Kris Lemsalu im Magazin 4 im Rahmen des Bregenzer Kultursommers (Foto: Magazin 4)
Walter Gasperi · 15. Sep 2016 · Film

Aktuell in den Filmclubs (16.9.. - 22.9. 2016)

In Bludenz startet die „Leinwandlounge“ in der Remise mit einem Eröffnungswochenende ihr Programm. Beim FKC Dornbirn wird anlässlich der Aufführung des schweizerisch-türkischen Films „Köpek – Der Hund“ die Regisseurin Esen Işik zu Gast sein.

Leinwandlounge-Eröffnungswochende: Mit Sektempfang und Eröffnungsparty startet die Leinwandlounge in der Bludenzer Remise ihr Programm. Alle zwei Wochen wird von nun an ein Arthouse-Film gezeigt und Filme dürfen freilich auch am Eröffnungswochenende nicht fehlen. Zum Auftakt steht Icíar Bollains rund erzähltes und souverän zwischen Komödie und Drama, aber auch zwischen Märchen und Gesellschaftskritik pendelndes Feelgood-Movie „El Olivo – Der Olivenbaum“ auf dem Programm. Am Samstag folgt dann mit Giuseppe Tornatores „Cinema Paradiso“ ein Klassiker, der nicht nur von einer großen Freundschaft, sondern auch von der Magie des Kinos erzählt.
Großes Kino steht auch am Sonntag mit Mike Leighs „Mr. Turner“ auf dem Programm. Leigh versucht gar nicht erst einen Eindruck vom ganzen Leben des britischen Malers William Turner zu vermitteln, sondern beschränkt sich auf dessen letzte 25 Lebensjahre. Mit einem großartigen Timothy Spall in der Hauptrolle und grandiosen Filmbildern, die sich an der Ästhetik der Gemälde Turners orientieren, zeichnet Leigh nicht nur ein meisterhaftes Porträt des Malers, sondern auch seiner Zeit und der sich in ihr vollziehenden gesellschaftlichen und künstlerischen Umbrüche.
Aber auch für Kinder und Jugendliche wird an diesem Wochenende ein Filmprogramm geboten. So erzählt Michel Gondry in „Mikro & Sprit“ mit viel Einfallsreichtum und Witz vom Trip zweier ungleicher Jugendlicher durch Frankreich, während mit Tomm Moores Oscar-nominiertem „Die Melodie des Meeres“ ein Meisterwerk gezeigt wird, das Kinder ab sieben Jahren gleichermaßen wie Erwachsene begeistern sollte.
Leinwandlounge in der Remise Bludenz:
Fr 16.9. 19 Uhr:
Sektempfang; 19.30 Uhr: „El Olivo – Der Olivenbaum“; 21.30 Uhr: Eröffnungsparty
Sa 17.9., 17 Uhr: Mikro & Sprit (Deutsche Fassung)
20 Uhr: Cinema Paradiso
So 18.9., 15 Uhr: Die Melodie des Meeres (Deutsche Fassung)
19 Uhr: Mr. Turner

Köpek – Der Hund: Nur lose verknüpft die schweizerisch-türkische Regisseurin Esen Işik in ihrem ersten langen Spielfilm die drei Geschichten um den kleinen Cemo, der als Taschentuchverkäufer auf den Straßen von Istanbul arbeitet und einen herrenlosen Hund aufnimmt, die verheiratete Hayat und die Transsexuelle Ebru.
Einen Tag lang folgt Işik ihren drei Protagonisten parallel durch ihr Leben und durch Istanbul. Ganz nah ist der Film immer wieder an den Figuren, aber beiläufig wird die Handlung doch auch in das Ambiente der Metropole Istanbul eingebettet, das wesentlich zur starken Atmosphäre des Films beiträgt, ihn erdet.
Gemeinsam ist den drei Geschichten, dass immer die Außenseiter und Schwachen die Gewalt der Stärkeren zu spüren bekommen, dass die Transsexuelle auf offener Straße schikaniert und niedergeschlagen wird, ohne dass Passanten eingreifen würden, dass Hayat die Macht und Gewalt ihres Mannes zu spüren bekommt, und Cemo schließlich die Aggression eines Security-Mannes zum Gegenschlag bewegt.
Ruhig und in teils quälend langen Einstellungen erzählt Işik diese drei Geschichten, macht somit den Zuschauer auch zum Zeugen der Ereignisse, der eben nicht eingreifen kann, nur sieht, wie hier den Schwachen Gewalt angetan wird und zeigt eben auch, wie in der Gesellschaft vielen die Zivilcourage fehlt statt einzugreifen lieber wegschauen und Gewalt zulassen. Der Bogen spannt sich hier von Polizisten über einen Restaurantbesitzer bis zu Passanten auf den Straßen.
Ein melancholischer und bedrückender Film, aber ein – auch aufgrund der genau gezeichneten, starken Figuren – ungemein eindringlicher und nachwirkender Film über die heutige Türkei, oder wohl spezieller über die gesellschaftlichen Verhältnisse in Istanbul, ist der Debütantin so mit "Köpek", der im Frühjahr mit dem Schweizer Filmpreis als bester Schweizer Spielfilm ausgezeichnet wurde, gelungen.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 21.9., 18 Uhr + Do 22.9., 19.30 Uhr
Bei der Vorstellung am Donnerstag wird die Regisseurin Esen Işik anwesend sein und zu einer Diskussion zur Verfügung stehen