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28.04.2020 |  Peter Füssl

Kandace Springs: The Women Who Raised Me

Mit ihren beiden auf dem renommierten Blue Note-Label erschienenen Alben „Soul Eyes“ (2016) und „Indigo“ (2018) hat sich die 1989 in Nashville geborene und lebende Sängerin und Pianistin Kandace Springs bereits einen hervorragenden Namen im Spannungsfeld aus Jazz, Soul und diversen Black-Music-Genres gemacht. Sie versteht es hervorragend, die traditionellen Errungenschaften der stilprägenden großen Diven mit jenen der bekannten zeitgenössischen Vokalistinnen zu kombinieren und dabei durchaus ein eigenes, unverwechselbares Profil zu entwickeln. Mit ihrem dritten Album zollt sie nun all jenen großartigen Sängerinnen Tribut, die sie auf ihrem bisherigen Lebensweg geprägt und, wie sie selbst sagt, zu der gemacht haben, die sie heute ist.

Anhand der Namen lässt sich die eindrucksvolle Bandbreite des musikalischen Spektrums gut ablesen – von Ella Fitzgerald, Carmen McRae, Billie Holiday und Nina Simone bis hin zu Diana Krall, Sade, Lauryn Hill und Norah Jones. Dabei gelingt es Kandace Springs mühelos, die von Musikkennern und -Fans mit den großen Namen sofort in Verbindung gebrachten, sehr bekannten Songs ganz zu ihren eigenen zu machen, sie mit ihrer unter die Haut gehenden Altstimme perfekt zu intonieren, deutlich zu artikulieren und nie übertrieben, aber stets wirkungsvoll mit ihren eigenen, stets authentisch wirkenden Emotionen aufzuladen. Starproduzent Larry Klein, der reichlich über Erfahrungen mit Vokalistinnen – Joni Mitchell, Madeleine Peyroux, Melody Gardot, um nur einige zu nennen – verfügt, hat die angenehm reduzierte und transparente Instrumentierung mit Gitarrist Steve Cardenas, Bassist Scott Colley, Drummer Clarence Penn und Springs an den Tasten perfekt umgesetzt und zu diesen erfahrenen Könnern eine Handvoll exzellenter Solisten eingeladen. Die lassen sich von der Leidenschaft der Vokalistin gerne anstecken und sorgen für jede Menge Gänsehautmomente. Der gerade äußerst angesagte israelische Trompeter Avishai Cohen veredelt etwa Sades „Pearls“ und den Bonnie Raitt-Hit „I Can’t Make You Love Me“ mit seinem elegant-eindringlichen Spiel, das sich wunderschön mit Springs ungemein ausdrucksstarker Stimme vermischt. Der legendäre Screamin‘ Jay Hawkins hätte sich über David Sanborns magisch-expressive Sax-Eskapaden auf „I Put A Spell On You“ gefreut, Springs‘ effektgeladene Hommage an Nina Simone. Astrud Gilberto machte 1965 Luiz Bonfás „Gentle Rain“ zum Bossa Nova-Welthit, Carmen McRae lieferte eine besonders schöne Version von Duke Ellingtons „In My Solitude“ – Kandace Springs hat sich ihre Interpretationen der beiden Klassiker vom exzellenten Saxophonisten Chris Potter veredeln lassen. Als hervorragende Flötistin erweist sich die erst 25-jährige Elena Pinderhughes auf Lauryn Hills „Ex-Factor“ und dem Roberta Flack-Welthit „Killing Me Softly With His Song“. Kandace Springs selber schwärmt in Interviews davon, was für ein erhebendes Gefühl es war, Ella Fitzgeralds Lieblingssong „Angel Eyes“ mit einem ihrer ganz großen Vorbilder, nämlich Norah Jones, aufzunehmen – die Idee stieß wohl auf große Gegenliebe, jedenfalls agieren die beiden Ausnahmesängerinnen höchst inspiriert. Zu extrem verhallten Keyboardtönen wirkt die von Billie Holiday berühmt gemachte Antirassismus-Lynchmord-Ballade „Strange Fruit“ überaus gespenstisch, was natürlich perfekt zu ihrem Inhalt passt. Ein grandioser Abschluss für ein exzellentes Album, das nicht auf Innovation setzt, aber die Jazztradition in einer entstaubten Version feiert.

(Blue Note/Universal)

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