Musikalisch wirkungsarme Verständigung
„Unmögliche Verbindung“ von Ondřej Adámek und Thomas Ziegler hinterließ einen zwiespältigen Eindruck
Im kompositorischen Zusammenwirken legen Sprache und Musik Beziehungen frei, die einzeln betrachtet nicht erlebbar sind. Musikalisch-sprachlichen Kommunikationsversuchen gingen der Komponist Ondřej Adámek sowie der Autor und Regisseur Thomas Fiedler nach. In gemeinsamer Recherche und bei „real trials“ schufen sie mit den Musiker:innen des Ensemble Modern das performative Musiktheater „Unmögliche Verbindung“. Hohe Erwartungen gingen mit der Ankündigung der Uraufführung des Werkes einher, denn sprachbezogene Kompositionen bestimmten die Kompositionsgeschichte des 20. Jahrhunderts wesentlich mit. Immer noch bergen sie ein riesiges Potenzial, um mit kreativen Mitteln außergewöhnliche Kontexte herzustellen. Doch das Musiktheater "Unmögliche Verbindung" enttäuschte im Hinblick auf die kompositorische Anlage. In der Werkstattbühne wurde die Komposition zwar mit engagierten Darsteller:innen und vielsagender Inszenierung uraufgeführt. Bis auf zwei kurze Passagen entwickelte sich die Performance jedoch eher langatmig.
In fünfzehn Tableaus war das assoziative Werk angelegt. Den einzelnen Abschnitten dienten unter anderem Texte von René Descartes, Thomas Fiedler, Arne Rautenberg und Leonardo da Vinci, Bibelstellen und ein offener Brief der Umweltaktivist:innen von Fridays For Future als Grundlage. Inhaltlich kreisten viele Teile um wahrnehmungs- und erkenntnistheoretische Gedanken, führten in biblische Kontexte rund um die babylonische Sprachverwirrung und mündeten in metaphysischen, letztbegründeten Sätzen über Gott als ursächlichen Beweger.
Die phonetischen Qualitäten der Sprache, der Atem, Schlüsselwörter aus den Texten sowie (Spiel-)Geräusche und nuancierte Tonqualitäten dienten Ondřej Adámek und dem Ensemble Modern als musikalisches Ausgangsmaterial. Fast alle rhythmischen Schichtungen erklangen metrisch geradlinig aufgebaut. In jedem Tableau breiteten die Musiker:innen und Sänger:innen verschiedene Aktionsfelder aus, in denen Kommunikationsversuche stattfanden. Nach einem langatmigen Beginn, in dem die darstellenden Figuren die eigene Wahrnehmung erfahrbar machten und in kleinen Gruppen zueinander in Beziehung traten, verdichteten sich die musikalischen Ereignisse allmählich.
Unter anderem Worksongs, Agitationslieder, Spirituals, Allusionen an die Musik der 1920er Jahre sowie Folksongs brachten in der zweiten Hälfte etwas Bewegung in das musikalische Geschehen. Als Ganzes betrachtet wirkte der sich aus den jeweiligen Ausgangsfloskeln entwickelnde Szenenaufbau ziemlich vorhersehbar. Daran änderten auch die ,Extension Techniques‘ des Ensemble Modern und der große Perkussionsapparat wenig.
Mit viel Elan leitete der Komponist Ondřej Adámek das Ensemble. Das aktive Mitgestalten während des Entstehungsprozesses war für die Ensemblemitglieder sicher anregend und spannend. Das Potenzial des international renommierten Ensembles wurde meiner Wahrnehmung nach aber zu wenig ausgeschöpft.
Aussagekräftige Regie
Im Verlauf des Musiktheaters breitete sich die dystopische Stimmung immer mehr aus. Verstärkt wurde die Atmosphäre durch den Aufführungsort selbst. Die Werkstattbühne war als Blackbox erfahrbar und in diese wurde wiederum eine Blackbox als Ausgangspunkt für Aktionen hineingestellt. Spotlights sowie auf der Bühne postierte Mikrofone und Filmkameras lenkten als zentrale Bildelemente den Blick. In dieses Setting wurde unter anderem das geschäftige Hin und Her der Protagonist:innen eingeschrieben und gleichzeitig die Zwecklosigkeit der hektischen Betriebsamkeit zum Ausdruck gebracht. Auch Versuche von Einzelnen, sich in der Gruppe zu treffen, um miteinander zu kommunizieren, liefen alsbald ins Leere und gaben Anstoß zum Weiterdenken.
Eindrückliche Bilder erzeugten die hängenden Kugeln, die ihre Bildgestalt den Szenen entsprechend änderten. Beispielsweise drehte sich ein Globus immer rascher und bedrohlich um die eigene Achse. Sodann lenkten Projektionen von Haut und alternde Faltenbildungen die Aufmerksamkeit auf sich. Am Ende sackten die Ballons am Boden liegend immer mehr in sich zusammen.
Die riesigen Ohrmuscheln deuteten wohl auf die philosophische Gedankenwelt des George Berkeley hin, dessen Quintessenz lautet: „Sein ist wahrgenommen werden“ und „Sein ist wahrnehmen“, und die Augäpfel bildeten weitere Reflexionsebenen.
Im Zentrum der Performance standen neben den Ensemblemusiker:innen die sich spiegelnden Darstellerinnen Tara Khozein und Hanni Lorenz. Sie hinterließen einen großen Eindruck. Ihre gestische und musikalische Ausdruckskraft verlieh den Texten und Gesängen Profil. Hervorragend agierten auch die Mitglieder des Bregenzer Festspielchores Daniel Büchel, Alessandro Campomenosi, Martina Kadoff, Kayo Kobayashi, Lilli Löbl, Marike Potts, Ronja Rückgauer und Achim Schurig. Sie stellten ihre sängerische Experimentierfreude und Wandlungsfähigkeit eindrücklich unter Beweis.