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23.10.2018 |  Peter Füssl

Sophie Hunger: Molecules

Elektronisch generierte Rhythmen, Drumcomputer, wabbernde Synthesizer-Klangwolken, geloopte Handclaps, 80er-Jahre-Sounds, nur spärlich eingesetzte Akustikgitarre - "Minimal Electro Folk" tauft die Schweizer Singer-Songwritern Sophie Hunger die Musikrichtung ihres sechsten Albums "Molecules", das ihre zahlreichen Fans wohl in zwei Lager spalten dürfte.

Denn es markiert einen radikalen Stilwechsel - weg vom Jazz-Folk-Pop-Singer-Songwriting, hin zur Elektronik-Szene und den Clubsounds ihrer neuen Wahlheimat Berlin. Zudem wird alles auf Englisch gesungen - Schwyzerdütsch, Deutsch und Französisch sind gestrichen. Aber nach der ersten Überraschung/dem ersten Schock - je nach musikalischer Offenheit - merkt man gleich, dass die 35-Jährige ihr Handwerk immer noch bestens versteht, dass die Songs über starke Melodien und perfekte Spannungsbögen verfügen, ihre Stimme gefangen nimmt, und ihre Texte auch im neuen Sound-Gewand noch immer genial zwischen kryptisch, engagiert und handfest changieren. "I opened a bar for arctic plates / Where they can melt on microwaves / I opened a bar for veterans / To chat about dismemberments (...) I opened a bar for my boyfriend / The one who always held my hand / In public places when we drank / For him to wonderfully spend the night / With his new lover" – in Sophie Hungers Songs treffen sich Weltschmerz, Engagement und das Nachdenken über persönliche Befindlichkeiten, Melancholie, Sarkasmus und Widerstand. Verletzlich und angriffig zugleich beerdigt sie alte Träume und gebiert neue. Sophie Hunger ist eine Rastlose, stets auf der Suche - auch und gerade als Künstlerin. "Molecules" ist sicherlich nicht die letzte Überraschung, die sie für uns (und sich selber) bereithält.

(Caroline/Universal)

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