„Tancredi“ begeistert als Hausoper der Bregenzer Festspiele in glänzender Besetzung. (Foto: Bregenzer Festspiele/Karl Forster)
Walter Gasperi · 10. Mai 2012 · Film

Aktuell in den Filmclubs (11.5. - 17.5. 2012)

Mit „Le gamin au vélo - Der Junge mit dem Fahrrad“ zeigt das Filmforum Bregenz diese Woche das neue Meisterwerk der belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne. Im Takino Schaan steht dagegen die argentinische Tragikomödie „Un cuento chino – Chinese zum Mitnehmen“ auf dem Programm.

Le gamin au vélo - Der Junge mit dem Fahrrad: Von der ersten Szene an packen die Brüder Dardenne den Zuschauer mit ihrem neuen Film. Die Direktheit der Inszenierung, die Nähe der Kamera, das Tempo des Schnitts lassen kein Wenn und Aber zu. Gebannt und bewegt folgt man über knapp 90 Minuten dem etwa 12-jährigen Cyril (großartig: Thomas Doret), der nicht wahrhaben will, dass sein Vater ihn in ein Kinderheim abgeschoben hat. Immer wieder haut er ab, um den Vater ausfindig zu machen, doch dann trifft er auf die Friseurin Samantha, die die innere Not, die Wut und Verzweiflung des Jungen bewegt. Sie nimmt ihn auf, versucht Cyril die Schönheiten des Lebens zu vermitteln, doch er bricht immer wieder ihr Vertrauen.
Mit Cécile de France als Samantha besetzte das belgische Regieduo erstmals die Hauptrolle mit einem Star, erstmals spielt ein Film der Dardennes auch nicht im Winter, sondern im Frühling. Märchenhaft ist auch die Güte der Friseurin und doch ist dies unverkennbar ein Film der beiden Meisterregisseure.
Wie in „Rosetta“ oder „L´enfant“ kehren sie die Getriebenheit und Unruhe Cyrils mit ihrem dynamischen Erzählstil nach außen und wieder geht es um einen sozial am Rande stehenden jungen Menschen. Doch Musik, die aus den Filmen der Dardennes früher ganz verbannt war und in „Le silence de Lorna“ nur am Ende eingesetzt wurde, erklingt nun öfter, auch wenn nur mit einzelnen Akkorden besonders schmerzliche Momente im Leben des Jungen akzentuiert werden. Und wie in Aki Kaurismäkisi „Le Havre“ oder Robert Guédiguians „Schnee auf dem Kilimandscharo“ werden auch hier Solidarität und Humanität beschworen, durch die trotz allem ein glückliches Leben möglich scheint.
Filmforum im Metrokino Bregenz: Fr, 11.5. + Sa, 12.5. jeweils 22 Uhr
FKC Dornbirn im Cinema 2000: Mi 27.6., 21.30 Uhr + Do 28.6., 19.30 Uhr


Un cuento chino – Chinese zum Mitnehmen: Nach einer irritierenden Eröffnungsszene, die eine klamaukige Komödie erwarten lässt, schlägt der Argentinier Sebasian Borensztein leisere Töne an. Lakonisch und unaufgeregt schildert er das Leben des wortkargen Eisenwarenhändlers Roberto (Ricardo Darin). Soziale Kontakte scheint er kaum zu kennen, Kunden behandelt er unfreundlich, sein einziges Hobby besteht im Sammeln von schrägen Unfallberichten, die er in Zeitungen findet.
Gehörig durcheinander gebracht wird Robertos Leben, als ihm eines Tages ein junger Chinese vor die Beine fällt. Verständigen können sich die beiden nicht, an der Adresse, die der Chinese auf dem Arm eintätowiert hat, wohnt längst ein anderer, im Polizeirevier will man Jum in eine Zelle stecken, die Botschaft erklärt sie werde versuchen den Onkel zu finden, doch vorerst müsse er Jum mitnehmen. – So nimmt Roberto – oder „Eroto“ wie Jum ihn stets nennt – den Chinesen vorübergehend bei sich auf.
Altbekannt und ausgelaugt ist das Thema von zwei gegensätzlichen Menschen, die durch den Kontakt sich näher kommen und sich für die Welt öffnen. Viel neues zu diesem Thema bringt „Chinese zum Mitnehmen“ nicht, besticht aber durch den melancholisch-warmherzigen Erzählton, den mitfühlenden Blick auf die Menschen und einen wunderbaren Ricardo Darin. Alles andere als sympathisch mag diese Figur zunächst sein, doch langsam wächst sie einem ans Herz in diesem ebenso sanften wie menschlichen Film, der auf das große Spektakel verzichtet und ganz auf den Culture-Clash der beiden einsamen Männer baut. Am Ende offenbart nicht nur Roberto mittels Dolmetscher ein tiefes Trauma, sondern auch Yum gibt Preis, was ihn nach Argentinien verschlagen hat - womit der Film auch schön zur Eröffnungsszene zurückkehren kann.
Takino Schaan: Fr 11.5. - Di 15.5. – jeweils 20.30 Uhr