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09.05.2019 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (10.5. - 16.5. 2019)

Im TaSKino Feldkirch läuft diese Woche der Spielfilm „Joy“, in dem Sudabeh Mortezai die Ausbeutung illegaler afrikanischer Sexarbeiterinnen in Österreich anprangert. Jetzt schon open-air wird dagegen im Rahmen der Emsiana in Hohenems Giuseppe Tornatores Meisterwerk „Cinema Paradiso“ gezeigt.

Joy: Wie in ihrem ersten Spielfilm „Macondo“, der vom Alltag eines tschetschenischen Jungen in der Wiener Flüchtlingssiedlung Macondo erzählte, arbeitet die iranischstämmige Regisseurin Sudabeh Mortezai auch in ihrem Zweitling mit einer Mischung von Dokumentarfilm und Spielfilm und vertraut auf Laien. Und wie in „Macondo“ blickt Mortezai auch hier auf eine Welt am Rande der Gesellschaft, die man gerne verdrängt und über die man wenig weiß: die Welt der illegalen afrikanischen Sexarbeiterinnen, die auf dem Straßenstrich für ihre Herrin anschaffen müssen und davon träumen, die Schulden, die sie für die Flucht von Afrika nach Europa machten, abzahlen zu können.
In langen Recherchen verschaffte sich Mortezai Einblick in diese Welt, um authentisch davon erzählen zu können. Dicht und stark ist „Joy“ so auch in der erschütternden Schilderung des Alltags der Protagonistin. Auch dank der Laiendarsteller ist der Film in diesen Szenen sehr authentisch. Etwas hölzern wirken dagegen Szenen bei einer NGO, bei der sich Joy über die mögliche Zusammenarbeit mit der Polizei erkundet. Überfrachtet wirkt der Film nicht nur in dieser Szene, auch die Beziehung zu ihrer kleinen Tochter, die in wenigen Momenten gezeigt und bei einer Leihmutter versorgt wird, wird nicht ausgearbeitet und bleibt unklar.
Ein wichtiger und auch bewegender Film ist „Joy“ dennoch, denn hier bekommt man eben Einblick in ein System und eine Welt, die sonst im Dunkeln liegen, hier bekommt Gesicht und Gestalt, was sonst bestenfalls auf eine kurze Nachricht reduziert wird. – Auswege will und kann Mortezai dabei freilich keine zeigen, sie beschränkt sich darauf, die Realität ungeschminkt und schonungslos zu schildern.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Sa 11.5., 22 Uhr; Mo 13.5., 18 Uhr; Di 14.5., 20.30 Uhr; Mi 15.5., 18 Uhr

 

Cinema Paradiso: Vom Kino, der Filmgeschichte und der Zerstörung der Kinokultur erzählt der Sizilianer Giuseppe Tornatore in seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm, mit dem ihm 1988 ein Welterfolg gelang. Die Nachricht vom Tod des ehemaligen Filmvorführers Alfredo (Philippe Noiret) löst beim erfolgreichen Filmregisseur Salvatore (Jacques Perrin) nicht nur Erinnerungen an diesen väterlichen Freund, sondern auch an die Kinogeschichte aus. Durch Alfredo wurde im „Cinema Paradiso“, das nach dem Zweiten Weltkrieg neben der Kirche als erstem Paradies den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in einem sizilianischen Dorf bildete, schon in der Kindheit Salvatores Leidenschaft für dieses Medium geweckt.
Liebevoll erzählt Tornatore nicht nur die Geschichte dieser Freundschaft, sondern auch die des Dorfkinos, in dem sich durch die Aufführung inzwischen legendärer Klassiker von John Fords „Stagecoach“ bis Luchino Viscontis „La Terra Trema“ gleichzeitig wiederum die Filmgeschichte spiegelt. Indem Tornatore Alfredo die vom Pfarrer zensurierten Liebesszenen filmhistorischer Meisterwerke zu einem Kompilat aller Kussszenen der Filmgeschichte montieren lässt, wird „Cinema Paradiso“ selbst zu einem Liebesfilm ohnegleichen, der von Tornatores eigener grenzenlosen Liebe zum Kino zeugt und diese spürbar macht.
Open-Air beim Cafeteria Kitzinger, Hohenems: Fr 10.5., 22 Uhr

 

Joy

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Cinema Paradiso

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