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Michael Löbl · 01. Mär 2024 · Musik

Was gibt’s zu Mittag? Schmelzer, Weichlein, Fantini und Schwartzkopff

Die Kammermusikklasse Herbert Walser-Breuss gestaltete eine musikalische Mittagspause im vorarlberg museum.

Balsam für die Seele, Interessantes für die eigene musikalische Bildung und das Ganze bei freiem Eintritt: Konzert am Mittag im vorarlberg museum. Es gibt wenig, was man zu dieser Zeit Sinnvolleres tun könnte. Unter dem Titel „con discretione …“ gestaltete die Kammermusikklasse von Herbert Walser-Breuss an der Stella Musikhochschule ein abwechslungsreiches Programm mit Bläsern, Pauken, Streichern und Musik aus der Zeit zwischen 1600 und 1700.

Durch die ständig wechselnden Besetzungen kam keinerlei Langeweile auf. Abwechselnd oder gemeinsam befanden sich Musiker:innen an fünf Barocktrompeten, sechs Streichinstrumenten sowie Pauken auf der Bühne. Werke des aus dem niederösterreichischen Mostviertel stammenden Geigers und Komponisten Johann Heinrich Schmelzer standen am Beginn und am Schluss des Programmes. Schmelzer war vermutlich der einzige Komponist, der zumindest einigen im Publikum nicht ganz unbekannt gewesen sein dürfte. Vor allem den Besuchern der Konzerte des Ensembles Concerto Stella Matutina ist Schmelzers Musik bereits mehrmals begegnet.

Mitreißende Musik

Eine wirkliche Entdeckung ist der zweite Komponist im Programm, Romanus Weichlein. In seiner Lebenszeit ist er eine Generation nach Schmelzer und eine vor J.S. Bach angesiedelt. Er wurde in Linz geboren, erhielt seine Ausbildung in einem Benediktinerkloster, war Priester und Komponist in Südtirol und später im Burgenland. Zu hören waren zwei Sonaten aus der Sammlung „Encaenia Musices“ op. 1 – großartige Musik, sehr ausdrucksvoll, technisch anspruchsvoll und rhythmisch mitreißend. Warum die Musikgeschichte diesen außergewöhnlichen Komponisten aus den Augen verloren hat, ist vollkommen rätselhaft. Girolamo Fantini war ein berühmter italienischer Trompeter und Verfasser einer der ersten Trompetenschulen. Räumlich getrennt zwischen dem vierten Stock und dem Eingangsbereich im Erdgeschoß erklangen Sonaten für zwei Trompeten alleine und entfalteten eine reizvolle Echowirkung.
In der Ouverture für Trompete, Streicher und Bass des Ulmer Komponisten Theodor Schwartzkopff glänzte Oliver Biedermann auf der Barocktrompete. Wie sein Lehrer Herbert Walser-Breuss ist Oliver Biedermann in verschiedenen Musikrichtungen aktiv, so auch im Blechbläserensemble Brass Adventure oder in der Band Frischluft. Mit der Band Lisa S. hat er im Herbst 2023 beim Bundeswettbewerb Prima la Musica den ersten Preis in der Kategorie „Singer, Songwriter und More“ gewonnen.

International besetztes Streicherensemble

Wirklich erstaunlich war der Klang dieses eigens für dieses Konzert zusammengestellten und eigentlich inhomogenen Ensembles. Während es sich bei den Trompeten und Pauken um historisches Instrumentarium handelte, spielten die Streicher:innen auf konventionellen Instrumenten mit Stahlsaiten und modernen Bögen. Einzig und allein durch historisch-informierte Spielweise entwickelten die aus der Schweiz, Deutschland, Italien, Südafrika, Spanien und Costa Rica stammenden Musikerinnen und Musiker den Eindruck eines professionellen Barockensembles mit dem entsprechenden Equipment. Die Erste Violine steht schon aufgrund ihrer exponierten Aufgabe meist im Mittelpunkt, aber die aus Zürich stammende Geigerin Maja Willi beeindruckte durch ihre stilsichere Gestaltung, ihren nahezu vibratolosen aber dennoch ausdrucksvollen Ton und ihre natürliche Körpersprache. Man kann sich diese Musikerin sehr gut als Konzertmeisterin auch eines großen Symphonieorchesters vorstellen.   
Nur knapp eine Woche hatte Herbert Walser-Breuss Zeit, um aus zwölf unterschiedlichen Musikerpersönlichkeiten ein homogenes Ensemble zu formen, das sowohl durch seinen Klang als auch durch die historisch informierte Spielweise überzeugte. Es wäre schön, gäbe es noch weitere Konzerte in dieser Besetzung.

https://stella-musikhochschule.ac.at

https://www.vorarlbergmuseum.at