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29.08.2018 |  Peter Füssl

Trygve Seim: Helsinki Songs

Es sind zum Niederknien schöne 63 Minuten und 49 Sekunden, die uns Trygve Seim mit seinen elf größtenteils in der finnischen Hauptstadt komponierten „Helsinki Songs“ beschert. Seine von Zeit und Raum losgelösten Melodien schmeicheln sich in ihrer puren Schönheit – ohne jegliches Kalkül, unbedingt schön sein zu wollen – in die Gehörgänge. Es ist Erntezeit, die jahrelange Beschäftigung des Osloers mit der nordischen Tradition, mit ägyptischer, indischer und armenischer Musik und natürlich auch mit den unterschiedlichsten Phänomenen der Jazzgeschichte trägt nun ihre Früchte.

Seim lässt Tenor- und Sopransaxophon singen und Geschichten erzählen, zu denen niemand irgendwelche Worte vermisst. Sein sicheres Gespür für unaufdringliche, aber effektive Inszenierungen und sein Schwelgen in einem breiten Spektrum an Klangfarben wird von seinen Partnern perfekt unterstützt. Keiner hat es nötig, mit Virtuosität zu protzen oder braucht die große Geste, dennoch können der norwegische Kontrabassist Mats Eilertsen, der estnische Pianist Kristjan Randalu und der finnische Drummer Markku Ounaskari ihre vorzüglichen Talente ins beste Licht rücken. Ob Lyrisches, Hymnisches oder Melancholisches, ob impressionistisches Klangbild, Ethno-Inspiration, beschwingter Mid-tempo-Song oder „Yes, Please Both“, welches Winnie the Pooh und Ornette Coleman gleichermaßen gewidmet ist – jeden Moment ist zu spüren, dass in diesem Quartett die Chemie hundertprozentig stimmt. Trygve Seim hat seit seinem ECM-Debüt 2001 auf mehr als zwanzig Alben mitgewirkt, acht davon hat er als Leader oder Co-Leader vorgelegt. Die von Manfred Eicher im renommierten Osloer Rainbow Studio produzierten „Helsinki Songs“ zählen sicher zu den absoluten Highlights im bemerkenswerten Oeuvre des sympathischen Nordmannes.

(ECM/www.lotusrecords.at)

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