Das Symphonieorchester Vorarlberg unter der Leitung von Leo McFall startete sein Abonnement mit einem aussagekräftigen Konzert. Gefeiert wurden unter anderem der Komponist Herbert Willi und die Klarinettistin Sharon Kam.
Sieglinde Wöhrer · 09. Okt 2026 · Theater

Ein Abstieg in den Wahnsinn

Im Theater Kosmos feierte „Macbeth“ in der Regie von Markus Keller Premiere.

„Ist alles nur ein Wahn, der uns umfängt?“, fragt sich ein Macbeth in Militäruniform auf der Bühne des Theater Kosmos. Im Hintergrund läuft entspannte Mittelaltermusik und als Bühnenbild reichen eine Treppe und eine paar im Wind wehende Fahnen völlig aus, denn bis auf das Ehepaar Macbeth und die drei Schicksalsschwestern, die sich anfangs kurz zeigen, sind all die anderen Haupt- und Nebenfiguren auch nicht da. Vom König Duncan sieht man nur das Blut, das auf den Dolchen und Macbeths Hemd zurückbleibt und der loyale Gefährte Banquo wirkt bereits zu Beginn wie ein Geist, dem Macbeth von der Seite hinweg zuflüstert.

Alles für den Traum um die Krone

In dieser drastischen Neuübersetzung hat der Autor John von Düffel Shakespeares Drama um den Aufstieg und Fall des schottischen Feldherrn Macbeth auf die zentralen Szenen beschränkt und dabei verstärkt die psychologischen Faktoren rund um das Mörder-Ehepaar beleuchtet. So wird sehr klar deutlich, dass der Traum von Macht und Geltung in erster Linie ein Traum von Lady Macbeth ist – eine Frau, die skrupellos und manipulativ auf ihren Mann einredet und ihn relativ leicht zum Mord überredet. Und obwohl Macbeth für einen kurzen Moment skeptisch auf die Prophezeiung der Schicksalsschwestern reagiert und sich zögerlich als loyalen Diener seines Königs begreift, fehlt ihm doch das notwendige Rückgrat und die innere Beständigkeit, um an den eigenen Überzeugungen festzuhalten. An dieser nur oberflächlichen „Liebes“-beziehung zwischen Macbeth und seiner Frau (man hätte hier die Kussszenen auch weglassen können) wird deutlich, was passiert, wenn zwei Personen nur das Schlechteste im anderen zum Vorschein bringen. In einer gesünderen Version hätte Macbeth seine Frau beschwichtigt und Lady Macbeth hätte vermutlich eine Möglichkeit gefunden, ihren Ehrgeiz auf andere positivere Weise auszuleben.

Vom Töten und Töten lassen

Im Theater Kosmos verläuft die Handlung in raschem Tempo und nach ein paar Kostümwechseln ist König Duncan auch schon tot. Lady Macbeth sagt zwar dramatisch: „Ich wünschte, ich wär dabei!“, als ihr Mann gerade mit den beiden Dolchen in jeder Hand zu kämpfen hat, obwohl laut Plan auch einer gereicht hätte („ein Dolchstoß nur, und dass wars dann“). So ganz glauben kann man ihr das dann aber nicht, denn Lady Macbeths Motivation ist nicht die Mordlust an sich, sondern die Vorstellung von der absoluten Macht: „Ich will dir meinen Willen einhauchen und meine Stärke“. Außerdem übernimmt sie von Anfang an die Rolle des Managers im Mordduo, zu der auch Macbeth später finden wird: Zum König gekrönt, will er „nicht mehr töten, sondern töten lassen.“
Völlig geistesabwesend verwandelt sich Macbeth in dieser Mordszene, (die hinter der Bühne abläuft) vom erfolgreichen Krieger und fremdgesteuerten Handlanger in eine Person, die plötzlich aufwacht und voller Entsetzen die eigenen Taten reflektiert. In Panik vergisst er den Plan und verfällt in eine Schockstarre. Diese psychischen Ausnahmesituationen verkörpern Sabine Lorenz (Lady Macbeth) und Bernd Sračnik (Macbeth) auf leidenschaftliche Weise. Gekonnt vermittelt Sračnik dabei die stetigen Kontraste seiner Figur und zeigt einen Macbeth, der zwischen Angst, paranoidem Wahn und großer Selbstüberschätzung hin- und herpendelt. Lorenz zeigt dagegen die Entwicklung einer Figur, die konsequent ihre Idee von Macht und Geltungsdrang umsetzt und exzessiv daran festhält, bis sie schließlich innerlich von Macbeth isoliert, an ihrem Wahn zugrunde geht. Ironischerweise erfüllt sich zwar die Prophezeiung und Macbeth wird König, bleibt es aber nur für kurze Zeit. Das Paar hat sich gewaltig verschätzt und sie verlieren am Ende nicht nur die Ehe, sondern auch ihre Identität und so macht dieses Stück doch sehr deutlich, wie bedeutungslos Ruhm, Reichtum oder Macht werden kann, wenn dafür mit den eigenen Werten bezahlt werden muss.

Weitere Termine:
10./16.10., 20 Uhr und 11./18.10., 17 Uhr
Theater Kosmos, Bregenz

www.theaterkosmos.at
Macbeth ist eine Koproduktion des Theater Kosmos mit Das Theater an der Effingerstrasse (Bern).