20 Uhr + Fr, 6.8., 22 Uhr
Marktplatz Rankweil (Open-Air-Kino; bei Schlechtwetter im Alten Kino): Fr, 6.8., 21.30 Uhr


A Single Man: Nur von einem Tag im Leben des in Kalifornien lebenden britischen College-Professors George Falconer erzählt Tom Fords Verfilmung von Christopher Isherwoods 1964 erschienenem Roman „A Single Man“ – nicht von irgendeinem Tag freilich, sondern von dem Tag, an dessen Ende Falconer Selbstmord begehen will. So vermischen sich für Falconer – und mit ihm für den Zuschauer – Gegenwart und Erinnerungen an den bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Geliebten.
Ford, der als Modedesigner für Gucci in den 90er Jahren Karriere machte, beschwört in seinem Spielfilmdebüt eindringlich mit einem berauschenden Teppich aus Bildern und Tönen, mit überraschenden Detailaufnahmen und Zeitlupe eine Atmosphäre des grenzenlosen Schmerzes über den Verlust eines geliebten Menschen. Kräftiger werden die Farben nur, wenn ein Fünkchen Hoffnung aufflackert oder das Begehren doch wieder aufflammt, ansonsten ist der Film in monochromes Braun getaucht. Abgesehen vom Beginn ohne Voice-over und allein über die Bild- und Tonebene lässt Ford so tief in die Psyche des von Colin Firth gerade in der Zurückhaltung eindringlich gespielten Protagonisten blicken und macht seine Verfassung geradezu physisch erfahrbar. In seiner Stimmung der Verlorenheit wie auch in der Eleganz der Bilder erinnert „A Single Man“ dabei an die Filme Michelangelo Antonionis, erweist sich in der Auseinandersetzung mit dem Zwang zur Verheimlichung der Homosexualität im Amerika der 60er Jahre aber auch als thematisch verwandt mit Todd Haynes´ „Far from Heaven“ und Ang Lees „Brokeback Mountain“. 
TaSKino Feldkirch im Kino Namenlos: Fr, 6.8. bis Do, 13.8.