Die musikalische Zukunft ist weiblich
Matinee der Stella Sinfonietta am Sonntag in Feldkirch
Bereits am vierten Tag nach Beginn des Studienjahres gab es mit einer Matinee der Stella Sinfonietta unter der Leitung von Benjamin Lack ein erstes Highlight der Stella Musikhochschule.
Die Stella Sinfonietta ist das Jugendorchester der Hochschule, setzt sich also in erster Linie aus Schülerinnen und Schülern des Musikgymnasiums zusammen, die neben dem Schulbesuch ihren Instrumentalunterricht an der Stella erhalten. Auch einige ausgewählte Schüler:innen dreier Vorarlberger Musikschulen waren mit im Boot und ergänzten die jugendliche Truppe.
Was auf den ersten Blick verblüfft, ist das Verhältnis von Musikerinnen zu Musikern. Bei Bläsern und Pauke ist es tatsächlich 13:2. Nur die Pauke und eine Trompete verhindern die hundertprozentige feminine Dominanz, Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte und Hörner sind fest in weiblicher Hand. Mussten die Wiener Philharmoniker noch vor 30 Jahren im Rahmen einer USA-Tournee massive Proteste über sich ergehen lassen, weil es keine einzige Frau im Orchester gab, ist dieses Problem inzwischen gelöst. Haben sich die Herren vielleicht bei den Streichern versteckt? Auch nicht wirklich, hier beträgt die Quote aber immerhin ein Viertel. Das ist ohne Zweifel eine Entwicklung, die das Musikleben in Zukunft prägen wird.
Wechsel an der Spitze
Benjamin Lack teilt seine Aktivitäten nach wie vor zwischen der Kunstuni Graz und der Stella Hochschule auf. Aus der Stella Sinfonietta formt er jedes Jahr einen – bedingt durch die Fluktuation der Schüler:innen – neuen Klangkörper, dessen Qualität Respekt verdient. Mozart und Dvořák standen auf dem kompakten Programm, das ohne Pause gespielt wurde. Mit dem Vorteil, dass sich die Hochschule die nervige Pausenbewirtung erspart und alle, die das wollen, pünktlich zum Mittagessen wieder zu Hause sein können.
Die Begrüssungworte zur Stella Sinfonietta des Rektors Jörg-Maria Ortwein könnten seine letzten gewesen sein, die Position ist auf der Hochschulwebsite ausgeschrieben, Dienstbeginn Oktober 2027. Das Konzert begann mit der Ouvertüre zum „Schauspieldirektor“ von W.A. Mozart. Noch klang das Orchester etwas ruppig, was sich aber im folgenden A-Dur-Violinkonzert desselben Komponisten rasch änderte.
Mozart als Prüfstein
Für alle Geiger:innen ist Mozarts Violinkonzert Nr. 5 ein echter Prüfstein. Nicht umsonst ist es international das meistgespielte Werk bei Probespielen und Prüfungen. Man hört schonungslos alles, was das Geigerleben so schwierig macht. Rhythmische Präzision, Intonation, saubere Skalen und Dreiklangszerlegungen decken gnadenlos alle instrumentalen Defizite auf. Musikalisch kommt in unserer Zeit noch ein Problem hinzu: Wie halte ich es mit der Historischen Aufführungspraxis? Versuche ich „historisch informiert“ zu spielen, feiner, mit differenzierterer Artikulation und weniger Vibrato? Oder möchte ich, dass mein Instrument möglichst gut klingt und in allen Lagen über das Orchester strahlt? Das sind schwierige Entscheidungen für junge Musiker:innen.
Professionelle Solistin
Die finnische Geigerin Jasmin Mönkkönen ist 27 Jahre alt, Preisträgerin des hauseigenen Stella Musikpreises und studiert im Masterstudiengang bei Rudens Turku. Sie ist bereits eine professionelle Musikerin mit hervorragender Technik, guter Bühnenpräsenz und ausgesprochen souveräner Ausstrahlung. Die zahlreichen Tücken des Mozart-Konzertes bereiteten ihr keinerlei Probleme. Wollte sie zumindest ansatzweise „historisch informiert“ spielen? Das würde die durchgehend feine Tongebung und das zurückgenommene Vibrato erklären. Wenn das Orchester seinen Emotionen freien Lauf ließ, klang Jasmin Mönkkönens Violine manchmal etwas zu leise. Nach dem von allen Beteiligten brillant gespielten letzten Satz gab es zu Recht große Begeisterung im Publikum.
Den Abschluss bildete Antonin Dvořáks beliebte „Tschechische Suite“ op. 39. Ein sehr melodiöses Werk voller Einflüsse böhmischer Volksmusik und deren verschiedenen Tänzen. Benjamin Lack hat die Stella Sinfonietta perfekt vorbereitet, gemeinsam genoss man Dvořáks süffige Klangsprache und bot eine mitreißende Wiedergabe. Manche Musiker:innen mussten lange warten, die Klarinetten beispielsweise sind nur in zwei der insgesamt fünf Sätze beschäftigt, der Pauker sogar nur in einem, dem Finale. Glückliche Gesichter im Publikum und auf der Bühne, lange anhaltender Applaus.