Ein Meister des Pianissimo
Das Elias String Quartet und der Klarinettist Robert Plane bei der Schubertiade Schwarzenberg
Absagen und Programmänderungen sind bittere Pillen, mit denen sich jeder Konzertveranstalter herumschlagen muss. Auch die Schubertiade ist davor nicht gefeit. Oft hat dann aber der zunächst skeptisch beäugte Einspringer auf ganzer Line überzeugt und das Publikum begeistert. Bald war sie oder er dann Stammgast dieses Festivals. Erstaunlich viele Musikerkarrieren wurden durch ein Einspringen in letzter Minute erst so richtig beflügelt.
Am Mittwochabend hat es Daniel Ottensamer, den Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker, getroffen. Achtung - Daniel und nicht Andreas! Andreas ist der jüngere Bruder und hat dieselbe Position, allerdings bei den Berliner Philharmonikern. Daniel Ottensamer, der Ausnahmemusiker mit dem wahrscheinlich schönsten Klarinettenton der Welt, ist erkrankt und musste seinen Auftritt bei der Schubertiade absagen. Auch für den Rezensenten ist das nicht angenehm, denn der bereits vorbereitete Text über die aussergewöhnliche Familie Ottensamer muss nun warten, bis einer der beiden Brüder wieder einmal den Weg nach Vorarlberg findet.
Einspringer "at short notice"
Schnell war mit dem britischen Klarinettisten Robert Plane ein Ersatz gefunden, das Programm blieb unverändert. Plane ist bereits öfters gemeinsam mit dem Elias String Quartett aufgetreten, ein grosses Plus vor allem dann, wenn man kaum Probezeit zur Verfügung hat. Es ist ja fast schon eine Ironie des Schicksals, dass der Einspringer ausgerechnet aus London anreisen musste, und das genau zu einem Zeitpunkt, als der gesamte britische Luftraum wegen eines technischen Problems der Flugsicherung zwei Tage lahmgelegt war und hunderte Flüge von und nach Grossbritannen gecancelt wurden.
Das Elias String Quartet, seit 2018 immer wieder bei der Schubertiade zu Gast, wurde 1998 in Manchester gegründet, müsste also heuer sein 25-jähriges Jubiläum feiern. Auf dem Programm des Konzertes in Schwarzenberg standen das Quintett für Klarinette und Streichquartett op. 115 von Johannes Brahms und Schuberts Quartett D 810 "Der Tod und das Mädchen". Neben dem Klarinettenquintett von W.A. Mozart ist das Werk von Brahms das bedeutendste für diese Besetzung. Johannes Brahms hatte das Komponieren bereits ad acta gelegt als er durch die Bekanntschaft mit Richard Mühlfeld, dem Klarinettisten der Meininger Hofkapelle, wieder Stift und Notenpapier in die Hand nahm und in seinen letzten Lebensjahren vier große Werke für die Klarinette komponierte.
Herbstliche Farben
Das Elias Quartet und Robert Plane betonten folgerichtig den Aspekt des Abschiednehmens durch dunkle Farben und zurückgenommene Dynamik. Robert Plane, viele Jahre lang Soloklarinettist im BBC National Orchestra of Wales, ist ein sensibler Musiker, ein Mann der leisen Töne und daher genau der Richtige für die gedeckten Klänge im Klarinettenquintett von Brahms. Als "herbstlich" wird die Musik gerne beschrieben und diese Charakterisierung bestimmt auf weite Strecken das Spiel des Ensembles. Vom Pianissimo bis zum Piano fühlt sich Planes Klarinette am wohlsten, und in diesem Dynamikbereich mischt sich sein Ton auch wunderbar mit den vier Streichern. Geht es dann allerdings in Richtung Forte wird sein Klang ein wenig hohl und unfokussiert. Bei den Ausbrüchen der Klarinette im zweiten Satz oder den schnellen Einwürfen im dritten kann er sich gegen die Kollegen auch nur schwer durchsetzen. Umso überzeugender gelingen ihm alle lyrischen Passagen, die ja dieses Werk und seinen herbstlichen Charakter prägen.
Weniger ist mehr
Nach der Pause bekam das Publikum eine angenehm normale und im besten Sinne des Wortes unspektakuläre Deutung von Schuberts "Tod und das Mädchen" zu hören. Das Elias String Quartet spielt technisch makellos, sucht allerdings nicht wie viele andere Quartette überall neue Wendungen, Gegenstimmen und bisher unentdeckte Details. Auch das derzeit angesagte vibratolose Spiel, eine Anleihe an die historische Aufführungspraxis, sucht man bei diesem Ensemble vergebens. Der Klang ist sehr homogen, niemand drängt sich vor, alles klingt nach perfekter Harmonie. Das tut Schuberts wohl bekanntestem Quartett gut, die Musik schmeckt auch ohne neue Zubereitungsarten und Gewürzmischungen. Die Zuhörer im vollbesetzten Angelika-Kauffmann-Saal waren begeistert.
www.schubertiade.at
www.eliasstringquartet.com
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