Derzeit in den Vorarlberger Kinos: The Zone of Interest (Foto: Filmcoopi Zürich)
Anita Grüneis · 28. Sep 2023 · Kleinkunst

Ein Land, ein Keller und viel Begeisterung

20 Jahre Schlösslekeller Vaduz

Der Schlösslekeller Vaduz feiert Geburtstag. Was vor 20 Jahren als Liechtensteiner „Gabarett LiGa“ begann, ist heute ein etabliertes Kleintheater mit einem abwechslungsreichen Programm. Ob Jazz, Kabarett, Lesung oder Theater – viele Künstler:innen gaben hier ihr Debut und blieben der Kellerbühne mit ihren 100 Zuschauerplätzen treu. Andere gaben ein Gastspiel und waren von der Atmosphäre so angetan, dass sie nun im Jubeljahr wiederkommen, wie Gerhard Polt und die Well-Brüder aus’m Biermoos. Zu diesem Gastspiel am 6. Dezember wird allerdings ein so großer Ansturm erwartet, dass die Veranstaltung vorsorglich in den Gemeindesaal Balzers verlegt wurde.

Zum Geburtstag selbst gab es einen „Tag des offenen Kellers“ – dabei waren unter anderem auch Schmankerl aus der LiGa-Zeit zu erleben, in der die Gründerväter Mathias Ospelt, Ingo Ospelt, und Marco Schädler satirische Texte zum aktuellen Geschehen schrieben und sie im Gasthaus Frohsinn in Gamprin vortrugen. Das war im Jahr 2004, damals gab es einen Run auf die Abende, denn viele im Land waren hungrig nach der scharf geschliffenen Satire. Bald musste ein neuer Raum für das LiGa gefunden werden. Das leerstehende Hotel Schlössle in Vaduz bot sich an und man wurde mit der Besitzerin rasch einig. Zunächst konnte im Speisesaal gespielt werden, dann wurde die verwaiste Kegelbahn im Keller ausgebaut. Im September 2003 war es soweit: der Schlösslekeller existierte. Hingegen existieren das Gasthaus Frohsinn und das Hotel Schlössle inzwischen nicht mehr, im ehemaligen Speisesaal des Hotels ist nun ein indisches Restaurant, die Zimmer werden an Studierende vermietet.

Ein Ständchen vom Regierungschef

Der Schlösslekeller zog im Herbst 2016 aus mehreren Gründen in die Räume des ehemaligen Druckzentrums Lampert an der Vaduzer Schwefelstrasse um. Damit begann ein neues Kapitel in der Geschichte. Immer noch arbeiten fast alle ehrenamtlich, ausgenommen einige Techniker, doch grundsätzlich funktioniert das Theater auf Freiwilligenbasis. Natürlich gibt es Gönner und Unterstützer, wie die Kulturstiftung und die Gemeinde Vaduz. Trotzdem muss immer sorgfältig geplant werden. Doch manche Stargäste treten auch umsonst im Schlösslekeller auf – wie der Regierungschef Daniel Risch und sein Staatssekretär Simon Biedermann, die am Geburtstagsabend mit ihren Gitarren gleich drei Ständchen spielten und damit den Keller rockten. Das sechsstündige Fest-Programm, aufgeteilt in drei Blöcken, begeisterte nicht nur die alten Fans, sondern auch die neuen. Zu erleben war ein „Best-of“ mit populären Schlössle-TV Szenen, ein Wiedersehen mit dem Trio Des Wahnsinns fette Boite, dazu Neues mit Katja und Zeno Langenbahn, dem Duo Zwietracht und der Kolumnistin Carola Schatzmann. Und dazwischen immer wieder frisch Aktualisiertes vom LiGa.

Viel Theater auf kleinem Raum

Aber auch das Programm des Schlösslekellers bis Ende des Jahres verspricht große Unterhaltung: Am 18. Oktober ist „Herbst einnicken“ zu erleben, eine herbstliche Vorlese-Disco mit Ingo und Mathias Ospelt. Jeder von ihnen bringt handverlesene Texte und je drei Songs zum Thema Herbst mit, ohne dass der eine weiß, was der andere in seiner Mappe trägt. Einen Tag später gastiert Tina Häussermann im Schlösslekeller mit ihrem Programm „Supertina rettet die Welt“. Am 15. November werden Mathias Ospelt und der Musiker Marco Schädler die „Bauverordnung tanzen“, am 6. Dezember kommen dann Polt und die Well-Brüder, am 15. Dezember stellt Wolfgang Gruber sein neuestes Buch „Menschen im Wandel – Erkenntnisse aus Begegnungen“ vor, dabei wird er von Raphael Brunner am Akkordeon begleitet. Den Schluss machen für dieses Jahr die Regisseurin Eveline Ratering und ihr Mann, der Schauspieler Ingo Ospelt, mit einer heiter-besinnlichen Lesung „S ist als ob Engelein singen“. Ein vorweihnachtlicher Abend zum Nachdenken und Schmunzeln mit Texten unter anderem von Erich Kästner, Kurt Tucholsky und Robert Gernhardt.
„So viel Theater muss sein“, lautet der Slogan des Schlösslekellers, der mit dem Projekt „Liechtensteiner Spezialitäten“ eine wichtige Plattform für die Liechtensteiner Kulturszene geschaffen hat. So wird auch Erfolgsautor und PEN-Mitglied Benjamin Quaderer am 5. November zum ersten Mal aus seinem neuen Roman vorlesen.  Auch andere eigens kreiierte Formate wie „Die andere Lesung“ oder „Das Kellerquiz“ sind Dauerbrenner der Kleinkunstbühne. Dass im Keller immer alles rund läuft, dafür sorgt ein Kernteam von sechs Personen und sechs Technikern sowie an die 35 Helfer:innen. So viel Begeisterung muss sein.

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