illlitz Liederabend: Der Bass Martin Summer und Tobias Neubauer am Klavier.
Silvia Thurner · 15. Sep 2024 · Musik

Eine breite Palette neuer Werke

Das Schallwende-Festival hat sich gut etabliert

Die diesjährige Ausgabe des Schallwende-Festivals im Feldkircher Saumarkttheater war ein voller Erfolg. Bereits der erste Abend, mit Werken von Herbert Willi und Nikolaus Brass, wurde vom Publikum gefeiert. Der zweite Abend bot den beiden ehemaligen Kompositionsschülern von Herbert Willi, Martin Skamletz und Wolfgang Lindner, ein Podium und stellte die 30-jährige, in Wien lebende Komponistin und Performerin Flora Geißelbrecht vor. Unter der Leitung von Christoph Cech präsentierte das motiviert musizierende Janus Ensemble vier Uraufführungen. Zur Einführung sprach Anselm Hartmann mit den Komponierenden. So waren die neuen Werke gut erfahrbar und anregende musikalische Erlebnisse wurden ermöglicht.

Der Flötist und Musikwissenschaftler Martin Skamletz komponiert seit einigen Jahren und ist stets auf der Suche nach neuen Instrumenten- und Klangkonstellationen, aus denen er seine musikalischen Ideen bezieht. Einleitend musizierten Joana Lewis, Lena Fankhauser und Mara Achleitner die überarbeitete Fassung des Streichtrios, das 2020 entstanden ist. Die Musikerinnen spielten die feinsinnigen Spieltechniken hervorragend aus, sodass die melodischen Hauptlinien in spannende Umgebungsfelder eingebettet erklangen und eine Art „Klangfarbenlinien“ entstanden.
Aufhorchen ließ insbesondere das Werk „si jamais“ für Flöte, Klarinette, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Klavier. Eine spielerische Themenfindung ließ zu Beginn an ein Divertimento denken, doch bald verdichteten sich die Linien und wurden die Themen kontrapunktisch durch die Instrumentengruppen der Streicher und Holzbläser geleitet und ein spannendes polyfones Stimmengewebe entfaltet. Eine vermittelnde Rolle nahm dabei der Klavierpart ein. Einzig die Schlusspassage wirkte etwas unvermittelt. Die Musiker:innen des Janus Ensembles (Annegret Bauerle, Vl.; Elena Arbonies Jauregui, Klar.; Matthias Kronsteiner, Fag.; Christian Heitler, Kl,; und die oben genannten Streicherinnen) musizierten in einem guten Dialog miteinander und führten die einzelnen Stimmen transparent aus.
Kurzfristig studierte die Mezzosopranistin Irina Chistiakova den Vokalpart des Werkes „sotto voce“ ein, das ebenfalls zur Uraufführung gebracht wurde. Martin Skamletz brachte die Gesangslinie als instrumentale Stimme mit dem Ensemble (Flöte, Klarinette, Fagott, Violine, Viola und Violoncello) in Beziehung. Die dunklen Klangfärbungen und der emotionale Ausdrucksgehalt der Singstimme bewirkten eine spannungsreiche Atmosphäre. Der Text beruhte auf Wortfindungen, die sich auf die Vokalklänge konzentrierten. Wohl der kurzen Vorbereitungszeit geschuldet, kamen diese jedoch wenig zur Geltung und das Verhältnis zwischen den Vokal- und Instrumentalparts wirkte abschnittweise etwas unausgewogen.

Fantasie- und klangfarbenreich

Flora Geißelbrecht notierte ihr „Trio For Strings“ anhand von Spielanweisungen für die Interpretinnen und ließ ihnen dabei viel Freiraum für eigene kreative Prozessfindung. Diese schöpfte das Koehne Trio sinnlich aus und bescherte damit den Zuhörenden eine willkommene Erholung. Danach führte das Janus Ensemble mit der Uraufführung des Werkes „Octopus Dream“ in eine bunte Welt der Klangfarben. Mit einem schön gestalteten Viola Solo leitete Lena Fankhauser das unterhaltsame Werk ein. Melodische Phrasen und flirrende Gesten wurden dabei in wechselnde Klangumgebungen gehüllt, die teilweise auch einen starken Klanggrund ausformten und Bilder im Kopf entstehen ließen.

Musikalische Textdeutung

Das überlange Konzert endete mit zwei Werken von Wolfgang Lindner. Eine spannende Interpretation der „Fünf Annäherungen“ für Klavier stellte Yunus Kaya in den Raum. Besonders die klug gesetzten, dynamischen Kontraste strukturierten den musikalischen Verlauf spannend.
In „Keine Grenzen“ fasste Wolfgang Lindner drei Texte von Mahvash Sabet in Musik und thematisierte dabei die religionspolitisch motivierte Verfolgung im Iran. Viel Wert legte er auf die Textdeutlichkeit und entfaltete deshalb die Singstimme über weite Strecken rezitativisch. Wortwiederholungen deuteten die Textinhalte zusätzlich. Irina Chistiakova und das Janus Ensemble formten die Ensemble-Lieder, die ebenfalls erstmals erklangen, emotional aus.

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