Neu in den Kinos: „Love Lies Bleeding“
New Mexiko, 1989. Weil hier sonst nichts passiert, beginnen die Hilfskraft eines Fitnessstudios und eine kräftige Bodybuilderin eine gefährliche Liebschaft – und landen in einem Familiendrama inklusive Mordserie. Der lesbische Rachethriller mit Kristen Stewart entwickelt sich zum Sommerhit. Das ist nicht gerecht, aber nachvollziehbar.
Weil Kino nur manchmal Kunst, fast immer aber Unterhaltungsware ist, kommt es regelmäßig vor, dass Filme für übermäßigen Gesprächsstoff sorgen, die es – freundlich formuliert – nicht unbedingt verdienen. Vor allem der Sommer ist eine gute Zeit für solche Diskussionen, und wer hierzulande wenig mit „Jedermann“ und „Freischütz“ anzufangen weiß, kann sich statt der Hochkultur mit einem Film vergnügen, über den die sogenannten einfachen Leute auf der Straße, also im Internet, reden.
„Love Lies Bleeding“ erzählt eine lesbische Liebesgeschichte der besonderen Art und ist von der ersten Minute an auf der Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal, wenn Hollywoodstar Kristen Stewart die Hand in eine vollgeschissene Klomuschel steckt. Lou arbeitet in den späten Achtzigern in einem Fitnesscenter in einem Kaff im amerikanischen Südwesten, und wenn sie nicht hinter anderen den Dreck wegräumt, lehnt sie hinter dem Empfang und beobachtet gelangweilt die schwitzenden Männerkörper. Angetan ist sie ausschließlich von der Bodybuilderin Jackie (Katy O‘Brian), die eines Abends in Erscheinung tritt. Jackie ist völlig abgebrannt, schläft unter der Autobahnbrücke und braucht dringend einen Gelegenheitsjob, um sich die Weiterreise nach Las Vegas zu einem Wettbewerb zu finanzieren. Dass das ungleiche Duo schnell gehörig nah zusammenfindet, versteht sich. Doch „Love Lies Bleeding“ ist auch ein Actionthriller, weshalb die Affäre ebenso schnell gehörig aus dem Ruder läuft: Erstens hat Lou eine White-Trash-Freundin an der Backe, die sie nun loswerden muss, einen brutalen Schwager, der ihre Schwester verprügelt und einen durchgeknallten Vater (mit langen Nackenhaaren und Glatze einem Kuriositätenkabinett entstiegen: Ed Harris), der einen Schießstand und illegale Waffengeschäfte betreibt. Was Lou außerdem noch hat: Anabolika für Jackie. Das führt wenig überraschend zu rasender Eifersucht, einem blutigen Familiendrama und ein paar Toten, die es gilt verschwinden zu lassen.
Bisschen Tarantino, wenig Lynch
Das alles ist hübsch ausgedacht und ansehnlich in Szene gesetzt. „Love Lies Bleeding“ versprüht den Zeitgeist des Kinos der frühen Neunzigerjahre und schleppt jede Menge popkulturellen Ballast mit sich: Am feministischen Roadmovie-Klassiker „Thelma & Louise“, der nicht zufällig dieser Tage einen restaurierten Re-Release erlebt, sowie am Mörderpärchen Mickey und Mallory aus „Natural Born Killers“ führt für die britische Regisseurin Rose Glass („Saint Maud“) kein Weg vorbei. Auch Ethan Coens jüngster Eintrag ins Subgenre, „Drive-Away Dolls“, lässt grüßen. Doch all die geborgten Ideen – ein bisschen Quentin Tarantino hier, ein wenig David Lynch dort – und postmodernen Mätzchen werden bewusst offen zur Schau gestellt, denn „Love Lies Bleeding“ weiß genau, was sein Publikum zu sehen wünscht: Schweiß und Sex und Rache machen gute Laune. Zumindest einen Sommer lang.
An sein Ende setzt „Love Lies Bleeding“ eine wirkungsvolle Schlusspointe, und der bis dahin scheinbar realistische Thriller mutiert vollends zum absurden Theater. Es spricht nicht unbedingt für das aktuelle US-Kino, dass um einen solchen Film ein solches Aufheben gemacht wird. Aber er ist ein guter Beleg dafür, dass es immer möglich ist, den richtigen Film zur richtigen Zeit unters Volk zu mischen.
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ab 5.8., TaSKino im GUK Feldkirch (OmU)