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27.10.2016 |  Peter Füssl

Robert Glasper Experiment: ArtScience

Der 38-jährige aus Houston stammende und in New York lebende Pianist und Keyboarder Robert Glasper ist im zeitgenössischen Jazz ebenso zuhause wie im Hip-Hop – womit schon die wichtigsten Quellen genannt sind, aus denen der geniale Soundbastler sein so locker daherkommendes, aber tatsächlich höchst anspruchsvolles musikalisches Gebräu schöpft. Dazu kommen noch Elemente aus Funk, R’nB’, Neo-Soul und Pop, Elektronics und Disco, vertrackte Rhythmen, satte Grooves und leicht ins Ohr gehender Vocoder-generierter Gesang, und fertig ist der Stoff, der dem Musiker bislang zwei Grammys einbrachte.

Das aktuelle Album „ArtScience“ trägt natürlich wieder unverkennbar Glaspers Handschrift, ist aber weit mehr als die Vorgängeralben auch als Band-Projekt ausgewiesen, denn der wendige Bassist Derrick Hodge, der mit allen rhythmischen Wassern gewaschene Drummer Mark Colenburg und der vor allem mit seinen Sopran- und Altsaxophonsoli überzeugende Casey Benjamin sind erstmals an allen Kompositionen und Arrangements beteiligt. Auf die sonst üblichen Gastauftritte renommierter Gesangsstars wurde völlig verzichtet, die Vokalparts wurden von den Bandmitgliedern selbst übernommen. Zwei Fremdkompositionen haben es aber auf „ArtScience“ geschafft und, beide sind symptomatisch für Robert Glasper Experiment: „Tell Me a Bedtime Story“ darf man als Verbeugung vor Herbie Hancock betrachten, einem Seelenverwandten, der sich in seiner Experimentierlust auch nie von Genregrenzen hemmen ließ und der zudem ein Bindeglied zum von Glasper äußerst geschätzten und mit Hommagen bedachten Miles Davis darstellt. Die zweite ist der New Wave-Hit „Human“, der die englische Synth-Pop-Band Human League 1986 weltweit in die Toppositionen der Charts brachte – ein weiteres Zeichen dafür, dass für Robert Glasper der Blick über den Tellerrand Methode hat, wenn es darum geht, sich wirkungsvolles neues musikalisches Terrain einzuverleiben. Es ist der Extraklasse aller Beteiligten zu verdanken, dass dieser unorthodoxe Stilmix völlig stimmig ist, wie aus einem Guss wirkt – und Zukunftspotential hat.

(Blue Note/Universal)

Konzert-Tipp: Robert Glasper Experiment sind am 6.11. im Reichshofsaal in Lustenau zu hören. Live – für aufgeschlossene Jazz-Fans – ein absolutes Erlebnis!

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