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28.10.2019 |  Peter Füssl

Maciej Obara Quartet: Three Crowns

Obwohl „Unloved“ bereits das neunte Album von Maciej Obara war, hatten vor diesem ECM-Debüt im Jahr 2017 nur wenige Jazz-Interessierte den polnischen Altsaxophonisten und Komponisten auf dem Radar. Das hat sich durch begeisterte Kritiken und eine Reihe renommierter Preise mittlerweile grundlegend geändert. Zurecht, denn mit „Three Crowns“ beweist das je zur Hälfte polnische und norwegische Quartett mühelos, dass mehr als genug musikalische Substanz da ist, um die hohen musikalischen Erwartungen der Fans jederzeit zu erfüllen.

Der Album-Titel bezieht sich auf den eindrucksvollen Berg und Touristenmagneten Trzy Korony (Drei Kronen), „Vang Church“ verweist auf die berühmte norwegische Stabholzkirche, die 1841 vom preussischen König erworben und im 1500 km entfernten polnischen Städtchen Karpacz Górny wieder aufgebaut wurde, und „Blue Skies for Andy“ ist eine vielschichtige und abwechslungsreiche Hommage an den Vater des Saxophonisten. Ein Quäntchen polnisches Lokalkolorit mag also zumindest von den Inspirationsquellen her in den Quartett-Sound einfließen, dieser bewegt sich aber vor allem irgendwo im Spannungsfeld zwischen den international geläufigen Idiomen des zeitgenössischen Jazz, der Musik Krzysztof Komedas, dem auf dem letzten Album gehuldigt wurde, und den Kompositionen des renommierten Neutöners Henryk Mikołaj Górecki, von dem zwei Stücke („Three Pieces in Old Style – Piece 1“, „Little Requiem For a Polish Girl“) auf dem aktuellen Album auf höchst originelle Weise bearbeitet wurden.
Obara legt den zwischen sechs und zehn Minuten langen Stücken zwar klare Strukturen und starke Melodien zugrunde, lässt sich selber und den kongenialen Kollegen aber viel Raum, diese mit individuellen Fähigkeiten, kreativen Ideen und solistischen Highlights aufzuladen und somit auf ein neues musikalisches Level zu heben. Die kraftvoll-expressiven und beseelt balladesken Altsaxophonimprovisationen korrespondieren auf wundervolle Weise mit den ausdrucksstarken und oftmals auf anziehende Weise versonnen wirkenden Soundlandschaften des Pianisten Dominik Wania – die beiden hatten sich ja in einem Projekt Tomasz Stankos kennengelernt, dem nun mit „Mr. S“ ein der Bedeutung des polnischen Musik-Titanen durchaus angemessenes Kernstück des neuen Albums gewidmet ist. Dass das exzellente norwegische Rhythmus-Gespann mit dem das musikalische Geschehen erdenden, manchmal aber auch zum Überfliegen einladenden Ole Morten Vågan am Kontrabass und dem gleichermaßen explosiv wie sensibel agierenden Gard Nilssen an den Drums über weite Strecken völlig gleichberechtigt mit Obara und Wania agiert, ist keine große Überraschung, verblüffend ist dennoch, mit wieviel Verve und Einfallsreichtum sie ganz besondere Akzente zu setzen verstehen. Mit diesem Album setzt das Quartett seinem bisherigen Schaffen nicht nur eine, sondern gleich drei Kronen auf. Ein intensives Vergnügen, das mit jedem Durchlauf neuerlich wächst. (ECM/Vertrieb: www.lotusrecords.at)

Konzert-Tipp: In unserer Region ist dieses famose Quartett in Langenau bei Ulm (19.1.20) zu sehen, unsere Wiener LeserInnen haben schon am 28.11. im Porgy&Bess die Gelegenheit dazu.

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