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17.12.2020 |  Peter Füssl

Ólafur Arnalds: Some Kind 0f Peace

Wenn der Ausdruck „Seelenmusik” jemals angebracht war, dann hier! Nach dem technologisch-experimentellen, unter anderem mit einem ganzen Arsenal an elektronischen Instrumenten, inklusive selbstspielender Stratus-Klaviere realisierten 2018-er Album „Re:member“ und einer Welttournee mit 140 Konzerten, hat Ólafur Arnalds mit „Some Kind of Peace“ sich und uns nun einen Ruhepol, einen Ort der Erholung und Kontemplation geschaffen. Es sei sein persönlichstes, von autobiographischen Erlebnissen inspiriertes Album, erklärt der 34-jährige Isländer, dessen zwischen Neo-Klassik, Pop, Rock und Elektronik pendelnde Kompositionen jenseits allen Kitsches einen universal wirksamen Wohlklang verströmen.

Wohldosierte Pianoklänge, atmosphärische Streicher, elektronisch generierte Beats, klug integrierte Samples und die Stimmen handverlesener Gäste lassen die drei bis fünf Minuten langen Stücke abwechslungsreich und dennoch wie aus einem Guss erscheinen. Die mit ihrer eigentümlich zurückgenommen-dramatischen, sehnsuchtsvollen Stimme an Björk erinnernde isländische Sängerin und Multiinstrumentalistin JFDR (bürgerlich: Jófríður Ákadóttir), der in Los Angeles lebende britische Trip-Hop-Elektronik-Experte Bonobo (Simon Green) und die gerade in ihrer Zurückhaltung ausdrucksstarke koreanisch-deutsche Singer-Songwriterin Josin veredeln drei von Ólafur Arnalds Kompositionen. Diese entwickeln sich meist minimalistisch und meditativ vor sich hinplätschernd zu einem starken, emotionalen, irgendwie kathartisch wirkenden Höhepunkt, der anschließend wieder in einer ruhigen Passage verebbt. Wer schon das Glück hatte, die karge, stille, und dennoch unter einer dünnen Schicht brodelnde, unvergleichlich schöne Landschaft Islands zu erleben, dem wird „Some Kind of Peace“ zusätzlich Bilder und Atmosphären in Erinnerung rufen, die sich im Kopf mit diesem wundervollen Soundtrack problemlos zum ganz persönlichen Island-Film verdichten lassen. Die am treffendsten mit dem simplen Adjektiv als „schön“ zu bezeichnende, entschleunigte Musik von „Some Kind of Peace“ ist schon vor Corona entstanden, dennoch spendet sie gerade in diesen Zeiten unguter und schmerzhafter, in vielerlei Hinsicht grenzwertiger Erfahrungen Hoffnung, Trost und Zuversicht – und man kann sich kaum vorstellen, dass der Schöpfer dieser Töne seine musikalische Karriere als Drummer einer Hardcore-Band begann.

(Mercury Classics/Universal)

 

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