"Die Sterne" im Spielboden Dornbirn: Frontmann Frank Spilker und Philipp Janzen an den Drums (Foto: Stefan Hauer)
Peter Füssl · 11. Dez 2012 · CD-Tipp

Scott Walker: Bish Bosch

Einige der älteren Herren haben diesen Herbst mit hervorragenden Alben kräftige Lebenszeichen gegeben: Bob Dylans „Tempest“, Neil Youngs „Psychedelic Pill“, John Cales „Shifty Adventures In Nookie Wood“ oder Kris Kristoffersons „Feeling Mortal“ sind großartige Alben, die den hohen Level älterer Produktionen durchaus erreichen. Aber sie alle bewegen sich auch mehr oder weniger risikolos ziemlich punktgenau in den erfolgreichen Fahrwassern ihrer Vorgänger. Das kann man von Scott Walker nun mal wirklich nicht behaupten.

Der hatte Mitte der 60er-Jahre mit den Walker Brothers und „The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore“ und ähnlich poporchestral aufgedonnerten Songs veritable Welthits, verabschiedete sich aber offenbar angewidert aus dem gleichermaßen lukrativen wie seichten Business und bastelt seither mit einem Dutzend kommerziell erfolgloser Soloalben hingebungsvoll an einer Art Anti-Star-Image. Auch auf „Bish Bosch“ geht er, seinem exzentrischen Ego-Trip treu bleibend, kompromisslos zur Sache. Er meidet übliche Songstrukturen wie der Teufel das Weihwasser, die Sounds bewegen sich zwischen flirrenden Elektronikklängen, donnernden E-Gitarren, knarzenden Saxophonen, gleißenden Trompeten, harten Beats und beinahe schmerzhaften Noise-Attacken. Höchstens die Unvorhersehbarkeit ist hier noch vorhersehbar, bis hin zum großen Streichorchester mit 20 Violinen, acht Celli und acht Kontrabässen. Mit seinen in dramatisch-opernhafter Manier vorgetragenen enigmatischen Texten komplettiert Walker die oftmals beklemmenden, albtraumhaften Stimmungsbilder auf perfekte Weise. Dass die dämonischen, fratzenhaften, apokalyptischen und sich letztlich jeglicher klaren Deutung entziehenden Elemente der Bilderwelten eines Hieronymus Bosch als Bezugspunkte dienen könnten, kann man sich gut vorstellen. Auch „Bish Bosch“ wird den unüberbrückbaren Graben zwischen Scott-Walker-Hassern und –Bewunderern nicht schmäler machen, aber auch wenn es ihn schmerzen sollte: er ist eindeutig DER Star unter den Anti-Stars!
(4AD/Beggars Group Vertrieb: www.rottensteiner-pr.at)