Sinfonietta Vorarlberg: Kirill Kobantschenko und Georg Breinschmid versetzten ihre Instrumente faszinierend in Schwingung.
Silvia Thurner · 05. Mai 2026 · Musik

Feinsinn und Virtuosität beim fulminanten Finale

Nicolas Altstaedt und das Freiburger Barockorchester begeisterten in Dornbirn

Einen fulminanten Saisonabschluss feierte die Abonnementreihe „Dornbirn Klassik“ mit dem Freiburger Barockorchester und dem Cellisten Nicolas Altstaedt. Das Konzert fand in Kooperation mit dem internationalen Bodenseefestival statt und versammelte unter der Leitung von Gottfried von der Goltz herausragende Musiker:innen, die sich der historisch informierten Aufführungspraxis verschrieben haben. Die freud- und schwungvolle Spielart der Musiker:innen sowie die differenzierte musikalische Gestaltungskraft von Nicolas Altstaedt zogen die Zuhörenden in den Bann.

Selten hört man in Orchestern durchgängig historische Instrumente, die in einer so schwungvollen und exakt ausbalancierten Klangkultur als musikalische Einheit erlebbar sind. Gottfried von der Goltz leitete das Freiburger Barockorchester souverän. Er war ganz Ohr bei den Musiker:innen, verzichtete auf übertriebene Gestik und vermittelte durch seine ruhige, sichere Zeichengebung eine Orientierung, die alle Orchestermitglieder einbezog.
Den Rahmen des Konzerts bildete die Sinfonie Nr. 3, op. 22 von Leopold Antonín Koželuh sowie Mozarts „Prager Sinfonie“ (KV 504). Dass der aus Prag stammende Leopold Antonín Koželuh heutzutage (fast) vergessen ist, erscheint nach dem Eindruck, den die Werkdeutung im Dornbirner Kulturhaus hinterlassen hat, kaum nachvollziehbar. Der Eröffnungssatz beinhaltete spannungsgeladene Themen. Reizvoll wurden die Modulationen im Eröffnungssatz durch die Stimmen geführt, und dynamische Kontraste profilierten die musikalischen Linien. Den pastoralen Mittelsatz, der von einem dramatischen Ausbruch aufgewirbelt wurde, zelebrierte das Freiburger Barockorchester innig. Mit kantigen Artikulationen trieben die Musiker:innen den monothematischen Finalsatz vorwärts.
Die Interpretation von Mozarts berühmter Sinfonie Nr. 38 (KV 504) bestach von Anfang an durch die ausgeklügelten Gewichtungen der einleitenden Akkorde. Markant dazu erklangen die harten Paukenschläge. Die kontrapunktischen Linien führte das Orchester transparent und mit bewundernswert klaren Phrasierungen. Ein gemächliches Andante stimmten die Musiker:innen an und ließen dabei die melodischen Linien feinsinnig und klanglich nuanciert ineinanderfließen. Mit dem aufstrebenden Thema im Finale bot das Orchester einen brillanten Schlusspunkt.

Zwei geistreich geformte Cellokonzerte

In die Sinfonien der beiden Zeitgenossen Mozart und Koželuh waren zwei Cellokonzerte von Joseph Haydn und Luigi Boccherini eingebettet. Nicolas Altstaedt ist in diesem Jahr „Artist in Residence“ des internationalen Bodenseefestivals und stand als Solist im Mittelpunkt des Konzerts.
Seine Spielweise begeisterte, denn der Musiker agierte locker und unprätentiös. Ganz auf die nuancierten Klangfarben seines Instruments fokussiert, ließ er jedem einzelnen Ton Zeit, um sich im Gesamtkontext zu entfalten. Diese Qualitäten kamen dem viel aufgeführten Haydn-Cellokonzert besonders zugute. In einem intensiven Kontakt mit dem Konzertmeister breitete Nicolas Altstaedt den klanglich nuanciert schillernden Solopart aus und führte den musikalischen Fluss am Höhepunkt in eine raffiniert gestaltete Kadenz mit Doppelgriffen und Flageoletts. Die Tonqualitäten und die charakteristischen Farben innerhalb des harmonischen Gefüges spielte der Cellist im langsamen Satz mit ausdrucksstarker sängerischer Darstellungskraft. Rasant lotete der Solist, gut getragen vom Orchester, die Rollenverteilungen im Finale aus.
Das Cellokonzert Nr. 7 von Luigi Boccherini erklang ebenso geistreich. Volkstümlich mutete der erste Satz an. Die hohen Lagen sowie die ausgedehnten Passagen, in denen das Solocello lediglich von den hohen Streichern begleitet wurde, verliehen der Musik eine wunderbare Leichtigkeit. Einen großen Eindruck hinterließen der Solist und die Musiker:innen in jenen Passagen, in denen sie das für Boccherini so typische harmonische Moll voll ausspielten und der Musik dadurch eine orientalisch anmutende Note verliehen. Wie bereits in Haydns Adagio „sang“ Nicolas Altstaedt auch den langsamen Mittelteil im Boccherini-Konzert und kostete dabei feinste Klangnuancen aus. Im Finale trieben sich der Solist und das Orchester stürmisch an und begeisterten damit die Zuhörenden.