„Antigone" in einer Bearbeitung von Michael Köhlmeier derzeit im Theater Kosmos in Bregenz zu sehen.(Foto: Jan Friese)
Peter Füssl · 16. Aug 2011 · CD-Tipp

Julian Lage Group: Gladwell

Der 24-jährige, in der San Francisco Bay Area aufgewachsene Gitarrist Julian Lage betrat die Szene als Wunderkind, das als Achtjähriger an der Seite von Carlos Santana spielte und gleich auch mit einem Dokumentarfilm portraitiert wurde, der für den Oscar nominiert wurde. Mittlerweile sind Lages gitarristischen Fähigkeiten längst auch mit höchsten akademischen Weihen abgesegnet, und schon die zweite unter seinem Namen veröffentlichte CD, „Sounding Point“, war letztes Jahr als „Best Contemporary Jazz Album“ für den Grammy nominiert.

Auch im Nachfolgewerk „Gladwell“ verbinden sich Intellekt und Emotion in einer funkensprühenden musikalischen Ideenschmiede, wobei Julian Lage mit großer Souveränität und Eigenständigkeit aus den verschiedensten Quellen schöpft – aus dem Great American Songbook ebenso wie aus Blues, Bluegrass und Country, bei Jim Hall ebenso wie bei Django Reinhardt, George Benson oder Bill Frisell. In technischer Hinsicht ist Lage ohnehin ein brillanter Alleskönner, er hat aber auch kompositorisch einiges auf Lager – neun der zwölf Stücke sind Eigenkompositionen, die an Abwechslungsreichtum nichts zu wünschen übrig lassen. Manchen Cut hat er Solo oder im gitarristischen Zwiegespräch mit sich selber aufgenommen, besonders interessant sind aber die Quintett-Aufnahmen mit Dan Blake am Tenorsaxophon, Aristides Rivas am Cello, Jorge Roeder am Kontrabass und dem Drummer und Perkussionisten Tupac Mantilla. Denn aus dieser Konstellation entstehen mitunter außergewöhnlich reizvolle und so noch nie gehörte Soundkombinationen, die sich zu wahren Klangfeuerwerken verdichten können. Ein intelligentes, aber dennoch leicht ins Ohr gehendes Hörvergnügen.
(EmArcy/Vertrieb: universalmusic.at)