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01.11.2018 |  Peter Füssl

Wolfgang Muthspiel: Where The River Goes

Zwei Jahre nach „Rising Grace“ präsentiert Wolfgang Muthspiel in fast unveränderter Besetzung – wieder gemeinsam mit Pianist Brad Mehldau, Kontrabassist Larry Grenadier und Trompeter Ambrose Akinmusire, aber mit Drummer Eric Harland anstelle Brian Blades – sein viertes ECM-Album. Das hochkarätige Quintett hat sich einen elaborierten Gruppensound erarbeitet, in den sensible Soli, brillante Dialoge und Gruppenimprovisationen organisch eingebettet sind.

In seinen sechs neuen Kompositionen überzeugt Wolfgang Muthspiel einmal mehr durch seine feinsinnige Ästhetik, sein sicheres Gespür für einprägsame Melodien und Harmonien und für feine dynamische Entwicklungen. Da ist nichts Extravertiertes dabei, und dennoch wird nicht zuletzt dank der exzellenten Rhythmusarbeit Eric Harlands durchgängig eine Spannung aufrechterhalten, die die HörerInnen permanent neugierig auf den musikalischen Fortgang macht. Das gut siebenminütige „Clearing“ entstand aus einer Gruppenimprovisation – eine perfekte Übung in Sachen Intuition und subtilen Aufeinanderhörens. Im Solostück „Buenos Aires“ malt Muthspiel auf der Akustischen in virtuoser Zurückhaltung ein wunderschönes Stimmungsbild, während er bei „One Day My Prince Was Gone“ – einer unkonventionellen Paraphrase des Filmmusik-Hits und Jazz-Standards „Someday My Prince Will Come“ – Wort- und Spielwitz gleichermaßen aufblitzen lässt. Nahtlos ins Geschehen integriert sich Brad Mehldaus hardboppig wurlendes „Blueshead“, das solistische Glanzlichter aller Beteiligten präsentiert. Besonders spannend, im Kontrast zu den anderen Musikern oft auch etwas erdiger, emotionsgeladener ist Ambrose Akinmusires exzellentes Trompetenspiel, er festigt hier wie auch auf seinem eben bei Blue Note erschienenes Album „Origami Harvest“ seinen Ruf, gegenwärtig einer der wegweisenden Protagonisten des Jazz zu sein. Das von Muthspiel solistisch eingeleitete, im sensiblen Dialog mit Brad Mehldau fortgeführte und schließlich ins Quintettformat weitergeschriebene, knapp achtminütige Titelstück „Where The River Goes“ bringt die ganze musikalische Potenz dieses Dreamteams zur Entfaltung, das mit diesem Album ein atmosphärisch dichtes Werk von vielschichtiger Schönheit geschaffen hat.

(ECM/www.lotusrecords.at)

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