Erfrischender „zeitklang im museum I“
Das Symphonic Brass Trio Vienna bespielte einen außergewöhnlichen Ort
In diesem Jahr wird im vorarlberg museum die Sonderausstellung tuten & blasen zur Kulturgeschichte der Blasmusik in Vorarlberg gezeigt. Es ist naheliegend, diese Ausstellung auch musikalisch zu bespielen. Mira Weihs, Geschäftsführerin des Wiener Concert-Vereins, realisierte diese Idee mit dem Symphonic Brass Trio Vienna und setzte damit einen Höhepunkt in der achtjährigen Geschichte der Konzertreihe zeitklang im museum. Christian Löw (Trompete), Michael Stückler (Wiener Horn) und Wolfgang Pfistermüller (Bassposaune), begeisterten mit ihren Darbietungen und präsentierten passende Werke für vier unterschiedliche Räume.
Empfangen wurden die Zuhörenden mit sakralen Klängen. Die „Abendandacht“ in der Version für Trompete, Horn und Posaune von Violeta Dinescu wurde erstmals gespielt und passte hervorragend in die hallige Akustik des Atriums im vorarlberg museum. Aus haarscharf intonierten Unisonopassagen generierten die Musiker viel Energie, bis die Tonlinien spannungsgeladen in Akkordballungen zusammenflossen.
Auf diese Weise kreativ eingestimmt wurde das Publikum in den ersten Raum der Ausstellung geführt. Hängende Blasinstrumente und eine auf die Zuhörenden zumarschierende Blaskapelle bildeten das Setting für das Solostück für Posaune „... aus freier Lust ... verbunden ...“ von Georg Friedrich Haas. Zuerst musizierte Wolfgang Pfistermüller das aussagekräftige Werk hinter dem Vorhang, den zweiten Abschnitt musizierte er davor. Die 'inszenierte' Darbietung verbunden mit dem Wissen, dass G. F. Haas seine Werke immer in einen (gesellschafts)politischen Zusammenhang stellt, ließ viele Assoziationen zu. Geistreich wirkte die Gegenüberstellung der unterschiedlichen Kontexte: Einesteils begeisterte das mit feinen Tonnuancen sowie spektakulären Spaltklängen exzellent ausgestaltete Solowerk, andernteils kontrastierte das Gehörte mit den optischen Eindrücken der Landschaft und der marschierenden Blaskapelle.
Von Daniel Muck erklangen vier „Inventionen“ für Blechbläsertrio. Die Werke wiesen in die Stilistik der symphonischen Blasmusik. Jazzige Phrasen und neoklassizistische Ideen sowie Folkmusic stellte das Brasstrio abwechslungsreich zueinander in Beziehung und evozierte damit auch schöne Naturstimmungen.
Alisa Kobzars Werk „As soon as paradise“ für Horn und Bassposaune wies in eine ganz andere Richtung. Kreativ brachte die Komponistin Musik und Sprache in Verbindung zueinander und kristallisierte damit den musikalischen Gehalt der Sprache und zugleich den Sprachcharakter der Musik heraus. Die Musiker rezitierten durch ihre Instrumente einen Text von Charles Olson und betonten dabei die Phonetik sowie die Wort- und Satzrhythmen. Das Werk entwickelte sich vielsagend in der Korrespondenz zwischen den phonetischen und musikalischen Klangqualitäten. Doch der Ideenfluss schien alsbald erschöpft, wohl deshalb wirkte insbesondere der instrumentale „Nachsatz“ etwas langatmig.
Im letzten Raum, einem angedeuteten Bierzelt, erklang die „Serenade für Berkeley“ von Robert Brunnlechner. Sympathisch und humorvoll erzählte der Komponist von seinen Intentionen und über die Wahrnehmungstheorie des Philosophen George Berkeley, die ihn beim Komponieren dieses Werk inspiriert hat. Die Quintessenz der Lehre des Philosophen liegt in den beiden Sätzen „Sein ist Wahrgenommen werden“ sowie „Sein ist Wahrnehmen“.
Auf diese Weise hellhörig geworden, wurde die Erwartung an die viersätzige Serenade hochgeschraubt – und schließlich nicht ganz erfüllt. Doch die exakt ineinander geschachtelten Linien mit dem fanfarenartigen Beginn im ersten Satz sowie das originell konzipierte Hauptthema für das kontrapunktisch ausgestaltete Finale beeindruckten. Dass Robert Brunnlechner, ebenso wie Daniel Muck, ihre Wurzeln unter anderem in der Blasmusik haben, bildete auch kompositorisch gesehen eine gute Klammer zum speziellen Aufführungsort.
https://www.vorarlbergmuseum.at
https://symphonicbrasstrio.at/