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03.12.2019 |  Peter Füssl

Matthias Schriefl: Moving Krippenspielers/Vol. 1

„Lauter frohe Botschaften ...“ steht auf der ersten Seite des Booklets, und die froheste von allen ist wohl die, dass es dieses über Jahre hinweg mit Inbrunst praktizierte, durchgeknallte Krippenspiel aus dem für hochmusikalischen Nonsens bürgenden Hause Schriefl jetzt auch für die Allgemeinheit gibt.

Mit seinem hier auch schauspielerisch eingespannten, multiinstrumental sozialisierten Sextett mit Simon Rummel, Marcel Kolvenbach, Silvio Morger, Alex Morsey und Michl Engl, dem fulminanten Damen-Streich- und Gesangstrio Netnakisum und einer Handvoll ausgewählter Gäste inszeniert der aus dem Allgäu stammende Spitzentrompeter eine bislang vermutlich im päpstlichen Giftschrank weggesperrt gewesene Version der Weihnachtsgeschichte, die aber schon gar keine Fragen mehr offen lässt. Mit einer Vielzahl an dialektal gefärbten, zwischen Helge Schneider, Otto und Karl Valentin angelegten, zumeist dem kompletten Nonsens verschriebenen Dialogen zwischen den allbekannten Protagonisten werden auf himmelschreiende Weise die letzten Mysterien erhellt. Die anarchische Blödelei setzt sich nahtlos und mit ebenso höchstmöglicher Intensität realisiert auf dem musikalischen Sektor fort, nun aber gepaart mit einer unüberhörbaren Virtuosität. Die vielfach längst zu Tode gedudelten weihnachtlichen Gassenhauer werden einer „shreefpunkschen“ Frischzellenkur unterzogen und oftmals in rhythmisch und stilistisch abenteuerlichen Mutationen präsentiert: „Kommet Ihr Hirten“ wird mit Zawinuls „Birdland“ veredelt, „Stille Nacht“ wird zum exzessiven Funk-Monster, und das vielstimmige „Alle Jahre wieder“ klingt südstaatenmäßig nach herzzerreißendem Soul-Erweckungsgottesdienst, in den sich zusätzlich auch noch ein cooler Rapper zu Reggae-Beats einbringt. „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ schwappt vom hochdramatischen Gospeldrama in einen beschwingten Calypso über, und „O Tannenbaum“ wird mit Obertongesängen und von der Tuba meisterlich gegrummelten rockigen Bassriffs unterlegt, während Matthias Schriefl seinem siedendheißen Trompetenspiel freien Lauf lässt. Wer meint, in Sachen Weihnachtsplatte seien keine wirklichen Überraschungen mehr möglich, wird aus dem Staunen nicht herauskommen.

(resonando)   

Konzert-Tipps: Die Moving Krippenspielers sind im Dezember auf einer ausgedehnten Tour vorwiegend durch Süddeutschland. Siehe www.schriefl.eu

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