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25.10.2016 |  Peter Füssl

Lucy Dacus: No Burden

„It don’t wanna be funny anymore“ lautet die Eingangszeile auf dem Debütalbum der 21-jährigen Lucy Dacus aus Richmond, Virginia – und das nimmt man ihr angesichts der neun unverstellt, geradlinig und kraftvoll vorgetragenen Songs ohne weiteres ab.

Dabei handelt es sich um einen absoluten Schnellschuss. Ein Freund der Songwriterin informierte diese kurzfristig, dass sein Studio ausfallsbedingt für genau einen Tag zu haben wäre, und sie hatte nur paar Tage Zeit, um die Songs für ihre Kumpel an Bass, Gitarre und Drums zu arrangieren. Das verdichtete sich zu einem sympathisch unter die Haut gehenden, gitarrendominierten, melodiösen Lo-Fi-Sound, der mal punkig krachend, mal bluesrockinfiltriert und dann wieder zart folkig daherkommt. Er eignet sich sowohl als ideale Untermalung, als auch als exakt passender Kontrast zu Lucy Dacus zwischen wohltuender Wärme und schneidender Schärfe changierenden Alt-Stimme. In ihren zwischen Wut und Melancholie, Aufbegehren und Ironie, Ernüchterung und Wunschträumen pendelnden Texten beweist die Songwriterin eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe, die sie auch hinter das Offensichtliche und Alltägliche blicken lässt. Wer sich für musikalische Power-Frauen à la Courtney Barnett, Grimes oder Torres begeistern kann, sollte sich auch diese frische und unverbrauchte Stimme im Indie-Rock-Business mal anhören.

(Matador)

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