Tobias Grabher, die Camerata Musica Reno und Michael Köhlmeier bescherten dem Publikum ein „österliches Cineastenfest“.
Anita Grüneis · 01. Mär 2024 · Musik

Blues und Rock an einem Abend

Evelinn Trouble im TAK

Die Schweizer Pop-Sängerin und Songwriterin Evelinn Trouble gab ihr Liechtensteiner Debut im TAK. Das Theater war leider nicht so gut gefüllt, wie es der Musikerin gerecht gewesen wäre. Aber sie und ihre Trio-Band – verstärkt mit drei Streicher:innen – waren vom Sound her auch etwas zuviel für das kleine TAK. Ein Ort zum Stehen und Tanzen oder open air hätten zweifellos besser zu dieser Formation gepasst. Doch nichtsdestotrotz – das Konzert war energiegeladen und stark, in jeder Beziehung.

Die 35-jährige Evelinn Trouble – mit bürgerlichem Namen Linnéa Racine gehört zu den starken Frauenstimmen der Schweizer Musikszene. Ihr erstes Album, für das sie sämtliche Instrumente selber einspielte, veröffentlichte sie 2007 im Rahmen ihrer Maturaarbeit. Seitdem ist sie in verschiedenen Bandformationen im In- und Ausland unterwegs. Sie lebte viereinhalb Jahre in London und Berlin, bevor sie sich in Basel niederließ. Ihr fünftes Studioalbum Longing Fever erschien im Oktober 2021 und wurde mit dem Indie Suisse Album Of The Year Award ausgezeichnet. Im letzten Sommer rockte sie mit ihrer Band die Festivalbühnen der Schweiz, nun ist sie auf Clubtour durch die Schweiz, erweitert um ein String-Trio, und baute einen Halt in Liechtenstein ein.

Ich werde nie bleiben

Evelinn Troubles Musik ist ein Hybrid aus diversen Musikstilen. Ihre Texte sind melancholisch-philosophisch und befassen sich oft mit den Schattenseiten des Menschseins. Im TAK setzte schon ihr erster Song Jamais einen Meilenstein. Ich werde nie bleiben, heißt es darin und „eines fernen Tages gehe ich. Und du wirst von mir frei sein. Immer wieder besingt sie das Abschiednehmen, später in oh life heißt es: Life, oh life/ Please change for me/I've been so sad/I don't want to be. An diesem Abend im TAK wechselten melancholische Blues-Songs mit Heavy-Songs, bei denen alle Musiker:innen auf beat-komm-raus” die Bühne rockten allen voran Evelinn Trouble selbst mit ihrer Gitarre und ihrer markanten abwechslungsreichen Stimme. Gesanglich und instrumental wurde sie unterstützt von Ani Mojo an der E-Gitarre, Aine Fujioka am Schlagzeug und Leonie Bradatsch am Bass.

Singen und Mystik

Zum kleinen Highlight geriet ein kurzes Duett zwischen Evelinn Trouble und dem Geiger Rashid Adeyemo. Sie sangen sich gegenseitig eine Melodie zu und variierten diese, wobei die Variation vom anderen jeweils übernommen wurde. Dabei zeigte sich, dass Rashid Adeyemo so gut singen kann, wie er Geige spielt. Ob das auch auf seine Streicherkolleginnen Gina Corti, Bratsche und Polina Niederhäuser am Cello zutrifft, wurde leider nicht unter Beweis gestellt. Aber die Streicher:innen brachten mit ihren Glissando-Passagen immer wieder etwas Mystisches in dieses Konzert. Seltsam auch, dass Evelinn Trouble ihre Bandkolleg:innen mit ihren jeweiligen Sternzeichen vorstellte, gleichzeitig aber betonte, dass sie starke Vorurteile gegen Astrologie habe. Sie selbst ist übrigens Krebs! 

Widersprüchlich und authentisch

Aber so ist diese Musikerin: widersprüchlich und klar zugleich, eine Suchende und eine, die den Weg markiert. Was Schmerzen sind, nicht nur seelische, sondern auch körperliche, weiß sie aus eigener Erfahrung und daher ist sie immer authentisch, wenn sie darüber singt. Ob zornig, oder traurig, ob sehnsüchtig oder fröhlich – alles ist echt. Zwei Zugaben schenkte sie dem Publikum im TAK, darunter zum Schluss den Song Unfamiliar things, in dem sie singt: Speaking from a place of scars und weiter: you make me feel them all. Aber sie weiß auch: Gefühle verflüchtigen sich wie all die unbekannten Dinge und Your love is real to me. Das ist Evelinn Trouble, widersprüchlich, aber immer durch und durch Musikerin.

https://www.evelinntrouble.com/