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23.07.2019 |  Peter Füssl

Maria Farantouri / Cihan Türkoğlu: Beyond The Borders

Wem sollte man echtes gesellschaftliches Engagement abnehmen, wenn nicht der 1947 in Athen geborenen Sängerin Maria Farantouri, die einigen der wichtigsten Werke von Mikis Theodorakis, etwa „Canto General“ oder „Mauthausen“, buchstäblich Stimme verlieh, die in den 1960ern nach dem Militärputsch aus Griechenland floh und im Exil jahrelang lautstark gegen die Diktatur auftrat, die später auch die deutsche Friedensbewegung unterstützte und als Politikerin im griechischen Parlament saß? Bereits Anfang der 1980er Jahre trat sie mit türkischen Musikern auf, um ein antichauvinistisches Zeichen gegen die griechischen und türkischen Nationalisten zu setzen, die die Feindseligkeiten zwischen den Ländern skrupellos anheizten. Für Maria Farantouri ist der Titel ihres neuen Albums „Beyond The Borders“ schon seit Jahrzehnten Programm, und ihr ausdrucksstarker Kontraalt ist immer noch ein ideales Instrument, um Zeichen der Toleranz und Menschlichkeit über Grenzen hinwegzutragen.

Im in Athen lebenden türkischen Saz- und Kopuz-Spieler Cihan Türkoğlu hat sie nicht nur einen exzellenten Instrumentalisten, sondern vor allem auch einen einfühlsamen Arrangeur für Traditionals und einen einfallsreichen, Tradition und Moderne stimmig überbrückenden Komponisten gefunden. Meri Vardanyan auf der orientalischen Kastenzither Kanun, Christos Barbas auf der Ney, Anja Lechner am Violoncello und Perkussionist İzzet Kızıl verstehen es perfekt, seine farbenreichen, durch tiefe Emotionalität geprägten musikalischen Vorstellungen umzusetzen und zu einem perfekten Vehikel für Farantouris ausdrucksstarke Stimme und die Texte der griechischen Schriftstellerin und Lyrikerin Agathi Dimitrouka zu machen. Ob mazedonisches, sephardisches oder armenisches Volkslied, christliche Hymne aus dem Libanon oder Eigenkomposition, dieses hochkarätige Ensemble versteht es, die richtigen Botschaften in ein wunderschönes musikalisches Gewand zu kleiden und dabei noch die Sehnsucht nach mediterraner Wärme und dem damit – zumindest in den idealisierten Vorstellungen – verbundenen Lebensgefühl anzuheizen.

(ECM/Vertrieb: www.lotusrecords.at)  

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