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12.06.2009 |  Peter Füssl

Youn Sun Nah: Voyage

Sowohl in ihrer koreanischen Heimat als auch in ihrer europäischen Wahlheimat Paris, wo die musikalisch „Spätberufene“ Jazz studierte, konnte die 1969 in Seoul geborene Sängerin Youn Sun Nah mit mehreren zwischen Jazz, Pop und französischem Chanson angelegten Produktionen schon beachtliche Erfolge verbuchen, im restlichen Europa ist sie bestenfalls ein Geheimtipp.

Das dürfte sich mit „Voyage“ nun rasch ändern, weil die 12 Songs (sechs davon sind Eigenkompositionen) als wunderbare Vehikel dienen, um die enorme Wandlungsfähigkeit ihrer, ausdrucksvollen, manchmal nahezu hypnotisch wirkenden Stimme effektvoll zur Geltung zu bringen. Dabei wird der erste Eindruck, Youn Sun Nahs Stärke liege vor allem im Bereich des Lyrisch-Balladesken, immer wieder lustvoll über den Haufen geworfen, wenn sie etwa eine verblüffend ätherische Version von Tom Waits’ „Jockey Full Of Bourbon“ liefert oder experimentierfreudig über Egberto Gismontis „Frevo“ scattet. Besonders unter die Haut geht auch der einzige französisch gesungene Titel, der von Carlos D’Alessio komponierte, von Marguerite Duras getextete und von Jeanne Moreau berühmt gemachte „India Song“. Als äußerst reizvoll stellt sich die Kombination der Francokoreanerin mit den skandinavischen Cracks Ulf Wakenius an der Gitarre, Lars Danielsson an Bass, Cello und Melodika und Mathias Eick an der Trompete heraus. Dass den Nordländern in Sachen cooler Melancholie niemand was vormachen muss, ist ohnehin klar, aber wie sie sich temperamentvoll auf die nuancenreichen stilistischen Bocksprünge der Sängerin einlassen, lässt auf einige Begeisterung schließen, die sich mühelos auch auf den Zuhörer überträgt.

(ACT 9019-2/Vertrieb: edel)

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